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Krefeld
Auf Bergtour in Krefeld

Fotos: Auf Bergtour in Krefeld
Fotos: Auf Bergtour in Krefeld FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Krefeld. Krefelder, besucht Eure Berge! Unser Autor hält ein leidenschaftliches Plädoyer für eine Tour zu den kleinen Hügelchen im Hülser Bruch. Von Thomas Lammertz (Fotos) und Sebastian Peters (Text)

Man kann es sich natürlich einfach machen, kann es für einen Scherz halten, dass wir Krefelder die drei Andeutungen von Erhöhung im Hülser Bruch tatsächlich "Berg" nennen. Man kann spotten darüber, dass man hier vor lauter Wald die Hügel nicht mal richtig sieht. Wer sich aber einmal auf Wanderschaft begeben hat, wer alle drei Wipfelchen hintereinander erklommen hat, der sieht seine Heimat mit anderen Augen, der entdeckt eine Stadt mit Grün und Türmen, mit langen Straßen und hohen Bauten.

Willkommen am Niederrhein, willkommen in Krefeld, wo alles, was höher als drei Maulwurfshügel ist, Berg genannt werden darf!

Erste Etappe: Kapuzinerberg

Wir starten unsere Tour an einem sonnigen Donnerstagvormittag auf dem Parkplatz Flünnertzdyk/Ecke Langen Dyk. Im Rucksack: Banane und Wasser, am Fuß: Wanderschuhe. Das Ziel: Alle drei Berge Krefelds an einem Tag erklimmen.

Erste Etappe ist der Kapuzinerberg, der Hügel mit dem wohl schönsten Blick auf die City. Ein Rundweg führt hinauf, manchmal ist man irritiert, weil der Weg kaum Steigung aufweist, fragt sich, ob man nach links oder rechts hochgehen kann. Ein Spaziergänger kommt entgegen, wir fragen nach dem Weg. Er weist geradeaus und schwärmt: "Sie werden staunen, da hat man einen tollen Blick ins Tal." Heimlich denken wir: "Tal, Du kannst es auch übertreiben." Doch je höher es geht, desto mehr fühlt es sich an wie Bergsteigen. Man ertappt sich plötzlich sogar bei dem Gedanken, dass hier oben eine andere Vegetation herrscht, die Bäume werden kleiner.

2004 wurde der Kapuzinerberg für die Öffentlichkeit freigegeben, als begrünte ehemalige Müllhalde. Im Internet wird seine Höhe mit 77 Meter über Normalnull angegeben, was imposanter klingt, als es wirklich ist. Denn Krefeld selbst liegt schon 38 Meter über Normalnull.

Zweite Etappe: Inrather Berg

Das Ziel naht, ein imposantes Gipfelkreuz, hinter dem eine Bank zum Verweilen einlädt. Wie herrlich! Freie Sicht über die Skyline von Krefeld, es gibt kaum romantischere Fleckchen in unserer Stadt. Hier oben kann man ferne Städte entdecken (zum Beispiel dieses Düsseldorf) oder Kirchturmraten spielen (Achtung, einer ist der Hauptbahnhof!). Eine Banane, ein Schluck Wasser, Sonne tanken. Oh, wie schön ist das Hülser Bruch.

Wir könnten jetzt ewig hier verweilen, doch der nächste Hügel wartet. Wo es denn jetzt zum Inrather Berg gehe, fragen wir einen Spaziergänger? "Gleich da hinten", antwortet der und weist mit der Hand in Richtung Nordosten. Das ist das Schöne an den Krefelder Bergen - sie sind alle so nah beieinander. Das einzige Problem ist, dass man die Berge kaum erkennt, weil sie begrünt kaum als Hügel zu erkennen sind. Da steht man wie der Ochs vor dem Berg und realisiert nicht einmal, dass es ein Berg ist.

Nächste Etappe: der Inrather Berg, mit 87 Metern über Normalnull höchste aller Krefelder Erhebungen. Um ihn zu erreichen, geht man den Langen Dyk in Richtung Norden, hinter dem Gewässer rechts. Zur linken Seite kommt der Berg dann nach wenigen Metern. Es gibt Schleichwege, die hinauf führen. Sie sind steil, führen durch Gestrüpp und Geäst. Wer es komfortabler will, der nimmt den normalen Rundweg, muss aber länger laufen. Auch der Inrather Berg wurde von Menschenhand geschaffen - aus Trümmern des Zweiten Weltkriegs. Die Krefelder nennen ihn "Monte Klamotte". Auf halber Strecke lädt eine kleine Plattform zum Blick in Richtung Rhein und Uerdingen ein. Am Gipfel angekommen, steht einladend ein Plastikstuhl - man hat von hier schöne Sicht in Richtung Norden.

Dritte Etappe: Hülser Berg

Der Blick entspannt, ab und an kann man Greifvögel über dem Bruch kreisen sehen. Alles ist so schön grün hier, und alles ist so schön still hier! In der Ferne erhebt sich der Hülser Berg. Unser nächstes Ziel.

15 Minuten zu Fuß runter, wir wandern jetzt in Richtung Norden, über den Langen Dyk und Steeger Dyk zum Talring. Dort erreichen wir den Hülser Berg, jenen allseits bekannten Hügel, von dem man alles zu kennen glaubt. 65 Meter über Normalnull liegt er, und weist doch zu seinen beiden anderen "Brüdern" einen erheblichen Unterschied auf. Der Hülser Berg ist eine natürliche Erhebung, in der Eiszeit aufgeschichtetes Geröll. Natürlich gibt es auch eine ureigene Hülser Version der Entstehungsgeschichte - demnach war ein Riese mit einer Schubkarre voll Sand und Lehm vom Harz aus unterwegs, in der Dunkelheit stolperte er über einen Urwald, als seine Schubkarre umkippte, lag da plötzlich der Hülser Berg.

Das Erklimmen dieses Hügels ist trotz nunmehr gut zweistündiger Wanderung auch für uns Flachlandtiroler ein Kinderspiel. Die wahre Mutprobe kommt zum Finale: Auf dem Wipfel steht der Johannesturm, 163 Stufen zum Glück, 30 Meter über der Erde. Es weht ein kräftiger Wind, der Turm wackelt, die Knie auch. Aber oben angekommen, bietet sich einer der spektakulärsten Blicke, die man am Niederrhein haben kann.

Wir denken: Wenn es diesen ominösen Riesen jemals gegeben hat, dann hat er den ganzen Niederrhein einfach nur platt getrampelt. Gut also, dass er schon vor so langer Zeit hier wütete - denn sonst hätte er vielleicht auch den wunderschönen Inrather Berg oder Kapuzinerberg zertreten.

Hier geht es zu den Bildern.

Hier gibt es das Video von der ersten Etappe: Kapuzinerberg

Hier gibt es das Video von der zweiten Etappe: Inrather Berg

Hier gibt es das Video von der dritten Etappe: Hülser Berg

Quelle: RP
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