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Krefeld
Leben und Arbeiten in der alten Brotfabrik

Kreativ-Fabrik: Leben und Arbeiten in der alten Brotfabrik in Krefeld
Designer Herwart Frie in seiner Werkstatt, die er "Manufaktur der guten Laune" nennt. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. In der dritten Etage des ehemaligen Im Brahm-Gebäudes an der Ritterstraße betreibt Herwart Frie seit rund 30 Jahren seine Porzellan-Manufaktur. Atelier und Wohnung bieten dabei eine einzigartige Einheit. Von Carola Puvogel

Wo sich einst Bäcker umzogen, sind heute Materialien für die Porzellan-Manufaktur von Herwart Frie gelagert. Die original Holzspinde aus der Bauzeit sind noch erhalten, ebenso gekachelte Duschkabinen, die Frie gleichfalls als Lagerfläche nutzt. Von seinem Atelier im dritten Obergeschoss der alten Im Brahm-Brotfabrik an der Ritterstraße hat der Künstler einen weiten Blick über Dießem und den Platz vor der Fabrik Heeder.

Rund 30 Jahre ist es her, dass Herwart Frie und seine Frau in das denkmalgeschützte Gebäude mit der einmaligen Atmosphäre gezogen sind. Frie hatte sein Produkt-Design Studium an der Hochschule Niederrhein gerade abgeschlossen. Auf der Suche nach einer Werkstatt stieß er durch eine Zeitungsannonce auf die Räume in der Brotfabrik. Das Besondere: Frie arbeitet nicht nur in dem historischen Ambiente, er und seine Frau leben auch dort - auf derselben Etage - und können Gäste mit einem kleinen Paradies inmitten in der Stadt überraschen. Eine riesige, üppig bepflanzte Dachterrasse gehört zur Wohnung des Ehepaares. Fahrräder, Einkäufe und Materialien für die Werkstatt werden über einen alten Lastenaufzug in die Höhe befördert.

Von der großen Dachterrasse aus hat Herwart Frie einen tollen Ausblick FOTO: .

"Wir waren damals die Ersten, die hier eingezogen sind; das war schon ein kleines Abenteuer", berichtet Frie. "Es gab noch die alten Silos und Brotbacköfen." Nach und nach hat sich die ehemalige Brotfabrik zur "Kreativ-Fabrik" entwickelt. Heute finden sich dort Künstlerateliers, Mediendesigner, ein Fotograf und das "Theater hintenlinks". Fries Frau betreibt eine kleine Werbeagentur. Ein "nettes Miteinander", wie das Ehepaar findet.

Nach Jahren, in denen Herwart Frie für bekannte Porzellan-Hersteller wie Friesland oder Hutschenreuther Entwürfe gefertigt hat, ist er nun seit geraumer Zeit selbstständig. "Manufaktur für gute Laune" nennt er seine Werkstatt. Er entwirft und bemalt Eierbecher, Salzstreuer oder Espressotassen. Wichtig ist ihm: Alles hat eine Funktion, die Bemalung ist immer individuell. "Seit dem Studium bin auf dem Flachsmarkt und besuche Kunsthandwerker-Märkte in ganz Deutschland." Das Hauptgeschäft laufe jedoch online. Beliebte Sammlerobjekte sind seine Espressotassen, die zum Beispiel Henkel in Form eines Ammoniten oder als Abguss eines historischen Pflastersteins haben.

Das Hinterhaus der ehemaligen Brotfabrik wurde vom Krefelder Architekten und Baumeister Karl Buschhüter entworfen. Im vorderen Gebäude befanden sich zwei große Backstuben mit zehn Backöfen. Zum Komplex gehörten auch ein großer Hof, Garagen, eine Tankstelle, Pferdeställe sowie ein daneben liegender Kohlenplatz. Noch bis 1983 wurde hier gebacken. Heutzutage erinnert nur noch die prachtvolle Backstein-Fassade mit dem Bild des kleinen Jungen, der ein Brot in der Hand trägt, an vergangene Tage.

Quelle: RP
 
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