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Krefeld
Krefeld präsentiert Bauhaus-Projekt in Dessau

Krefeld: Krefeld präsentiert Bauhaus-Projekt in Dessau
Christiane Lange im Mies-Golfclub, der als begehbare Skultpur auf dem Egelsberg errichtet wurde. FOTO: T.L.
Krefeld. Heute werden die Weichen gestellt: In Dessau beginnt die erste Programmkonferenz des Bauhaus-Verbundes. Dort werden heute und morgen die Projekte vorgestellt, mit denen Deutschland 2019 das Jubiläum der 1919 gegründeten Kunstschule feiern wird, die bis heute Künstler, Designer und Architekten inspiriert. Es soll ein bundesweites Kulturereignis mit internationaler Strahlkraft werden - und Krefeld ist das Leuchtturmprojekt des Landes NRW. Christiane Lange, Vorsitzende des Projekt MIK e.V., ist Kuratorin des Krefelder Jubiläumsbeitrags und wird "map2019 - Bauhaus Netzwerk Krefeld" präsentieren. Von Petra Diederichs

Und dabei wird sie den Fokus auf die Seidenindustrie lenken. Dass Seidenfabrikanten Auftraggeber für Ludwig Mies van der Rohe in den 1920er/30er Jahren waren, ist weltweit bekannt: Die als Wohnhäuser erbauten Villen Esters und Lange an der Wilhelmshofallee und das Bürogebäude der Verseidag sind Architekturinteressierten ein Begriff.

In Dessau will Lange einen neuen Aspekt vortragen: "Die aktuellen Recherchen von Projekt MIK zeigen, dass die Seidenindustrie auch sehr bemüht war, prominente Bauhaus-Lehrer und -Absolventen nach Krefeld zu holen, um die Modernisierung der Gestalterausbildung an den Berufsfach- und Fachhochschulen zu gewährleisten. Dabei ließen sich die Verantwortlichen in Krefeld auch nicht von den ideologischen Vorbehalten der Nazi-Diktatur beirren. Das führte etwa dazu, dass der berühmte Schweizer Künstler Johannes Itten einerseits als Professor in Krefeld in Textilgestalter ausbildete und sogar in NS-Tageszeitungen gelobt wurde; andererseits entfernten die Nazis 1937 Ittens Bilder als ,entartete Kunst' aus den Museen." Der Schweizer Itten lehrte von 1919 bis 1923 als Formmeister am von Walter Gropius in Weimar gegründeten Bauhaus und erfand den "Vorkurs", der Studierende auf die Stilsprache der Bauhaus-Lehre vorbereitete. Auch die Maler Georg Muche und Max Peiffer Watenpuhl kamen vom Bauhaus und wirkten in Krefeld, sowie etwa 30 Absolventen und Leher, die hier an der Textilingenieursschule und der Werkkunstschule Designer bis in die 1960er ausbildeten.

Spektakulär wird der Pavillon sein, den der Künstler Thomas Schütte, wie berichtet, als begehbare Skulptur, als Tagungs- und Ausstellungsraum im Kaiserpark errichten wird. Christiane Lange kuratiert die Schau: "Ein Team aus Kunst-, Wirtschafts- und Architekturhistorikern untersucht derzeit das Netzwerk von Bauhäuslern und Akteuren der Seidenindustrie, des Werkbundes und der Kunstszene, das in Krefeld in ungewöhnlicher Weise künstlerische und ökonomische Interessen zusammenführte." Dieses Forschungsprojekt wird von der Gerda-Henkel-Stiftung gefördert.

Auch Schütte will mit seinem Holz-Pavillon die Bildende Kunst als Impulsgeber für das Bauhaus, Unternehmer und Institutionen zeigen. In den 20er Jahren gingen von Krefeld wichtige Impulse aus für die "Revolution von Alltag, Wohnen und Zusammenleben in der Gesellschaft", um die es den Bauhäuslern ging. So soll die Stadt 2019 überregional gesehen werden.

Quelle: RP
 
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