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Bürokraten-Posse
Schrottauto parkt seit drei Jahren in Krefeld

Krefeld: Auto parkt seit drei Jahren am Haus Schönwasser
Dem Kleinwagen ist deutlich anzusehen, dass er seit längerer Zeit unbewegt auf dem Parkplatz an Haus Schönwasser abgestellt ist. Auf der Windschutzscheibe ist der von der Stadt aufgeklebte Rote Punkt zu sehen. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Seit drei Jahren steht ein abgemeldeter Kleinwagen auf einem Parkplatz in Krefeld und rostet vor sich hin. Trotz vieler Beschwerden durch Anwohner lässt die Stadt das Schrottauto nicht entfernen - Hintergrund ist ein kurioses Ämtergerangel um Zuständigkeiten. Von Norbert Stirken

Hunderte unrechtmäßig abgestellte Schrottautos hat die Stadt Krefeld in den zurückliegenden Jahren entsorgen müssen. So skurril und speziell wie diesmal ging es dabei noch nie zu. Seit rund drei Jahren steht auf einem Parkplatz am Haus Schönwasser ein abgemeldeter Kleinwagen mit entsiegeltem oder fehlendem Kennzeichen. "Das Fahrzeug ist völlig verdreckt und wird von den Besuchern des Botanischen Gartens kopfschüttelnd betrachtet", berichtet Anwohner Hans Rudolph. Immer wieder setzte er sich mit den Behörden in Verbindung, um das Ärgernis beseitigen zu lassen. Alle Anrufe bei Polizei und Stadt zeigten bislang nicht den erwünschten Erfolg.

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Auf Anfrage unserer Redaktion stieß die Stadtverwaltung auf eine Besonderheit: "Die Rechtslage ist nicht so trivial, wie sie erscheinen mag. Daher war eine Klärung der Zuständigkeit nicht ganz so einfach", erklärte Stadtsprecher Manuel Kölker. Das Haus Schönwasser sei nämlich inklusive Parkplatz an das Land verpachtet, dort sei ein Lehrerseminar untergebracht, die Zuständigkeit der Stadt Krefeld damit an das Land Nordrhein-Westfalen übertragen. Da aber dieser unhaltbare Zustand schon so lange andauere, sei die Stadt Krefeld nun doch tätig geworden, informierte er. Kommunalbeamte hätten einen "roten Punkt" auf dem Fahrzeug verklebt, womit der Halter aufgefordert wird, sofort das Fahrzeug zu entfernen. Zuvor habe die Stadt an diesem Fahrzeug noch keinen roten Punkt verklebt, ergänzte Kölker. Sollte das Fahrzeug nicht entfernt werden, würden die nächsten Schritte eingeleitet.

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Rudolph unkt - aufgrund seiner Erfahrungen dürfte der "Dreckspatz wohl bis zum St. Nimmerleinstag dort stehen bleiben". Schließlich sei seit mehr als drei Jahren in der Angelegenheit offenbar außer Zuständigkeitsgerangel nichts passiert. Die Polizei habe sich für nicht zuständig erklärt. Das Ordnungsamt sei vor mehr als einem Jahr telefonisch und schriftlich informiert worden, habe später ans Grünflächenamt verwiesen. Der Anblick für die Besucher des tollen Botanischen Gartens sei keine Visitenkarte für die Stadt, kommentierte der Anwohner den Zustand.

Die Zeit des betreffenden Kleinwagens soll jedoch jetzt abgelaufen sein. 60 bis 70 Mal pro Jahr muss die Stadt den Halter ermitteln, um die Kosten von rund 500 Euro pro Entsorgungsfall erstattet zu bekommen. Falls der Eigentümer auf die rote Plakette nicht reagiert, dürfe die Stadt den Wagen aufbrechen und über die Fahrgestellnummer beim Kraftfahrtbundesamt den Halter feststellen.

Kraftfahrzeuge, die ordnungsgemäß versteuert und versichert, sprich für den öffentlichen Straßenverkehrsraum zugelassen sind, dürfen am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen. Auch geparkte Autos nehmen am Verkehr teil. Sie dürfen unter den genannten Voraussetzungen und der Tatsache, dass sie durch den Parkvorgang nicht gegen die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung verstoßen, zeitlich unbegrenzt abgestellt werden.

Kennen Sie auch Schrottautos, die seit Ewigkeiten herumstehen? Schicken Sie uns Ihre Fotos an opinio@rp-online.de und schreiben bitte dazu, wo das Auto steht (Straße und Stadt). Bitte keine Nummernschilder ablichten! Wir zeigen die Fälle bei RP Online.

Quelle: RP
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