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Prozess in Krefeld
Angeklagte schweigen zu Mordvorwürfen

Krefeld Landgericht: Mord-Angeklagte schweigen am ersten Verhandlungstag
Die Angeklagten und ihre Verteidiger vor dem Krefelder Landgericht. FOTO: dpa, rwe
Knapp neun Monate nach dem Mord an Hans-Werner L. in Krefeld hat am Dienstag vor dem Landgericht der Prozess gegen fünf Angeklagte begonnen. Sie sollen den 79-Jährigen vorsätzlich und aus Habgier erstickt haben.  Von Clemens Boisserée, Krefeld

Mit fünf Minuten Verspätung, um kurz nach neun Uhr am Dienstagmorgen, eröffnete die Vorsitzende Richterin Ellen Roidl-Hock das Schwurgerichtsverfahren am Krefelder Landgericht -  um es eine knappe halbe Stunde später schon wieder zu vertagen. 

Zuvor war den Angeklagten Jerzy S. (40) aus Solingen, Iwona G. (53) aus Krefeld, Przemyslaw F. (35) aus Krefeld, sowie Mariusz F. (42) aus Bochum und Johann S. (27) aus Krefeld die Anklage verlesen worden. Den fünf Polen wird Mord, Raub mit Todesfolge und Wohnungseinbruchdiebstahl vorgeworfen.

Vorsätzliche Tat aus Habgier

Denn das Quintett soll den damals 79-jährigen Hans-Werner L. am 26. Oktober 2016 in seiner Krefelder Wohnung überfallen, gefesselt und geknebelt haben. Dem Opfer sei "das Gesicht vollständig vertikal und horizontal mit Klebeband bedeckt worden", schildert die Anklage. In Folge dessen soll der Rentner schließlich in seinem Badezimmer erstickt sein. Laut Staatsanwaltschaft geschah der Tod des Krefelders vorsätzlich. Die Bande habe aus Habgier gehandelt und billigend in Kauf genommen, dass L. in seinem hohen Alter durch den Überfall und das folgende Martyrium ums Leben kommen könnte. 

Nachdem Hans-Werner L. tot war, flohen die Täter zunächst mit Antiquitäten, Schmuck, sowie wertvollen Kirchen- und Haushaltsgegenständen - auf Gegenstände im Wert von mehreren 100.000 Euro sollen sie gehofft haben, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Dabei hatte der Krefelder mit seiner Rente in den drei Monaten vor seinem Tod nicht einmal die Stromrechnung zahlen können. Der Wert der Beute dürfte entsprechend deutlich geringer ausgefallen sein. 

Mittäter sollen 25.000 Euro erhalten haben

Mitte Januar 2017 konnte die Bande schließlich durch DNA-Spuren überführt und festgenommen werden. Für den Überfall verantwortlich gemacht werden vor allem Jerzy S., Przemyslaw F. und Mariusz F.. Sie sollen den Krefelder überfallen und die Fesseln und den tödlichen Knebel angelegt haben. Johann E. habe als Lockvogel für Hans-Werner L. fungiert und später den Fluchtwagen gefahren. Iwona G. habe die Beute im Haus gesichtet und eingeschätzt. Beide sollen laut Staatsanwaltschaft jeweils 25.000 Euro für ihre Mittäterschaft erhalten haben.

Zu den Vorwürfen wollten sich alle fünf Angeklagten am Dienstag zunächst nicht äußern. Zumindest zwei von ihnen ließen aber anklingen, im Laufe des Verfahrens Aussagen machen zu wollen. Richterin Roidl-Hock vertagte das Verfahren daraufhin.

Vor dem Gerichtssaal wurde es anschließend laut. Ein Angehöriger des Opfers empörte sich: "Ich habe einen Menschen verloren, den ich liebe”, er habe kein Verständnis dafür, dass die Frau eines Angeklagten im Zuschauerraum sitze und vor dem Saal stehe. Sie solle gehen. Die Frau - in Anwesenheit eines Minderjährigen - polterte lautstark zurück und wurde von einem Verteidiger beruhigt.

In den kommenden Verhandlungstagen sollen nun Zeugen angehört und Beweise gesichtet werden. Ein Urteil wird nicht vor Ende Oktober erwartet.

Als weitere Termine wurden bislang die folgenden Tage veröffentlicht: 27. Juli ab 13 Uhr, 9. August ab 9 Uhr, 25. August ab 13 Uhr sowie 29. August ab 11 Uhr. Verhandelt wird jeweils in Saal 167.

 
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