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Krefeld
Krefelder als Künstler entdeckt

Krefeld: Krefelder als Künstler entdeckt
Betina Hahn (r.) und Beatrix Vater-Dobberstein vom Verein Kunst und Krefeld vor Holzschnitten von Klaus Peter Noever und Ernst Hoff. FOTO: petra diederichs
Krefeld. Der Verein Kunst und Krefeld zeigt zurzeit eine Ausstellung mit Neuerwerbungen in der Alten Post. Erstmals sind Arbeiten von bisher kaum bekannten Krefeldern zu sehen wie Lenelotte und Fritz Schild oder Anna Noever. Von Petra Diederichs

Die ganze Weltenweisheit und Offenheit eines Kindes strahlt die lebensgroße Büste aus, die gut ausgeleuchtet in der Vitrine in der Alten Post steht. Sie ist ein Blickfang in der laufenden Ausstellung und ein wenig auch der Stolz des Vereins Kunst und Krefeld. Bis Ende Juli präsentiert der Verein, der sich um die Pflege und Nachlässe Krefelder Künstler kümmert, im Parterre des Buschhüterhauses an der Steinstraße seine Neuerwerbungen.

Und der Bronzekopf ist eine Entdeckung. Fritz Schild (1919-1995), bisher als Künstler gar nicht bekannt, hat ihn in den 1960er Jahren nach dem Vorbild seines Sohnes Axel geschaffen. Und der hat die schwere Skulptur zusammen mit einer geschnitzten Heiligenfigur "St. Matthias" und der "Maske einer Schlafenden" jetzt aus dem Nachlass des Vaters dem Verein überlassen. Fritz Schild hat in Garmisch-Partenkirchen die Schnitzschule bei dem renommierten Holz- und Steinbildhauer Professor Otto Hitzberger besucht. Und die Liebe zum Detail der "Herrgottsschnitzer" ist den Arbeiten eigen. "Über Ausstellungen von Schild wissen wir nichts, er hat wohl vornehmlich privat gearbeitet", sagt Kuratorin Betina Hahn. Zur Schenkung gehört auch eine Aquarellstudie mit dem Titel "Strohblumen", die ein Zeitzeugnis für die Modedessins der späten 30er Jahre ist. Schilds Ehefrau Lenelotte (1923-2014) hat sie gemalt. Sie gehört zur Krefelder Goldschmiedefamilie Kammen und hat in jener Zeit an der Kunstgewerbeschule Krefeld Textilgestaltung gelernt.

Jüngster Ankauf: "Schlittschuhläufer" von Wolf von Beckerath. FOTO: petra diederichs

Auch einen dritten Namen gilt es neu in die Liste der Krefelder Künstler aufzunehmen: Anna Noever (1924-1987). Die Ehefrau von Klaus-Peter Noever - von dem Holzschnitte aus den 50er Jahren ausgestellt sind, hat das Meer in Spanien mit ganz zarten Linien gezeichnet. Die feine Arbeit ist ein zeitlos schönes Stimmungsbild. "Sie hat sich immer sehr zurückgenommen. Niemand hat geahnt, dass sie so schön zeichnet", erzählt Hahn. Erst nach ihrem Tod sind ihre Bilder gefunden worden.

Der Verein hat in den vergangenen acht Monaten aber auch seinen Fundus von bekannten Krefelder Künstlern aufgestockt. Tuschezeichnungen und Selbstporträts von Ernst Hoff gehören dazu, Holzschnitte von Ferdinand Brauers, der zur Künstlergruppe 1945 gehörte, und aus dem Nachlass von Professor Gustav Fünders sind es Arbeiten seiner Meisterschüler August Pigulla und Joachim Klos. Besonders stolz ist der Verein über den Ankauf eines Ölgemäldes von Wolf von Beckerath (1896-1944): "Schlittschuhläufer" sei eine "wunderbare Ergänzung unserer Sammlung", sagt Hahn. Denn einige Werke von Beckeraths besitzt der Verein bereits. Wenig stolz ist man indes auf die bekannte antisemitische Haltung des Krefelder Architekten Karl Buschhüter. "Aber Krefeld verdankt ihm wunderschöne Häuser", betont Hahn - unter anderem die Alte Post (gebaut 1904) an der Steinstraße, in der "Kunst und Krefeld" seinen Ausstellungsraum hat. Ein Freund des Vereins, der nicht genannt werden will, hat ein Konvolut von Schriften geschenkt, das in die Vereinsbibliothek aufgenommen werden soll. Zeitzeugnisse sind sie allemal und jetzt unter Glas verwahrt.

Aus dem Nachlass von Franz-Josef Schiffer-Tibus zeigt die Ausstellung Entwürfe und Aquarellzeichnungen für die Fenster der katholischen Kirche Heiligste Dreifaltigkeit in Gangelt-Stahe. Schon auf dem Papier leuchten die Farben, mit denen Schiffer-Tibus die Tageszeiten Morgen, Mittag, Abend und Nacht darstellt.

Die Ausstellung "Neuzugänge" beim Verein Kunst und Krefeld ist bis Ende Juli zu sehen: Alte Post, Steinstraße 7. Öffnungszeiten mittwochs und donnerstags, 15 bis 18 Uhr.

Quelle: RP
 
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