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Abschleppaktion eskaliert
Angriff auf Polizisten in Krefeld - Verdächtige auf freiem Fuß

Angriff auf Polizisten in Krefeld
Angriff auf Polizisten in Krefeld FOTO: Lammertz, Thomas
Krefeld. Die brutale Gewalt gegen Polizisten, die ein Auto abschleppen lassen wollten, erzürnt die Krefelder. Die drei Frauen und ein Mann, die auf die Beamten eingeprügelt hatten, sind auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft Krefeld kündigt ein konsequentes Vorgehen an. Von Norbert Stirken

Nach einer Prügelattacke auf Polizisten in Krefeld sorgt der Umgang mit den Tätern für Unverständnis in der Bevölkerung. Die drei Frauen und ein Mann, die am Mittwoch zwei Beamte mit Schlägen und Tritten verletzt hatten, sind auf freiem Fuß. Nach Feststellung der Personalien durften die Beschuldigten mit Migrationshintergrund nach Hause.

Am Mittwochnachmittag hatten zwei Mitarbeiterinnen der Stadt die Polizei gerufen, weil sich der Vater einer jungen Frau, deren Auto sie abschleppen lassen wollten, aggressiv gezeigt hatte. Als die Polizisten den Mann in Gewahrsamm nehmen wollten, eskalierte die Situation, drei Frauen und ein Mann griffen die Beamten an. Ein 57-jähriger Polizist konnte seinen Dienst nicht mehr fortsetzen. Die 37-jährige Kollegin wurde leicht verletzt. 

Ein Polizist erzählt anonym über seinen Alltag

Stadt: "Kein Einzelfall"

Die Staatsanwaltschaft Krefeld kündigte an, dem Fall von Gewalt gegen Polizisten konsequent entgegenzutreten. Die drei Frauen und ein Mann werden des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und der Körperverletzung beschuldigt. Das Milieu müsse lernen, Amtsträgern mit Respekt zu begegnen, sagte Axel Stahl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Krefeld, im Gespräch mit unserer Redaktion. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigten die Verrohung der Kultur. Immer öfter würden Vertreter der Rettungsdienste, der Feuerwehr, der Polizei und der öffentlichen Verwaltung Zielscheibe von verbaler und körperlicher Gewalt, sagte Stahl. Stadtsprecher Manuel Kölker bestätigte das. "Übergriffe und Beleidigungen kommen immer häufiger vor und sind schon lange keine Einzelfälle mehr", erklärte er.

Das Auto an der Dreikönigenstraße sollte abgeschlepppt werden, weil die Höchstparkdauer um mehr als einen ganzen Tag überschritten gewesen sei. Der 19-jährigen Halterin seien zu dem Zeitpunkt bereits 14 Verwarnungen zugestellt worden, von denen keine einzige bezahlt war, informierte Kölker. Die Halterin aus Krefeld, die als unbekannt verzogen galt, sei laut Polizei nach dem Vorfall vorläufig festgenommen wurden. Nachdem sie eine Sicherheitsleistung entrichtet hatte, wurde sie entlassen. Über die Höhe der Geldzahlung macht die Polizei keine Angaben. Haftgründe, so Stahl, lagen nach Feststellung der Personalien gegen die beschuldigten EU-Bürger mit Migrationshintergrund nicht vor.

So sehen die neuen Schutzwesten der Polizei in NRW aus FOTO: dpa, koe tmk

Bis zu zehn Jahre Haft für Körperverletzung möglich

Das Auto wurde schließlich doch abgeschleppt. "100 Euro plus 25 Euro Gebühren werden der Halterin Rechnung gestellt", erklärte Kölker. Darüber hinaus müsse sie mit einer Anzeige wegen Beleidigung rechnen. Solche Fälle würden automatisch ans Rechtsamt der Stadt weitergeleitet, und es werde Anzeige erstattet.

Alle Beteiligten erwartet ein Strafverfahren wegen Widerstandes gegen Vollzugsbeamte und Körperverletzung. Tritte könnten unter Umständen auch als schwere Körperverletzung gedeutet werden, wenn die Schuhe gleichsam als Waffe eingesetzt worden wären. Das Strafmaß reicht von Geldstrafe bis zu fünf beziehungsweise zehn Jahren Gefängnis. Darüber hinaus können die Beamten auf dem zivilrechtlichen Weg Schmerzensgeld von den Tätern verlangen. Ironie am Rande: Die Landesregierung hat genau jetzt die Woche des Respekts ausgerufen, um auf die zunehmenden Übergriffe aufmerksam zu machen. Anlass war unter anderem ein dem Krefelder Vorfall ähnlicher Angriff auf Beamte in Düren.

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