| 17.07 Uhr

Krefeld
Kommt 'ne Riesenschildkröte zum Arzt...

Wenn eine Riesenschildkröte zum Röntgen muss
Wenn eine Riesenschildkröte zum Röntgen muss FOTO: Jochheim
Krefeld. Wie alt die Riesenschildkröte Mathilda aus dem Krefelder Zoo ist, weiß niemand so ganz genau. Aber dass sie sich zuletzt unwohl gefühlt hat, war den Tierpflegern klar. Deswegen ging es am Mittwoch zum Röntgen. Von Bärbel Kleinelsen

Mathilda macht einen Ausflug. Wie eine Königin wird sie auf einer Sänfte getragen. Begeistert ist sie davon aber ganz und gar nicht. Denn Mathilda ist eine Seychellen-Riesenschildkröte und lebt erst seit Ende vergangenen Jahres im Krefelder Zoo. Noch dazu ist Mathilda krank. In ihrem Harnbeutel hat sich Grieß gebildet, also kleine Harnsteine. Im Januar war deshalb der erste Arztbesuch fällig. Und am Mittwoch musste Mathilda zur Nachuntersuchung.

Die Patientin wiegt 60 Kilo

Zu Besuch bei den Riesenschildkröten FOTO: Jochheim

Glücklicherweise ist der Weg nicht weit. Dennoch tragen die Tierpflegerinnen die gut 60 Kilo schwere Schildkröte aus der Praxis nicht direkt in das Schildkrötenhaus ans Ende des Zoos, sondern bemühen das Auto. Seit 2007 arbeitet der Krefelder Zoo erfolgreich mit der Praxis von Dr. Karl-Heinz Schulte zusammen, die in direkter Nachbarschaft des Tierparks liegt und sich deshalb auch "Tierarztpraxis am Zoo" nennt.

Veterinär Schulte und sein Team haben für die gewichtige Patientin bereits alles Notwendige vorbereitet. Mit dabei ist auch Zoo-Tierärztin Dr. Stefanie Markowski. "Eine Krankheit bei einer Schildkröte festzustellen, ist nicht ganz einfach. Sie zeigt nicht so deutliche Symptome wie beispielsweise ein Hund. Das beweist aber auch, wie gut unsere Tierpfleger ihre Schützlinge kennen. Sie haben gemerkt, dass Mathilda weniger frisst und noch ruhiger war als sonst", erinnert sich Markowski.

"Wir mussten ein bisschen probieren"

Um die Diagnose "Harngrieß" zu bestätigen, hatte das Ärzte-Team Mathilda zur Pferdeklinik nach Duisburg gebracht. Dort konnte eine Computertomographie des Reptils gemacht werden. Nun war der Grieß deutlich zu erkennen. Doch wie entfernt man ihn bei einer Schildkröte? "Wir haben ein bisschen probieren müssen und dann festgestellt, dass wir den Harnbeutel rektal mit der Hand entleerten können. Mathilda hatten wir dafür natürlich in Narkose gelegt", erzählt die Zoo-Tierärztin.

Bei der Nachuntersuchung an diesem Vormittag ist Mathilda hellwach und versucht, vom Röntgen-Tisch zu klettern. Wie wenig ihr die ganze Prozedur passt, zeigt eine gelbe Pfütze, die sich unter ihrem Panzer bildet. "Ach herrje, jetzt macht sie Pipi. Na gut, dann haben wir gleich auch eine Urinprobe", sagt Tiermediziner Schulte und zieht den Urin in eine Spritze auf.

Ihr Vorbesitzer hat die Schildkröte falsch gefüttert

Gut eine Viertelstunde später ist alles überstanden und das vermutlich noch relativ junge Weibchen wird in sein Gehege zurück getragen. "Leider wissen wir sehr wenig über Mathilda, da sie als Fundtier zu uns gekommen ist. Im Zoo Osnabrück war sie auch nur übergangsweise", sagt Stefanie Markowski. Wo auch immer die Schildkröte vorher lebte, sie wurde nicht richtig ernährt, so viel wissen die Zoologen nun. Denn durch zu proteinreiche Kost bildet sich der Harngrieß.

In den nächsten Tagen müssen nun noch Grieß-Reste mit Hilfe eines dünnen Schlauchs rausgespült werden. Diese Behandlung wird jedoch im Gehege und ohne Betäubung durchgeführt werden können. Außerdem muss Mathilda quasi auf Rezept regelmäßig baden. Besucher können sie dabei mit etwas Glück beobachten.

Sie ist übrigens das kleinste Tier im Gehege. Schildkröten-Mann Bernhard ist fast doppelt so groß und mehr als doppelt so schwer und das andere Weibchen, Elly, ist ebenfalls deutlich größer als Mathilda.
 

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