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Krefeld
Krankenhäusern fehlen Millionen für Investitionen

Krefeld: Krankenhäusern fehlen Millionen für Investitionen
Die Gebäude von Maria Hilf sind zum Teil viele Jahrzehnte alt. FOTO: Lammertz Thomas
Krefeld. Laut einer Studie des Rheinischen Instituts für Wirtschaftsförderung fehlen den vier Krefelder Krankenhäusern jährlich 20 Millionen Euro Landesmittel für Investitionen. Der Förderstau beträgt 181 Millionen Euro. Von Norbert Stirken

Krankenhäuser sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Krefeld. Der Anteil an der Wertschöpfung ist in der Stadt deutlich höher als im Landesdurchschnitt. Doch er könnte noch höher liegen. Und nicht nur das. Auch die Patienten könnten sich bei ihren Klinikaufenthalten noch wohler fühlen. "Doch das Land kommt seinen gesetzlichen Verpflichtungen nicht in vollem Umfang nach", kritisiert Paul Neuhäuser, Vorsitzender der Geschäftsführung der St. Augustinus-Kliniken, die in Königshof eine Einrichtung für die Behandlung psychisch Kranker betreiben. "Seit vielen Jahren wird der Investitionsbedarf nicht mehr ausreichend durch das Land finanziert, obwohl es gesetzlich gemäß Paragraf 4 des Krankenhausfinanzierungsgesetzes für die Investitionsförderung zuständig ist", erläutert er.

Für die vier Krankenhäuser sei laut einer Studie des Rheinischen Instituts für Wirtschaftsförderung ein Investitionsstau von 181 Millionen Euro aufgelaufen. An der Erhebung haben alle Krefelder Krankenhäuser teilgenommen. Sie verfügen über 2020 Betten und behandeln jährlich mehr als 80.000 Patienten vollstationär. Der jährliche Investitionsbedarf beträgt 29,9 Millionen Euro. 10,1 Millionen stellt das Land (Stichtag 31. Dezember 2014) bereit. So entsteht eine Förderlücke von 19,8 Millionen Euro jedes Jahr.

Was das beispielsweise für den Um- und Neubau der Klinik Königshof bedeutet, macht Neuhäuser anschaulich klar: "Das Bauvolumen unserer bereits gestarteten Maßnahme von rund 18,3 Millionen Euro wird überwiegend aus Eigenmitteln der St. Augustinus-Kliniken finanziert." Neuhäuser führte aus, dass die jährliche Baupauschale des Landes in Höhe von 143.000 Euro 128 Jahre angespart werden müsste, um auf die Bausumme von 18,3 Millionen Euro zu kommen. Bei einer jährlichen Annuität (Zins und Tilgung) in Höhe von 817.000 Euro fehlten 674.000 Euro jährlicher Baupauschale. "Die fehlende Baupauschale wird durch den Unternehmensverbund getragen. Dieses Geld steht nicht mehr für andere notwendige Maßnahmen zur Verfügung."

Die Studie belegt, dass Investitionen des Landes die Wirtschaft ankurbeln und sich auch volkswirtschaftlich rechnen: Bei einer jährlichen Investition von 1,5 Milliarden Euro würde eine bundesweite Wertschöpfung von 1,85 Milliarden Euro generiert; 5850 Arbeitsplätze könnten in NRW geschaffen werden.

Die Stadt Krefeld liegt in der Bruttowertschöpfung bereits 1,3 Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt. "Das ist damit begründet, weil die Einrichtungen in der Stadt in der Gesundheitsversorgung eine überregionale Rolle spielen. Denken Sie nur einmal an das Herzzentrum", sagte Michael Wilke, Geschäftsführer der Alexianer-Kliniken. Beim Blick über das Morgen hinaus stehen auch für Maria Hilf und die Alexianer-Kliniken große Investitionen in neue Operationssäle und neue Gebäude an. "Räumlichkeiten, die älter als 30 Jahre sind, stehen grundsätzlich auf dem Prüfstand", sagte Wilke. Konkrete Pläne lägen noch nicht in der Schublade. Man befinde sich noch am Anfang. Es sei wichtig, zuerst die Krankenhausplanung des Landes abzuwarten, ehe man in Sparten investiere, für die die Alexianer eventuell keinen Versorgungsauftrag erhalten. Neben den Augustinern in Königshof sind auch die Malteser in Uerdingen bereits einen Schritt weiter. Mit dem Abriss des riesigen, fünfgeschossigen Westflügels nördlich des Eingangs entlang der Kurfürstenstraße und dem Erweiterungsbau des bestehenden Bettentrakts bis an den Eulenturm heran wird das St. Josefshospital künftig ein völlig neues Bild bieten. "Wir werden durch den Erweiterungsbau die Stationen zentrieren und so Wege verkürzen", sagt Arne Greiner, Geschäftsführer des Malteser-Krankenhauses St. Josefshospital, zu dem 22-Millionen-Projekt. Baubeginn soll im August sein.

Helios hat nach ihrem Einstieg die ehemals städtischen Kliniken für mehr als 220 Millionen Euro rundum erneuert. Diese Modernisierung wurde weitgehend aus Eigenmitteln finanziert. Neben dem Substanzerhalt der neuen Gebäude und der angeschafften Medizintechnik umfassen die absehbar geplanten und in Teilen schon realisierten weiteren Investitionen einen OP-Umbau in Hüls, die Inbetriebnahme eines Simulationszentrums sowie die Erweiterung der Intensivstationen. Hinzu kommen Sanierungen in Bestandsgebäuden - etwa in der ehemaligen Frauenklinik sowie in der Klinikküche in Krefeld. Die vier Kliniken zahlen gut sieben Millionen Euro Steuern in den Stadtsäckel.

Quelle: RP
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