| 18.16 Uhr

Aus der Colonia Dignidad nach Krefeld
Ex-Sektenarzt Hopp soll Behörden über Vermögen getäuscht haben

Krefeld: Ex-Sektenarzt Hartmut Hopp soll Behörden getäuscht haben
Der ehemalige Sektenarzt Hartmut Hopp (Archiv). FOTO: samla
Krefeld. Der ehemalige Arzt der umstrittenen Sekte Colonia Dignidad, Hartmut Hopp, soll vor deutschen Behörden den Besitz eines Grundstücks in Chile verschwiegen haben. Hopp jedoch wehrt sich gegen Sozialbetrugsvorwürfe. Von Jens Voss

Der heute in Krefeld lebende ehemalige Sektenarzt der Colonia Dignidad, Hartmut Hopp, soll bei seinem Antrag auf Grundsicherung im Alter beim Sozialamt Krefeld ein über 10.000 Hektar großes Grundstück in Chile nicht als Eigentum angegeben haben. Dies berichtet das ARD-Magazin "FAKT" und beruft sich auf Grundbuchauszüge und Sozialanträge. Der Wert des Grundstücks soll von einem chilenischen Gutachter auf über eine Million Euro geschätzt werden.

Hopp wurde in Chile wegen Beihilfe zu Kindesmissbrauch zu fünf Jahren Haft verurteilt, entzog sich aber der Inhaftierung durch die Flucht nach Krefeld. Er wehrt sich gegen die Sozialbetrugsvorwürfe. Die Beschuldigungen entsprächen nicht den Tatsachen, ließ Hopp über seinen Anwalt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilen. "Die von mir im September 2011 vor dem Sozialamt Krefeld geleisteten Erklärungen entsprechen der Wahrheit", erklärte Hopp. Der erwähnte Besitz sei 1997 bis zum heutigen Datum von der chilenischen Justiz beschlagnahmt worden, um Schadensersatzansprüche Dritter zu gewährleisten. "Die Krefelder Behörde ist darüber von mir nachweislich erschöpfend unterrichtet worden", so Hopp.

FAKT hingegen zitiert den Fachanwalt für Sozialrecht, Dirk Feiertag, mit den Worten: "Hier steht ganz klar der Verdacht des Sozialbetrugs im Raum. Wer ein Grundstück im Wert von mehreren hunderttausend Euro nicht angibt und Sozialleistungen bezieht, bezieht diese wahrscheinlich zu unrecht." Der Anwalt von Opfern der Colonia Dignidad, Winfried Hempel, habe das Auswärtige Amt bereits 2016 über diesen Sachverhalt informiert. Das Auswärtige Amt soll laut "FAKT" auf das Sozialamt Krefeld verwiesen haben. Opferanwalt Winfried Hempel wertet das ganze Thema gegenüber FAKT als Skandal. "Es liegt ganz offen auf der Hand, dass es hier um Sozialbetrug geht. Ich habe das der Deutschen Botschaft und dem Auswärtigen Amt schon vor Jahren gesagt, dass es nicht angeht, dass Herr Hopp hier vor der Sozialhilfe den armen Mann spielt, während er in Chile Ländereien auf seinen Namen hat", erklärte Hempel laut FAKT. Das Krefelder Sozialamt machte gegenüber der ARD und unserer Redaktion Datenschutzgründe geltend und bat um Verständnis, dass es nichts zu dem Fall sagen dürfe.

Für die Opfer der Colonia Dignidad ist Hopps Vermögen laut FAKT von hohem Interesse, da sie mit Zivilklagen in Chile um Entschädigung kämpfen. Der Bundestag habe in diesem Jahr die Bundesregierung aufgefordert, die Besitzverhältnisse der Colonia Dignidad zu klären und das Vermögen den Opfern zugutekommen zu lassen.

Hopp war 2011 in Chile wegen Beihilfe zu sexuellem Kindesmissbrauch verurteilt worden. Daraufhin floh er nach Deutschland. Als Deutscher darf er nicht an Chile ausgeliefert werden. Daher hat der Oberste Gerichtshof Chiles die Vollstreckung der Strafe in Deutschland beantragt. Das Landgericht Krefeld hat dem zugestimmt und folgte damit der Empfehlung der Staatsanwaltschaft. Hopp hat dagegen Beschwerde beim Oberlandesgericht eingelegt – sie werde noch geprüft, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

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