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Krefeld
Köbes, Krefeld und der Kult ums Bier

Krefeld: Köbes, Krefeld und der Kult ums Bier
SPD-Ratsfrau Anke Drießen-Seeger und Autor Jens Prüss haben viel Spaß bei den Vorbereitungen für die Lesung in der Brauerei Gleumes. Eins ist für Prüss schon mal klar: "Am Donnerstag komme ich mit der Bahn." FOTO: T. Lammertz
Krefeld. Der Autor Jens Prüss hat ein Buch über den Köbes geschrieben. Am Donnerstag liest er aus seinem Werk bei Gleumes. Von Bärbel Kleinelsen

Wer den Köbes nicht kennt, hat was verpasst. Er ist ein "Jesöffschlepper" mit großer Klappe und trockenem Humor, ein "Zeremonienmeister der rheinischen Brauhauskultur", wie es Köbes-Kenner Jens Prüss ausdrückt. Der Düsseldorfer Autor hat dem sympathischen Brauburschen ein eigenes Buch gewidmet, in dem natürlich auch Krefeld und seine traditionsreiche Brauhaus-Kultur nicht fehlen dürfen. Am Donnerstag, 21. Juli, liest er aus seinem amüsanten Werk. Wo? Natürlich im Brauhaus, bei Gleumes, wo man nicht nur trefflich über die Kunst des Bierbrauens philosophieren, sondern sie auch vor Ort besichtigen und - noch wichtiger - deren Resultate verkosten kann.

Eingeladen wurde Jens Prüss von der Krefelder SPD-Fraktion, die diese Lesung im Rahmen ihres Sommerferienprogramms anbietet. Eigentlich jedoch hat sich Prüss selbst eingeladen. "Ich wollte sicher gehen, dass die Krefelder auch wissen, dass sie in diesem Buch vorkommen, und habe im Internet nachgeschaut, welche Politiker einen gewissen Bezug zum Brauhaus haben. Bei der SPD bin ich fündig geworden, und habe mich bei Anke Drießen-Seeger gemeldet", erzählt der 62-Jährige. Die SPD-Ratsfrau schmunzelt und bestätigt: "Ja, wir treffen uns öfters bei Gleumes." Das Thema des Buches gefiel Drießen-Seeger sofort. "Im vergangenen Jahr hatten wir eine Führung zur Brauhauskultur in Krefeld, da passt der Köbes natürlich prima dazu."

Den Brauburschen in seinem blauen Wams gibt es bei Gleumes zwar nicht, in Krefeld finden Kenner ihn aber im Nordbahnhof und im Brauereiausschank Wienges. "Krefeld war Anfang des 19. Jahrhunderts die Stadt mit den meisten Brauereien pro Einwohner. Schön finde ich, dass hier im Gegensatz zu anderen Städten die Brauereikultur noch nicht in Vergessenheit gerät. Der Köbes war der Braugeselle, der tagsüber Fässer schleppte und abends beim Bierausschank aushalf. Er war ungehobelt und wollte seine Fässer leer kriegen, damit das Bier nicht schal wurde. Also sollten die Gäste trinken und nicht quatschen", erzählt Jens Prüss.

Der Name Köbes ist die kölsche Form von Jakob. Wann jedoch genau der Köbes zum ersten Mal vor dem Tresen auftauchte, darauf gibt es, so Prüss, keine richtige Antwort. Fest steht jedoch: Ohne den Brauburschen wäre es längst nicht so lustig an den blank geputzten Holztischen. So horcht das gesamte Stammpublikum bereits auf, wenn eine schicke Dame den Köbes geziert nach einem Latte Macchiato fragt. Die Antwort ans "Mädsche" kommt prompt: "Wann de eine fings, kanns de mir jo eine mitbränge."

Kein Zweifel: Der derbe Sprücheklopfer macht einen Brauereibesuch zum Bier-Event; er ist unverschämt, aber herzlich, einfach liebenswert. Mit seinem Buch hat Jens Prüss dem rheinischen Original (so auch der Untertitel) nun ein literarisches Denkmal gesetzt. Die Recherche hat dem Autor viele schöne Stunden beschert. So soll es jetzt auch in Krefeld werden. Prüss: "Ich werde auf jeden Fall mit der Bahn kommen. Krefelder Braukunst ist ja berühmt, wie ich nun weiß."

Quelle: RP
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