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Massenschlägerei in Krefeld
Brautpaar trennt sich nach Prügelei im Standesamt

Krefeld: Brautpaar trennt sich nach Prügelei im Standesamt
FOTO: RP Timo Kühn
Krefeld. Nach der Massenschlägerei im Standesamt Krefeld gibt es Streit um die Kosten. Von Sebastian Peters

Das Brautpaar, dessen Hochzeit in einem Krefelder Standesamt wegen einer Massenschlägerei zwischen 60 Familienangehörigen abgebrochen werden musste, hat sich inzwischen getrennt. Dies berichtete Fatima S., Mutter der Braut, unserer Redaktion. Bei der Prügelei Ende August im Krefelder Standesamt Mitte waren die Familienmitglieder wegen eines Streits um einen Sitzplatz übereinander hergefallen, Kleidung wurde zerrissen, Blut spritzte, Frauen stellten die Stöckelschuhe weg und warfen sich ins Gewimmel. Die Schadensbilanz: eine zerbrochene Liebe, mehrere Verletzte, Macken im Marmorboden und eine zerstörte Vitrine.

Die Krefelder Verwaltung hat gestern auf Anfrage mitgeteilt, dass die Gesamtkosten auf 3000 bis 4000 Euro beziffert werden können. In einem Schreiben sind die Familien bereits informiert worden, dass sie mit einer Schadensbegleichung zu rechnen haben. Die Familien von Braut und Bräutigam streiten sich jetzt darum, wer für die Kosten aufkommt. Die Mutter der Braut, die namentlich nicht genannt werden will, hat sich einen Anwalt genommen. "Der erste Schlag kam von denen, wir werden nicht zahlen." Auch sei es die Familie des Bräutigams gewesen, die die Vitrine zerstört habe. Doch auch die Gegenseite habe schon Juristen beauftragt.

Anlass der Massenschlägerei war laut Bericht eines Standesbeamten ein Streit um einen Sitzplatz. Fatima S., Mutter der Braut, schildert es so, dass die Mutter des Bräutigams darauf beharrt habe, auf einem Platz zu sitzen, auf dem eigentlich einer der Familienangehörigen der Braut saß. "Dabei gab es noch zahlreiche freie Plätze." Die Mutter des Bräutigams habe dann ein Schimpfwort gerufen, woraufhin der Streit eskaliert sei. "Alles passierte in Sekunden", schildert die Mutter der Braut. "Ich war einfach nur schockiert."

Fatima S. sagt: "Ich bin mir sicher, sie wollte die Hochzeit mit meiner Tochter verhindern." Nach ihren Schilderungen war es auch so, dass zunächst nur sechs bis sieben Familienangehörige des Bräutigams im Standesamt waren - erst als die Mutter gerufen habe, seien weitere Personen für die Prügelei hinzugekommen. Die Polizei musste die Prügelnden mit Tränengas und Pfefferspray trennen. Sogar Schlagstöcke führten die Beamten mit sich. Nachdem die rivalisierenden Familien getrennt waren, wurden sämtliche Feierpläne abgesagt - eigentlich war noch ein Treffen des Brautpaars mit den Freunden geplant gewesen. Gemeinsam, aber ohne die Familien, hätte man essen gehen wollen. Wegen des Streits gingen Braut und Bräutigam auseinander und wollen jetzt nicht mehr über den Vorfall sprechen.

Beide Familien kommen aus Krefeld, eine lebt in der Innenstadt, eine im Stadtteil Linn. Schon in der Schulzeit hätten sich die Kinder der beiden Familien nicht verstanden, es habe immer wieder kleine Streitigkeiten gegeben, berichtet Fatima S. Entsprechend groß sei die Verwunderung gewesen, als die beiden 20-Jährigen vor einigen Monaten mit dem Wunsch auf ihre Eltern zukamen, zu heiraten. Zuerst habe sich der Bräutigam immer gut gegenüber den Schwiegereltern in spe verhalten, zuletzt dann aber nicht mehr, so Fatima S.

Ihre Tochter lebt inzwischen wieder bei der Familie. Ihre Mutter erklärt: "Ihr geht es besser als vorher."

Quelle: RP
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