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Weltreise als Rucksacktouristen
Krefeld und zurück in fünf Monaten

Weltreise als Rucksacktouristen: Krefeld und zurück in fünf Monaten
Burcu (23) und Samet (32) Yilmaz tourten binnen fünf Monaten durch zehn Länder und legten bei rund 90.000 Kilometer zurück. FOTO: Lammertz
Krefeld. Das Krefelder Ehepaar Burcu und Samet Yilmaz erfüllte sich seinen Lebenstraum und reiste als Rucksacktouristen um die halbe Welt. Dabei sammelten die beiden Spendengelder für die Bewohner aus armen Regionen, die sie besuchten - und leisteten vor Ort Soforthilfe.

Da gab es diesen einen Apfel. Er musste aus dem Beutel gefallen sein und lag noch in der Reisetasche, als Burcu und Samet Yilmaz kurz vor der Einreise nach Neuseeland noch schnell das in einem Plastikbeutel mitgeführte Obst aufgegessen hatten. Obsteinfuhr ist in Neuseeland bei Strafe verboten, und die Zollbeamtin blieb aller Beschwichtigungsversuche zum Trotz hart. 400 Dollar kostete der Apfel das Ehepaar aus Krefeld – "der teuerste Apfel unseres Lebens", berichten die beiden und lachen.


Kurz vor Weihnachten ist den beiden dieses Missgeschick passiert, ausgerechnet bei der Erfüllung ihres Lebenstraumes. Mit dem Rucksack rund um die Welt, das hatten sich die beiden Krefelder vorgenommen, und ein Zwischenstopp war eben in Neuseeland geplant, jenem Land, das Peter Jackson einst zum Drehort der Herr der Ringe-Verfilmung ausersehen hatte. Das war etwa zur Halbzeit ihrer fünf Monate langen Tour, die sie rund 90.000 Kilometer durch zehn Länder geführt hat und sie rund 22.000 Euro gekostet hat – inklusive des besagten Apfels, versteht sich.

Im Grunde war es eine Schnapsidee, die die beiden auf Reisen gebracht hat. Samet Yilmaz hatte sich mit einem Kumpel abends im heimischen Wohnzimmer über die unbeschwerte Jugend unterhalten, ohne die Verpflichtungen von Rechnungen, Miete und was sonst noch so zum Erwachsensein gehört, als seine Frau zu Tür hereinkam. Der Kumpel gratulierte aus Spaß zur anstehenden Weltreise, Samet spielte mit – und am nächsten Tag gab seine Frau Burcu Grünes Licht.

"Dann haben wir erstmal angefangen, die Reise grob zu planen", erzählt der 32-Jährige. Der Unternehmensberater hatte noch jede Menge Resturlaub und Überstundentage, außerdem Flugmeilen durch berufliche Aufträge in Saudi-Arabien und den USA gesammelt, und ließ sein Hobby, American Football bei den Schiefbahn Riders zu spielen, sausen. Und seine 23 Jahre alte Frau nahm ein Urlaubssemester an der Uni. Fünf Monate würden sie also Zeit bleiben, um auf Tour zu gehen.

"Anschließend haben wir uns Gedanken über das Reisegepäck gemacht", erzählt Burcu Yilmaz. Rucksäcke haben sie sich gekauft, ein neues Zelt, Kochgeschirr, Klamotten und ein Moskitonetz – letztlich kamen so rund 33 Kilo Gepäck zusammen. "Und das war noch viel zu viel", sagt Burcu und lacht. Außerdem informierten sich die beiden bei einem Tropenmediziner über die notwendigen Impfungen – und rechneten natürlich ziemlich viel. Rund 22.000 Euro, so hatten die beiden kalkuliert, würde sie das gute halbe Jahr Aussteigertum kosten. "Darauf haben wir dann etwa ein Jahr gespart." Zusätzliches Geld gab's durch Verkäufe auf dem Trödelmarkt; auch der geliebte Sportwagen fand einen neuen Besitzer, bis dann das Geld beisammen war und die ersten Flüge gebucht werden konnten. Übernachtet wurde vorwiegend in günstigen Hostels oder Bed & Breakfast-Pensionen; drei Nächte kamen im mitgeführten Zelt hinzu. "Nur in Indien haben wir uns für ein paar Tage ein Hotel gegönnt."

Damit die Familie und die Freunde mit dabei sein konnten, haben die beiden eine Internetseite eingerichtet, auf die sie dann von ihren Reiseorten Fotos und Texte von besonderen Erlebnissen eingestellt haben. So auch dieses: In Südafrika etwa, im Krueger Nationalpark, hatten die beiden einen Mitwagen und damit die Geschwindigkeit überschritten. "500 Rand", fauchte sie der dortige Ordnungshüter an, das sind ungefähr 35 Euro, die dafür als Strafe fällig waren – letztendlich hat's nur 150 Rand gekostet, und der Ordnungshüter war urplötzlich so schnell verschwunden, wie er auch aufgetaucht war.

Das beeindruckendste Erlebnis aber war auf den Philippinen. Burcu und Samet Yilmaz hatten sich vor der Reise vorgenommen, in jenen Ländern, wo die Not am größten war, vor Ort Spendengelder zu verteile – insgesamt 1200 Euro. Auf den Philippinen etwa reichten 500 Euro aus, um 60 Familien zu versorgen – und eine ganze Schule mit dem Nötigsten auszustatten. Auch dies haben sie mit Fotos im Netz festgehalten, "damit diejenigen, die uns die Spendengelder mitgegeben haben, auch sehen konnten, wofür wir es verwendet haben".

Zurück in Deutschland und in Krefeld finden sich die beiden inzwischen zurück ins Leben hier. Ein neues Auto haben sie bereits angeschafft, und auch der nächste Urlaub ist schon in Planung: Nach Südamerika soll's gehen. Dorthin dürfen sie dann auch bedenkenlos einen Apfel mit nehmen.

 

Quelle: RP
 
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