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Historische Bilder
Krefeld 1965 – ein Fotospaziergang

Krefeld im Jahr 1965
Krefeld im Jahr 1965 FOTO: Joachim Stübben
Krefeld. Joachim Stübben zog als Zwölfjähriger durch Krefeld und fotografierte. Während ihn damals vor allem Technik interessierte, sind die Bilder heute auch schöne Erinnerungen an das Straßenbild. Wir dokumentieren Stübbens Erinnerungen in unserer Reihe "Mein historisches Krefeld". Von Text und Fotos von Joachim Stübben

Mein Vater fand, als ich elf Jahre alt war, dass es an der Zeit sei, mir das "richtige" Fotografieren, das heißt den Umgang mit Blende, Verschlusszeit und Schärfentiefe beizubringen. Im Frühjahr und Sommer des Jahres 1965 machte ich dann nach entsprechender "Ausbildung" und ausgerüstet mit einer Kleinbildsucherkamera des Typs Retina I a Fotospaziergänge in der Umgebung meines Elternhauses.

Es war die Zeit, in der mein Schulfreund Alexander F. und ich gern Autoquartett spielten. Es entstand die Idee, eine Fotosammlung von Auto-, Lokomotiv- und Straßenbahntypen anzulegen. Entsprechend gestaltete sich die Motivwahl. Damals freute ich mich, wenn mir Bilder von Raritäten wie einem Buckel-Taunus oder einem Borgward P 100 gelangen. Heute freue ich mich darüber, dass viele der Autobilder auch einiges von der Umgebung zeigen.

Als in der Rheinbahn geraucht und getrunken wurde FOTO: Rheinbahn

Ein Spaziergang führte ins Bismarckviertel zu den beiden innerstädtischen Straßenbahnbetriebshöfen an der Wied- und der Vinzenzstraße. Dem Zwölfjährigen wurde auf seine höflich vorgetragene Frage hin gestattet, Fotos von den Straßenbahnen zu machen. Heutzutage würde man keinem Betriebsfremden gestatten, zwischen den Bahnen herumzulaufen und Bilder zu machen. Wie schön, dass es damals ging. Die beiden Straßenbahndepots wurden in der ersten Hälfte der siebziger Jahre aufgegeben, die Fahrzeuginstandhaltung wurde am Weeserweg konzentriert. Gelegentlich begleitete ich in den Schulferien meine Mutter auf ihren Einkaufsgängen durch die Innenstadt. Die Markthalle, das Lebensmittelgeschäft Boekels, das Reformhaus Schult und vor allem die von den Damen Illmann und Koegeler geführte Niederrheinische Buch- und Kunsthandlung (unweit der Straßenbahnhaltestelle Ostwall/Rheinstraße) waren gern besuchte Anlaufpunkte.

Bei einem dieser Stadtgänge bogen meine Mutter und ich nach einem Besuch der Buchhandlung in die Luisenstraße ein, wo damals im Gebäude der ehemaligen Kaufmannsschule provisorisch meine Schule, das Arndt-Gymnasium, untergebracht war. Davon wollte ich auch endlich einmal Bilder machen. Neben dem großen Backsteinkomplex stand auf dem Gelände eine Holzbaracke mit vier Klassenräumen, in denen die Sextaner und Quintaner unterrichtet wurden. Die Räume wurden mit Kohleöfen beheizt, deren Betrieb dem Heizer, Herrn Bemelmanns, oblag. Auch ihn habe ich auf einem leider unscharfen Foto festgehalten. Nachdem das Arndt-Gymnasium in den Neubau an der Dionysiusstraße umgezogen war, wurde die einstige Kaufmannsschule gesprengt - ein Ereignis, dem einige Mitschüler und ich (wir waren damals Quartaner) nicht ohne Rührung zusahen. Leider habe ich von der Sprengung kein vorzeigbares Foto gemacht. Aber es freut mich, ein Bild von dem Ofen zu besitzen, der den Raum wärmte, in dem wir in Latein von Herrn Gürtler, in Deutsch von Herrn Dr. Goebel, in Mathematik von Herrn Dr. Niederwestberg und in Religion von Herrn Dr. Besouw unterrichtet wurden.

Auf den Gleisen der Krefelder Eisenbahn herrschte damals noch reger Güterverkehr und am Frankenring entstand ein Bild von der fast fabrikneuen Lok 6, einer von der Fa. Jung gebauten Diesellok. Eine Lok dieses Typs gehört auch heute noch der Krefelder Hafenbahn und ist gelegentlich auf der "Schluff"-Strecke zum Hülser Berg zu sehen. Mit meinem Vater machte ich manchmal Spaziergänge zum Hauptbahnhof. Dort konnte man damals noch recht häufig Dampflokomotiven sehen.

Meine Schwarzweißnegative aus den 1960er-Jahren sind geronnene Erinnerungen. Ich freue mich daran, sie zu besitzen, und bedauere zugleich, dass sie nicht zahlreicher sind. Noch manches wäre vor dem Vergessen bewahrt worden, wenn es fotografiert worden wäre.

Quelle: RP
 
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