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Krefeld
Krefeld feiert bei "Kultur findet Stadt(t)"

Krefeld: Krefeld feiert bei "Kultur findet Stadt(t)"
Das große Finale: Die Jazz Swing College Band unter der Leitung von Oliver Hirschegger bei der spektakulären Pink-Floyd-Performance. In der ersten Reihe (Mitte) sitzt Musikschulleiter Ralph Schürmanns und spielt die Violine. 800 Mitwirkende waren beim Kulturfest aktiv - 600 allein von der Musikschule. k FOTO: Mark Mocni
Krefeld. Viele tausend Besucher, dichte Trauben vor den Bühnen und ein großes, buntes Angebot: Das Festival "Kultur findet Stadt(t) war rundum gelungen. Von Mojo Mendiola (Text) und Thomas Lammertz (Fotos)

Der Platz an der Alten Kirche sah auch in diesem Jahr den Auftakt zum Festival "Kultur findet Stadt(t)" - und das bereits zum siebten Mal. Am frühen Freitagabend eröffnete Moderator Joris Schwarz das Spektakel, und nach einem Grußwort von Oberbürgermeister Frank Meyer boten der Liedermacher Tim Linde und Band, das Mondo Mash Up Sound System, die Jazz Swing College Band und ausgewählte Talente der Städtischen Musikschule ein ausgesprochen abwechslungsreiches und mitreißendes Programm. Ensembles der Musikschule bespielten die Bühnen dort auch fast den ganzen Samstag über.

Die Rheinstraße präsentierte sich als bunte Meile: Zum Tanzen wollte vor allem die DAK mit ihren Dance Contests motivieren. Am Samstag war Start in eine neue Wettbewerbsstaffel, die zum Finale am 9. September führen soll. Eine tolle Sache, an der sich viele Kids in vier Altersklassen beteiligten. Die Begeisterung für HipHop-Musik dabei als Köder zu benutzen, ist sicher eine geschickte Idee der Veranstalter, aber in der Einseitigkeit eher kulturschädigend. Nach über drei Jahrzehnten HipHop sollte man dem Nachwuchs auch mal Alternativen anbieten, und das geht am ehesten bei nicht kommerziellen Veranstaltungen.

Die Bühne auf dem Neumarkt war Podium für Singer und Songwriter FOTO: Lammertz Thomas

Die Kulturmeile hatte aber noch viel mehr zu bieten. Mit drei Ständen präsentierte das Kulturbüro der Stadt Krefeld seine vielfältigen Aktivitäten. Dort gab es - frisch aus der Druckpresse - das Serenaden-Programmheft 2017/18 sowie Einblicke in die Arbeit der NS-Dokumentationsstelle Villa Merländer, des Kresch-Kinder- und Jugendtheaters und des Niederrheinischen Literaturhauses. Auch Vereine wie die Lebenshilfe Krefeld, der Krefelder Kunstverein, die Kunstmuseen Krefeld, die Kulturampel, die Krefelder Musiker Initiative und die Initiative Folklorefest standen für ihre Besucher bereit.

Die Mennoniten-Kirche, ein angenehm kühler Ort der Besinnung, bot den idealen Rahmen für interessante Lesungen. Jennifer Morscheiser vom Museum Burg Linn berichtete von dem früheren Burgherrn Otto von Linn, der an Kaiser Barbarossas Kreuzzug teilnahm und dabei fast verhungert wäre. Die 15-jährige Emma Joerges las eine ihrer skurrilen Kurzgeschichten, die auf einem Jahrmarkt spielte und ausbaufähiges Talent offenbarte. Und der Ex-Krefelder Autor Matthias Schamp traf das Thema "Spuren der Zukunft" am besten mit seiner spannenden Geschichte "Burgenkampf.Worms". Darin geht es um eine Gruppe von Gamern, die im Zuge ständig neuer virtueller Möglichkeiten und mit Unterstützung des Philodendrons Chuck, der Dank einer Überdosis Kaffee zum kreativen Wesen mutierte, in eine virtuelle Parallelwelt entschwindet und doch gleichzeitig voller Nostalgie von dem Spiel "Burgenkampf" aus der Frühzeit der Computerspiele schwärmt.

Die Kunst, die aus der Dose kommt, begeisterte viele Passanten: Street Art auf dem Neumarkt. FOTO: Lammertz Thomas

Nicht weit davon konnte man bereits Vorfreude auf den diesjährigen Literarischen Sommer tanken. Auch die Krähen ließen ihr Publikum in die Zukunft schauen. Ab November spielen sie "Zeit ist krählativ", und die Ehrenkrähe 2018 werden sie Eckhart von Hirschhausen überreichen.

Die Mediothek - ein Spielplatz des Lernens - zeigte an ihrem Stand auch ein reiches Angebot an Spielen, unter anderem solche, die nicht nur Migranten, sondern vor allem auch deutschen Kindern und Jugendlichen unterhaltsame Wege zu gutem Deutsch öffnen sollen, damit nicht alles im Ey-Alter-Slang verloren geht. Dazu passt auch gut die Initiative "Mentor Krefeld", der sich die pensionierte Mediothek-Mitarbeiterin Helga Krall verschrieben hat. "Lesehelfer" führen hier Kinder und Jugendliche mit Spaß ans Bücherlesen heran. Ein weiteres Feld ist die Förderung des naturwissenschaftlichen Interesses bei jungen Menschen.

Der Turmbau zu Krefeld erfordert viele Holz und noch mehr Geschick. FOTO: Lammertz Thomas

So viele kleine Highlights bot das Festval - verteilt über die ganze Innenstadt: Lost Places-Fotograf Kai Fricke zum Beispiel wartete neben vielen anderen faszinierenden Fotos mit dem Bild eines ausgeschlachteten, pink gespritzten und mit üppigem Grün bepflanzten Käfers auf einer Verkehrsinsel in Griechenland auf. Die Graffiti-Bilder der Street Art-Ecke am Neumarkt deckten die Richtungen Fantasy, Naiv, Abstrakt und Psychedelisch ab. Singer-Songwriter Jan Demetry ließ eine exorbitante Reibeisenstimme mit Cello-Begleitung erklingen, Johannes Floehr gab Slam-Poetry zum Besten, und der Koffermarkt am Behnisch-Haus war eine Fundgrube kunsthandwerklicher Schätzchen.

Dies und vieles mehr wurde am Abend schließlich gekrönt von drei musikalischen Leckerbissen der besonderen Art - der Pink-Floyd-Performance. Die "Beautiful Soul Messengers" mit Sängerin Uta Wiegner aus dem Stall "rhythm matters" heizten auf der Stadtmarkt-Bühne gehörig vor für das Konzert mit Cheop, für das die Jazzkellergäste schon Stunden vorher die Plätze auf der Lohstraße besetzten. Markus Türk (Trompete), Manfred Heinen (Piano), Tim Isfort (Kontrabass) und Andre Hasselmann (Drums) boten hoch-filigrane und zugleich herzhaft swingende Unterhaltung, während sich auf dem Platz an der Alten Kirche die Gruppe "Meddle" und die Jazz Swing College Band unter Oliver Hirschegger bereitmachten für ihre große Pink Floyd Performance, die ihrem Eröffnungstitel "Shine On You Crazy Diamond" voll und ganz gerecht wurde. Fazit des Stadtmarketing-Leiters Uli Cloos: "Ich bin rundum glücklich!"

Quelle: RP
 
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