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Krefeld
Krefeld ist um einen Schatz reicher

Krefeld: Krefeld ist um einen Schatz reicher
Erst kurz vor der Weihe waren auch die 50 sichtbaren Pfeifen aus glänzendem Zinn in die Weidtmann-Orgel eingebaut worden. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Krefeld. In der Hülser Konventskirche wurde am Samstagmorgen die rund 330 Jahre alte, restaurierte Weidtmann-Orgel mit einem Festgottesdienst eingeweiht. Damit ist die insgesamt 800 000 Euro teure Wiederherstellung der Kirche vollendet. Von Otmar Sprothen

Seit Samstag kann Krefeld mit einem weiteren, kaum zu überschätzenden kulturellen Kleinod aufwarten: Unter großer Anteilnahme der Bürger aus Hüls und Krefeld wurde am Morgen in der Konventskirche im nördlichsten Stadtteil die mit rund 330 Jahren vermutlich älteste Barockorgel am ganzen Niederrhein eingeweiht, die durch die Firma Ahrend aus dem ostfriesischen Leer restauriert worden war. Mit einem Festgottesdienst am Namensfest des niederrheinischen Heiligen Norbertus stellte Pfarrer Paul Jansen die Orgel der Öffentlichkeit vor: "Ich freue mich riesig, dass wir heute in unserer Konventskirche die Weihe der Orgel feiern können; ein heutzutage seltenes Ereignis", sagte der Hülser Pfarrer.

Beim Festgottesdienst zur Orgelweihe: Die kleine Konventskirche war so gut gefüllt, dass Besucher sogar im Altarraum Platz nehmen mussten. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Während der Messe war eindruckvoll zu erleben, wie die Lichtstrahlen der von Hubert Spierling entworfenen und von der Kevelaerer Werkstatt Hein Derix installierten Kirchenfenster mit dem 1736 vollendeten Schnitzwerk der Empore spielten. Sie verfingen sich in dem neuen Glanz der in einem Rundturm, zwei Ecktürmen und zwei Flachtürmen arrangierten Pfeifen der Orgel, die um das Jahr 1683 in der Werkstatt des Ratinger Orgelbauers Peter Weidtmann entstanden und nach dem großen Brand von 1703 in der Kirche installiert worden war.

Kantor Matthias Zangerle an der Tastatur der Orgel auf der Empore: "Ein seltenes Juwel, das einschlagen wird." FOTO: Thomas Lammertz

Als Kantor Matthias Zangerle nach der Orgelweihe dem Instrument eine Fantasie von Johann Sebastian Bach entlockte, spürte jeder Kirchenbesucher, dass die aus einem Grundstücksverkauf und vielen Spenden der Hülser Bevölkerung zusammengekommenen 800 000 Euro für die Restaurierung der Konventskirche und der Weidtmann-Orgel ein Kleinod hervorgebracht haben.

Wie Hendrik Ahrend, Chef der Restaurierungswerkstatt, erläuterte, war der Bau von Orgeln in der Barockzeit beflügelt von der Musik, die in dieser Zeit komponiert wurde, zog aber auch immer technische Neuerungen an, die nicht immer Verbesserungen waren. Auch an der Hülser Weidtmann-Orgel hatten sich spätere Umbaumaßnahmen vergriffen. Von den ursprünglichen Pfeifen waren nur noch 36 vorhanden. Das restliche Pfeifenwerk bestand aus dunkel patinierten Fabrikpfeifen, die die wertvollen Zinkpfeifen ersetzt hatten. Das Weidtmann'sche Klangkonzept war damit außen vor.

Ahrend rekonstruierte den Großteil der alten Pfeifen, insgesamt 384 von 504, die Balganlage im Rücken des Organisten und die Klaviatur. Wie viele der Barockorgeln belegte er die Orgel mit einem mitteltönigen Stimmsystem. Sie bietet so nicht die universellen Möglichkeiten einer modernen Kirchenorgel, der Klang, so Ahrend, werde aber viele überzeugen. "Früher zu Zeiten Weidtmanns kannte man nur eine laute Vollwind-Intonation. Die Menschen senkten den Kopf, wenn sie die Kirche betraten. Heute passen wir den Klang dem Raum an, in dem er ertönt." Mit ihrem geschulten Gehör und mit Schallpegelmessgeräten haben Ahrend und seine Mitarbeiter jeweils die leere und die gefüllte und mit den Stuhlpolstern ausgelegte Kirche untersucht und die Lautstärke der Orgel danach ausgelegt. Kantor Zangerle zeigte sich begeistert: "Mit der Kirche und der Orgel besitzt Hüls ein seltenes Juwel, das einschlagen wird."

Quelle: RP
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