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Tödlicher Unfall in Krefeld-Oppum
Bahn ist das Problem "Gleise als Abkürzung" bekannt

Krefeld Oppum: Viele nutzen Gleise als Abkürzung - Bahn kennt das Problem
Hinten auf diesem Bild ist die Behelfsbrücke zu sehen, die Fahrgäste für die Dauer der Bauarbeiten nutzen sollen, um von einem auf den anderen Bahnsteig zu kommen. Mit einem Fahrrad, einem Rollstuhl oder einem Kinderwagen hat man bei der Anzahl steiler Stufen kaum eine Chance. Die getötete Frau hatte ein Fahrrad dabei. FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Eine Frau ist am Bahnhof Krefeld-Oppum von einem Zug erfasst und getötet worden. Anwohnern zufolge laufen an dieser Stelle fast täglich Menschen über die Gleise, seit die Unterführung wegen Bauarbeiten gesperrt ist. Der Bahn ist das Problem bekannt. Von Joachim Nießen, Laura Sandgathe und Norbert Stirken

"Tragisch, meine Anteilnahme an die Hinterbliebenen. Allerdings war das in der Tat nur eine Frage der Zeit". So wie dieser Facebook-Nutzer reagieren viele Krefelder auf den tödlichen Unfall am Mittwochmorgen am Bahnhof Krefeld-Oppum. Eine 40 Jahre alte, alleinstehende Krefelderin hatte dort, ihr Fahrrad unterm Arm, die Gleise betreten. Den herannahenden Regionalzug hatte sie offenbar nicht gesehen oder gehört. Der Lokführer leitete eine Vollbremsung ein, konnte aber nicht mehr verhindern, dass der Zug die Frau erfasste. Sie starb an der Unfallstelle

Krefelder, die den Bahnhof besser kennen, hatten schon früher mit einem Unfall wie diesem gerechnet. Denn seit Monaten nehmen dort immer wieder Menschen den gefährlichen Weg über die Gleise, um von einem Bahnsteig auf den anderen zu gelangen. Seit April 2014 wird der Bahnhof Oppum im Rahmen der sogenannten "Modernisierungsoffensive 2" von der Deutschen Bahn umgebaut. Die Bauarbeiten an der Fußgängerunterführung, wo unter anderem Aufzüge eingebaut werden, gehören zu den letzten Maßnahmen. 

Tödlicher Unfall am Bahnhof Krefeld-Oppum FOTO: Lothar Strücken

Trampelpfad an der Unfallstelle

Während der Bauarbeiten ist die einzige Möglichkeit, von einem Bahnsteig zum anderen zu gelangen, eine "provisorische Behelfsbrücke", wie Bahnsprecher Dirk Pohlmann erklärt. Gehbehinderte Menschen oder jemand, der mit einem Kinderwagen unterwegs ist, haben bei 50 Stufen auf jeder Seite der Brücke keine Chance. Die Frau, die bei dem Unfall ums Leben kam, hatte ein Fahrrad dabei. Mit diesem die steilen Stufen zu erklimmen, wäre kaum möglich gewesen. Das bestätigt ein Anwohner vor Ort, und das bestätigt auch Bahnsprecher Pohlmann. "Wir raten den Fahrgästen in diesen Fällen, auf andere Bahnhöfe auszuweichen." 

Doch nicht alle Fahrgäste halten sich an diesen Rat, der Umwege und längere Fahrtzeiten bedeutet. Die Polizei hat an der Unfallstelle einen Trampelpfad gefunden, der darauf hinweist, dass hier beinahe täglich jemand den Weg über die Gleise nimmt. Ein Anwohner, der direkt am Bahnhof wohnt, spricht gar von zehn bis 20 Personen pro Tag. Dieses Problem ist für die Bahn laut Pohlmann "nicht neu": "Wir stehen deshalb bereits in Kontakt mit der Bundes- und Landespolizei. Es wurden zusätzliche Streifen eingesetzt, um die Menschen davon abzuhalten, über die Gleise zu laufen." Die Bundespolizei spreche Verwarngelder aus, außerdem seien Warnschilder aufgestellt und weiße Sicherheitsstreifen auf dem Boden. Den Zugang zu den Gleisen mit einem Zaun oder ähnlichem unzugänglich zu machen, ist laut Pohlmann mit Verweis auf das über 30.000 Kilometer lange Streckennetz der Bahn nicht möglich.

Baustelle sollte längst fertig sein

So bleibt nur, vor der Gefahr zu warnen. "Die Gleise zu betreten, ist lebensgefährlich", sagt der Bahnsprecher. "Die Züge fahren an der Unfallstelle mit einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde und haben damit einen Bremsweg von rund einem Kilometer." Die modernen Züge seien außerdem vergleichsweise leise, sodass es ein Irrtum sei zu glauben, man könne den Zug als Fußgänger auf den Gleisen rechtzeitig hören. Ein warnender, so genannter Achtungspfiff, ist vor Einfahrt in Bahnhöfe anders als an Bahnübergängen nicht vorgeschrieben.

Zuletzt sind die Verhältnisse in der örtlichen Bezirksvertretung im November des vergangenen Jahres thematisiert worden. "Insbesondere die Behelfsbrücke ist ein Beschwernis sowohl für die Bahnnutzer als auch für die einkaufenden Bürger", sagte seinerzeit Bezirksvertreter Helmut Späth (SPD). Ironie des Schicksals: Die Baustelle sollte nach ursprünglichen Plänen längst beseitigt, die Arbeiten für fünfeinhalb Millionen Euro abgeschlossen sein. Doch die Deutsche Bahn konnte ihren eigenen Zeitplan nicht einhalten, schob das Ende der Modernisierung immer wieder hinaus. Oppum sei durch die Bahnanlage zweigeteilt, kritisierte die Politik wiederholt. Auch die Geschäftsleute klagen. Im November sollen die Baumaßnahmen nun laut Bahn endgültig abgeschlossen werden.

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