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Krefeld
Krefelder Altrocker: Born to be wild

Krefeld: Krefelder Altrocker: Born to be wild
Die Adressen der Musiker waren in liebevoller Kleinarbeit aufgespürt worden. Am Abend rockten 30 Rock&Roller die Bühne in Hüls. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. In den 60er Jahren hatte sich in Krefeld eine hochkreative Rock&Roll-Szene etabliert. Jetzt gab es ein begeisterndes Nostalgietreffen. Von Otmar Sprothen

Er kommt verdammt gut, der alte Hit von "King" Elvis Presley "Devil in Disguise", mit dem die siebenköpfige Rockband "Old Iron" den Eisbrecher gab beim Freundestreffen der Musiker bekannter Krefelder Bands der 60er und 70er Jahre. Im Hülser "Goldenen Hirschen" dabei waren Jet Black, Attraction, Sunbeat, Sybille Laumen (früher Sybille & Guido), Exploding Surprise und bei den Fans seit 1968 unvergessen: Idea mit Sänger Kurt Kühl . Drahtige Mitsechziger beiderlei Geschlechts, durchmischt mit vielen jüngeren Rock&Roll - Fans, denen die Ungnade der späten Geburt das Mitsingen so manchen Textes verwehrte, begannen im Rhythmus der Synkopen mitzuschwingen.

Zuvor hatte Old-Iron-Sänger und neben Frank Brünsing Moderator des Abends Michael Roder dem Kreislauf der Damen zugesetzt, als er bei seiner Begrüßung "zum ersten Klassentreffen seit den Sechzigern" sich doppeldeutig über die Menge engelgleicher Frauen freute, die in Wirklichkeit verkleidete Teufel seien, mit denen eben schon der "King" seine Schwierigkeiten gehabt habe. Dann aber bestimmten die Großen des Rock&Rolls und ihre Songs die ausgelassene Stimmung der Gäste.

Es ging locker zu bei dem Treffen der etwa 30 Musiker, die häufig nach jahrzehntelanger Pause zusammentrafen. Auf der Bühne wirken die drahtigen Altrocker ruhig und beherrscht, bis sie ihre Gitarren eingestöpselt haben. Dann aber geht die Post ab .

Bis auf "Idea" konnte keine der Bands mehr ihre damalige Besetzung aufbieten. So tauschten die Musiker in den unterschiedlichen Formationen immer wieder die Plätze. Old Iron hatte den Musikern ihr Bühnen-Equipment zur Verfügung gestellt. Vieles wurde improvisiert, kleine Zwangspausen für Umbauten überspielten Uli Pudelko oder Trecker-Harry gekonnt.

Der Saal des "goldenen Hirschen" ist keine Elbphilharmonie, die Bässe dröhnten und immer wieder musste das Miteinander von Saxophon, Keyboard, Drums und Gitarren für den Gesang abgestimmt werden. Dies erinnerte noch deutlicher an die 50er und 60er, als sich die Entwicklung vom Swing über alle Formen des Blues hin zum Rock&Roll vollzog und parallel zur technischen Entwicklung der verschiedenen Tonträger den Aufstiegder Musikindustrie zur Folge hatte.

In Deutschland kam noch als Sonderentwicklung dazu, dass sich in den Aufbaujahren der Adenauerzeit ein bescheidener Wohlstand entwickelte, der der jungen Generation die Möglichkeit bot, sich abseits der Anschauungen der Altvorderen eigenständig zu entwickeln. So sahen die 50er und 60er Jahre in Krefeld eine unglaublich produktive und vielfältige Schaffensphase der populären Musik.

Uli Pudelko (früher Quartermasters und Greyhound), neben Frank Brünsing (früher The Tombs), Sybille Laumen und Michael Roder, dem einstigen Gitarristen von "Idea", René Levebvre und dem früheren Saloon-Wirt Bernd Siebenlist für die Organisation des Abends verantwortlich, spürten in mühevoller Kleinarbeit die Adressen vieler Musiker von damals auf. Dabei waren die Beiden Bücher "Wer beatet mehr" und "Krefeld rockt die Siebziger", die Uli Pudelko über Krefelds damalige Musikszene geschrieben hat, den Initiatoren eine große Hilfe. "Früher hat man einfach drauflos gespielt", erklärte Roder. "Mit der Verrentung haben wir wieder eine Band gegründet, aber jetzt üben wir einmal die Woche mehrere Stunden. Die Wiedergabe-Technik hat uns kritischer werden lassen."

Die Erinnerung, als Krefeld um den Jazzkeller herum musikalisches Entwicklungszentrum war, das sich im Windschatten Düsseldorfs eigenständig entwickelte, ist hier noch lebendig. Mit 200 Besuchern hatten die Musiker gerechnet. Nach einer Woche waren alle Karten ausverkauft und 550 Gäste bevölkerten dicht gedrängt den Saal und das Zelt im Hof des "Goldenen Hirschen".

Hausherr Uli Furth erinnerte bei seiner Begrüßung der Gäste an seinen Vater Willy, der vor ihm den "Goldenen Hirsch" geleitet hatte. Dieser hatte die in seinem Saal die Entwicklung der Krefelder Rockmusik hautnah miterlebt. Die Musik als temperamentvoller Ausdruck der jungen Generation ließ Vater Willy schon mal angesichts des Temperaments der "Halbstarken" um sein Mobiliar zittern. In einem solchen Falle habe sein Vater schon mal den Stecker gezogen, damit die Dunkelheit beruhigend auf den jugendlichen Übermut einwirke.

Quelle: RP
 
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