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Krefeld
Kliniksanierung dauert

Krefeld: Kliniksanierung dauert
Klinik-Chef Francesco de Meo. FOTO: Andreas Krebs
Krefeld. Francesco de Meo, Chef der Helios-Kliniken, im Interview über die Probleme in Krefeld, weitere Übernahmepläne in NRW und die Zukunft der kommunalen Krankenhäuser.

Warum haben Sie das Klinikum Krefeld übernommen - einen schwierigen Fall mit problematischem Image?

DeMeo Krefeld ist interessant als Standort, dort wird exzellente Medizin gemacht; es ist ein Standort, der sich trotz großer Defizite entwickeln kann.

Die Helios-Messlatte gibt vor, das Verhältnis von Ergebnis vor Zinsen und Steuern zum Umsatz in fünf Jahren auf 15 Prozent zu steigern.

DeMeo Krefeld wird länger dauern.

Trotz rigider Maßnahmen wie die Kündigung der Verträge mit lokalen Dienstleistern?

DeMeo Die Stadtwerke behaupten doch immer, fair im Preis zu sein. Kein fairer Vertragspartner kann aber erwarten, dass wir Dinge unterlassen, die unser Unternehmen stärken.

Ob sich die Probezeitler im Klinikum darauf einstellen, keine Aussicht auf eine Übernahme zu haben?

DeMeo Den Betriebsräten war klar, dass dies eine Frage der rechtlichen Beurteilung ist. Wir verhandeln jetzt mit dem Betriebsrat, auch über den Sozialfonds, über Maßnahmen, die in den nächsten drei, vier, fünf Jahren anstehen.

Was ist mit der DRK-Schwesternschaft, die dem Krefelder Klinikum Pflegepersonal stellt?

DeMeo Wir reden mit der Schwesternschaft. Die Vertragskonditionen sind nicht marktkonform, dass man nicht einmal das sagen darf, ist schon erstaunlich.

Wie viele Mitarbeiter behalten Sie?

DeMeo Wir sind dabei, den Überhang in einigen Bereichen zu klären. In der Verwaltung könnte es ihn geben, aber auch in anderen Bereichen. Der Personalbestand wird sich verändern, natürlich. Das hängt davon ab, wie sich die Fallzahl entwickelt und welche Abteilungen wir neu aufbauen.

Haben Sie da Ideen?

DeMeo Da haben wir Ideen. Sie werden Sie im April, Mai hören, wenn sie unter Dach und Fach sind. Im Palliativbereich zum Beispiel kann viel mehr passieren.

Trotzdem scheint der Widerstand gegen die Privatisierung in Krefeld größer als anderswo.

DeMeo Widerstand sind wir gewohnt. Der Umgang mit uns ist allerdings anders als andernorts üblich. Dort muss man nicht damit rechnen, dass man Absprachen, die sich im Prozess befinden, am nächsten Tag in der Zeitung liest. Man wird hier in eine Rolle gedrängt. Wir haben unterschätzt, wie sehr die Politik davon lebt, so etwas nach außen zu diskutieren.

Dabei sollte Krefeld der Auftakt zu einer neuen Helios-Region sein.

DeMeo In NRW gibt es etliche Maximalversorger, mit schönen Kliniken drumherum, aus denen sich Cluster bilden lassen - alle interessant. Aber wir können nur Interesse zeigen, wenn wir gefragt werden.

Wann steht die Region um Krefeld?

DeMeo 2009 - als eine der Helios- Regionen mit Krefeld als Zentrum. In zehn bis 15 Jahren werden sicherlich weitere Kliniken im Umfeld dazugekommen sein.

Nicht das übliche Helios-Tempo.

DeMeo Bis 2009 bleibt es - bei vorsichtiger Betrachtung - politisch bedingt in der Region eher eine Hängepartie bei Privatisierungen. Bis dahin wird wenig passieren, es sei denn, die Situation ist so dramatisch, wie sie in Krefeld war. Wer noch Zeit hat, wartet ab. Aber wenn Sie sich den Investitionsstau ansehen, gerade in NRW, dann werden einige Krankenhäuser einfach nicht durchhalten. Und um dann sagen zu können, die Versorgung gerettet zu haben, werden die Verantwortlichen die Privaten holen. Als letztes Mittel. In NRW wird Privatisierung immer eher punktuell und möglichst das letzte Mittel bleiben.

Ulla Schmidt versucht gerade, die öffentlichen Kliniken mit einer Finanzspritze der Länder zu retten.

DeMeo Die Politik, egal, wie sie sich positioniert, kann an bestimmten wirtschaftlichen Dingen nicht vorbei. Im Moment lässt die europäische Ebene die Subventionierung defizitärer Krankenhäuser weitestgehend zu. Aber in den nächsten fünf bis sieben Jahren wird man sich fragen, ob man die defizitären Krankenhäuser noch halten kann. Um sie dann auf das Niveau der Privaten zu bringen, braucht es kapitalstarke Investoren. Das Problem könnte bei kleinen Krankenhäusern auf dem Land entstehen.

Investitionsmöglichkeiten für Helios?

DeMeo Wir könnten die Häuser sinnvoll einbinden. Solche Kooperationen können aber alle erreichen, private oder öffentliche Träger. Im Grunde braucht es die Koexistenz staatlicher und privater Formen. Es hängt davon ab, ob sie genügend Leute haben, die das wollen. Kooperationen scheitern oft an persönlichen Eitelkeiten.

Würden Sie sich in eins Ihrer eigenen Häuser legen?

DeMeo Habe ich getan. Vor zwei Jahren, in Schwerin, nach einem Bandscheibenvorfall. Damals habe ich gemerkt, worauf man als Patient achtet: Welches Haus hat die meisten Erfahrungen damit, welches hat die geringsten Komplikationsraten und welches hat die beste Technik. Bei uns bekomme ich diese Daten, aber ich habe keine Möglichkeiten sie mit Häusern anderer Träger zu vergleichen. Sie kriegen die Daten einfach nicht. Das kommt durch diese alte, traditionelle Angst vor Transparenz. Davor, Fehler einzugestehen.

Sie werden "der Pate” genannt. Tragen Sie den Namen mit Stolz oder mit Verachtung?

DeMeo Ich sehe das italienisch gelassen. Der Pate ist derjenige, der statt der Eltern für einen da ist, wie sie die Verantwortung übernimmt und das Leben begleitet. Dass der Pate auch mit Dingen belastet ist, die mit amerikanischen Filmen zu tun haben, nehme ich in Kauf. Wer nicht differenzieren will, wird auch nicht differenzieren.

UlrikeWinterundWolframGoertz führten das Gespräch

Quelle: RP
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