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| 15.37 Uhr

Serie Vitamin W
Volle Konzentration bei 822 Grad

Serie Vitamin W: Volle Konzentration bei 822 Grad
Vorsicht ist hier überlebenswichtig: 822 Grad heiß ist die rote Aluminium-Suppe, die Emre Kenan Amet gerade ausgießt. In der Gießerei Dietermann in Viersen lernt der Auszubildende derzeit das Handwerk des Gießereimechanikers mit dem Schwerpunkt Handformguss. FOTO: SIEMES
Wenn Marcel Höhne von der Arbeit nach Hause kommt, liegt der ganze Nachmittag noch vor ihm. Der 26-jährige Familienvater genießt den frühen Feierabend um 14.45 Uhr. "Dann kann ich mit meinen zwei Töchtern noch was unternehmen und sehe sie aufwachsen." Von Bärbel Kleinelsen

Dafür nimmt der Auszubildende den frühen Start um 6 Uhr morgens gern in Kauf. Gerade hat er seinen Facharbeiterbrief ausgehändigt bekommen. Nun darf sich Marcel Höhne Gießereimechaniker Handformguss nennen. Er ist einer der wenigen, die das Handwerk noch von der Pike auf lernen wollen. In der Metallgießerei Dietermann an der Chemiestraße in Viersen hat er seine Ausbildung abgeschlossen.

Emre Kenan Amet steht dagegen ganz am Anfang. Der 18. Jährige ist im ersten Ausbildungsjahr und sehr zufrieden mit seiner Berufswahl. "Es ist natürlich eine körperliche Arbeit. Aber gerade das gefällt mir. Das Arbeitsklima in der Gießerei ist so gut, dass ich immer schon mit einem Lächeln morgens anfange." Emre Kenan Amet wusste vorher, welch harte Arbeit auf ihn zukam. Sein Vater arbeitet schon lange bei Dietermann. Trotzdem sah sein Sohn den Betrieb erst mit der Ausbildung von innen. "Sicherheit ist in einer Gießerei ein sehr wichtiges Thema. Wir achten streng darauf, dass alle Mitarbeiter Schutzkleidung tragen und auch ihre Ohren schützen", sagt Franz Georg Reiners, Geschäftsführer des 90 Mann starken Betriebes. "Wir bilden bewusst Handformer aus, damit unsere Mitarbeiter wissen, welche Auswirkungen Fehler haben. So lernen sie zuerst, Gussformen aus Sand im Handverfahren zu erstellen, bevor sie an das Maschinenformverfahren herangeführt werden."

Außer für den Automobilbau (wegen der großen Stückzahlen) arbeitet das Viersener Unternehmen für alle Branchen. Auf Genauigkeit kommt es an. "Bei uns gibt es eine sehr strenge Temperaturüberwachung beim Schmelzen des Aluminiums. Das ist qualitätsentscheidend", erklärt der Chef. 822 Grad heiß ist die rote Suppe, die Emre gerade ausgießt. Marcel verdichtet derweil mit der Hand den Sand in seiner Form. "Ein guter Handformer spürt, ob die Sandaufbereitung richtig gearbeitet hat", sagt Reiners.

Denn auch in diesem Bereich komme es auf jedes Detail an, damit die Qualität der Produkte am Ende stimmt. Wer sich bewirbt, sollte deshalb mindestens einen Hauptschulabschluss mit guten Noten in Mathe, Physik und Chemie vorweisen können. Technisches Verständnis und eine gute Auffassungsgabe werden genauso verlangt wie Fitness und körperliche Belastbarkeit. "Wer hier arbeitet, darf kein Rückenleiden haben oder andere körperliche Einschränkungen. Dann hält er den Arbeitstag nicht aus. Er sollte auch nicht Hitze und Lärm empfindlich sein", zählt Chef Reiners auf. Der frischgebackene Facharbeiter Marcel achtet auf seine Gesundheit. "Man muss auf jeden Fall Rücken schonend arbeiten und darf den Gehörschutz nicht vergessen. Das war ich aber gewohnt, da ich vorher bei der Bundeswehr war. Der Zusammenhalt des Teams ist hier ähnlich gut, was mir direkt gefallen hat." Zumindest die Arbeitszeiten gefallen auch den Lebenspartnerinnen der beiden Azubis. Emre: "Meine Freundin freut sich natürlich."

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