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Krefeld
Keine Angst vor dem HIV-Test

Krefeld: Keine Angst vor dem HIV-Test
"Menschen mit einem Risiko zu einem HIV-Test zu ermutigen und gleichzeitig das anonyme und kostenlose Testangebot der Gesundheitsämter zu bewerben, ist daher das Ziel der HIV-Testwoche", sagt Harriet Fischer, Krefelder Koordinatorin beim Gesundheitsamt. FOTO: LS
Krefeld. Rund 2700 Bürger in NRW wissen nicht, dass sie infiziert sind. Der Gang zur Aids-Beratung des Gesundheitsamtes könnte helfen, doch er kostet Überwindung. Eine Testwoche soll in Krefeld die Hemmschwelle senken. Von Tim Specks und Joachim Niessen

Der Gang zum Arzt ist oft unangenehm, doch manchmal ist er es ganz besonders - etwa, wenn die Diagnose das gesamte Leben auf den Kopf stellen könnte. Immer wieder ist die Angst vor Testergebnissen sogar so groß, dass sich Menschen erst gar nicht trauen, sich untersuchen zu lassen. Einer der bekanntesten Fälle hierfür ist der HIV-Test. Viele Leute lassen sich nicht testen, weil sie Angst vor möglichen Konsequenzen haben.

Wie wichtig es aber sein kann, sich auf eine Erkrankung testen zu lassen, zeigt eine Hochrechnung des Robert-Koch-Instituts. Demnach leben in Nordrhein-Westfalen rund 18.500 Menschen, die HIV-positiv oder bereits an Aids erkrankt sind. "In Nordrhein-Westfalen wissen rund 2700 Menschen nichts von ihrer HIV-Infektion. Und das zu einer Zeit, in der Arzneimittel verhindern können, dass die Krankheit Aids ausbricht", so Harriet Fischer, Krefelder Koordinatorin beim Gesundheitsamt. Früher sei eine HIV-Diagnose ein Todesurteil gewesen - heute sei sie vielmehr eine "Zwischenbilanz". Wer infiziert sei, könne dank heutiger Behandlungsmethoden die weiteren Schritte seiner Behandlung planen.

Mit einer regionalen HIV-Testwoche wollen Krefeld sowie der Kreis Viersen und Mönchengladbach nun die Hemmschwelle senken, sich in einer der Beratungsstellen auf eine HIV-Infektion testen zu lassen. In der Zeit vom heutigen 3. bis 7. Juli ist das Krefelder Gesundheitsamt an jedem Tag für Interessierte da. Die Beratungsstellen bieten beim Thema einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Hausarzt: Sowohl die Beratung als auch der HIV-Test geschehen anonymisiert.

Ein Besuch bei einer der Beratungsstellen läuft grundsätzlich immer nach demselben Schema ab. Am Anfang steht in der Regel ein allgemeines Gespräch über die Infektionswege sowie das persönliche Infektionsrisiko des Patienten. Oft lasse sich hier eine Fehleinschätzung des im Privatleben - vor allem dem Sexualverhalten - eingegangenen Risikos erkennen. Dabei kann die falsche Interpretation des eigenen Verhaltens in beide Richtungen gehen. Die einen dachten lange, sich einem hohen Infektionsrisiko auszusetzen, waren aber eigentlich nie gefährdet. Genau so gibt es aber auch Menschen, die sich nicht im Klaren sind, wie sie sich durch ihr persönliches Verhalten gefährden. Unwissenheit sei dabei keine Frage des Alters oder der Zugehörigkeit einer speziellen Gesellschaftsschicht. Nach der Beratung folgt der HIV-Test. Hier gibt es zwei Varianten: Beim Labortest wird eine Blutprobe entnommen, ins Labor geschickt, und einige Tage später liegt dann das Ergebnis vor. In diesem Fall kann eine Infektion nachgewiesen werden, wenn sie mindestens sechs Wochen zurückliegt. Eine Alternative ist der sogenannte HIV-Schnelltest - dabei liegt das Ergebnis bereits nach etwa einer halben Stunde vor, sofern die vermeintliche Infektionssituation mindestens zwölf Wochen zurückliegt. Der Nachteil: Der Schnelltest kann nur verlässlich nachweisen, dass keine Infektion vorliegt. Ist der Test hingegen positiv auf HI-Viren, muss das Ergebnis durch einen Labortest bestätigt werden, da es hier sozusagen zu einem Fehlalarm kommen kann. Viele Menschen schätzten auch die Beratungssituation falsch ein. So hätten sie Angst, sich gegenüber den Beratern zu öffnen. "Die meisten Menschen erkranken an Aids, weil sie jahrelang mit HIV gelebt haben, ohne es zu wissen. Menschen mit einem Risiko zu einem HIV-Test zu ermutigen und gleichzeitig das anonyme und kostenlose Testangebot der Gesundheitsämter zu bewerben, ist daher das Ziel der HIV-Testwoche", sagt Fischer.

Quelle: RP
 
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