| 00.00 Uhr

Gerichtsverhandlung in Krefeld
Vor der Disco mit dem Messer zugestochen

Krefeld. Ein 18-Jähriger soll nach dem Disco-Besuch drei Männer mit einem Messer schwer verletzt haben. Seit Montag muss er sich unter anderem wegen zwei Fällen des versuchten Totschlags vor der Jugendkammer des Landgerichts verantworten. Sein 15-jähriger Bruder ist mitangeklagt. 

Der 18-Jährige mit den dunklen Haaren wirkt gepflegt, redet ruhig und überlässt die Erklärungen größtenteils seinem Verteidiger. Der liest einen Text des jungen Mannes vor, in dem dieser sich für die Tat entschuldigt und verspricht, Schadenersatz und Schmerzensgeld zu zahlen. Danach werde er sich im Betrieb seines Vaters "engagieren". Bisher war das nicht so, sein Leben bestand aus "chillen und Computer spielen". Eine Ausbildung oder einen Schulabschluss hat er nicht.

An besagtem Abend traf er sich mit Freunden, um Whiskey zu trinken. Später ging es weiter in einen "Club". Vor der Tür sei es zu einer Prügelei gekommen. "Mein kleiner Bruder lag am Boden und wurde geschlagen", schilderte er weiter. Da sei er ausgerastet und habe mit einem Messer zugestochen. "Mir war sofort klar, dass ich Scheiße gebaut hab", deshalb sei er weggelaufen. Das Klappmesser habe er auf der Flucht weggeworfen.

Zwei Zeuginnen stellten die Geduld des Gerichts auf die Probe. Beide wollten sich nur fünf Monate nach der Nacht an kaum etwas erinnern können. Sie hätten niemanden zustechen sehen, es sei aber Blut geflossen. Die Jüngere, eine 18-jährige Krefelderin, berichtete, dass der gleichaltrige Angeklagte ihr vor dem Lokal eine Ohrfeige versetzt habe. Als weitere Personen eingriffen, sei es zu einer Schlägerei gekommen. Etwa zehn Personen waren beteiligt, schätzte sie. Sie habe auch beobachtet, dass der Angeklagte ein Messer gezogen habe. "Ich weiß nicht, wer durch wen verletzt worden ist", sagte sie.

Die zweite Zeugin sprach von einer Ohrfeige, die der Angeklagte einer ganz anderen Frau gegeben haben soll. Eines der Opfer, ein 21-jähriger Auszubildender, konnte sich am Montag nur noch daran erinnern, dass sein Bruder eingriffen habe, als eine Frau geschlagen wurde. Als er selber hinzukam, sei er getreten worden. "Dann weiß ich eigentlich nichts mehr." Von seinen Stichverletzungen habe er erst im Rettungswagen erfahren. Er wurde durch eine Notoperation gerettet.

(BL)