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Krefeld
Krefeld ist eine Hausmüll-Hochburg

Krefeld: Krefeld ist eine Hausmüll-Hochburg
Die Grafik zeigt übersichtlich die zehn Städte, in denen pro Kopf die größten Mengen an Haus- beziehungsweise Restmüll anfallen. Zusätzlich beinhaltet sie Angaben darüber, um wie viel Prozent die Mengen in den einzelnen Städten über dem Bundesdurchschnitt von 200 ausgewählten Kommunen in 16 Bundesländern liegen. Die Zahlen stammen aus einer Studie von billiger.de. FOTO: billiger.de
Krefeld. Die Studienmacher haben einen statistischen Zusammenhang zwischen Armutsquote und Müllmengen festgestellt. Von Norbert Stirken

Krefeld nimmt bundesweit einen Spitzenplatz ein: Hinter Bremerhaven, Bottrop, Trier-Saarburg, Neumünster und Bamberg belegt die Seidenstadt den unrühmlichen sechsten Rang im Hausmüllaufkommen pro Einwohner. Mit 308 Kilogramm steht jeder Krefelder in der gestern vorgestellten Statistik der Studie von billiger.de. Damit liegt die Kommune 56 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Die Macher der Studie haben Zahlen der Landesämter für Datenverarbeitung und Statistik aus dem Jahr 2015 ausgewertet.

Der Hausmüll wandert in Krefeld in die Müllverbrennungsanlage nach Elfrath. Dabei handelt es sich um den nach der Trennung von Leichtverpackungen, Bioabfällen, Papier, Glas, Textilien, Elektroschrott und Sperrmüll verbliebenen Restmüll. Er macht 58 Prozent des gesamten Krefelder Abfall- und Wertstoffaufkommens aus.

"Die Studie belegt, dass Arme mehr Müll produzieren. So gibt es einen statistischen Zusammenhang zwischen den Müllbergen je Bürger und der Armutsquote", erklärte Unternehmenssprecher Konstantin Korosides. Für Krefeld weist die Studie eine so genannte Armutsquote von 15 Prozent aus. Den Haushalten in der Seidenstadt stehen im Mittel monatlich etwa 1745 Euro - pro Jahr 20.944 Euro - zur Verfügung. Dass die Kaufkraft der Krefelder knapp unter dem Durchschnitt liegt, unterstreichen die Werte der Gesellschaft für Konsumforschung: Der Index für die Seidenstädter beträgt 99 (100=Bundesdurchschnitt).

Der Krefelder Hausmüll wandert in die Müllverbrennungsanlage Elfrath. Lammertz FOTO: Lammertz Thomas

Unterstellt, dass Armut und Müllmengen tatsächlich etwas miteinander zu tun haben, dann sind die Probleme, die sich gleichsam hinter der Müllstatistik verstecken, in Krefeld vielfältig: prekäre Arbeitsverhältnisse, geringes Einkommen, unterentwickeltes Umweltbewusstsein, hohe Arbeitslosenquote, viele Langzeitarbeitslose, große Abhängigkeit von öffentlichen Sozialleistungen, hohe Ausländerquote, ausgeprägte bildungsferne Schichten und so weiter. Sprecher Korosides berichtete über den Zusammenhang von Armut und fehlendem Erfolg bei der Müllvermeidung: "Es konnte hier ein mittlerer positiv-linearer Korrelationswert errechnet werden." In einer Gesamtbetrachtung für Haus-, Bio- und Wertstoffmüll sieht die Bilanz für Krefeld nicht mehr ganz so schlecht aus. Die Seidenstadt landet bundesweit im Mittelfeld - immerhin immer noch 13 Prozent über dem Mittelwert. 528 Kilogramm entfallen auf einen Einwohner. Auffällig ist hier das schlechte Abschneiden der bayerischen Städte. Mit Schweinfurt, Rosenheim, Hof, Bamberg, Kempten, Kaufbeuren, Regensburg und Aschaffenburg liegen mehrere Kommunen vor Krefeld, das auf Rang 27 von 200 deutschen Städten aus 16 Bundesländern platziert ist.

Laut Studie ist der Landkreis Konstanz mit nur 86 Kilogramm Restmüll pro Kopf und Jahr die "Müllvermeider-Hauptstadt". Damit liegt die Bodensee-Region 56 Prozent unter dem Städtevergleichs-Schnitt. Das bedeutet, dass die Einwohner - statistisch betrachtet - nur rund 230 Gramm Hausmüll pro Tag produzieren. Folgerichtig macht die Hausmüllquote nur 29 Prozent am gesamten Abfallaufkommen aus.

Quelle: RP
 
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