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Kommentar
Krefelder Besonderheiten

Bundestagswahl 2017: Die Kandidaten für den Wahlkreis 114
Bundestagswahl 2017: Die Kandidaten für den Wahlkreis 114 FOTO: Klaus Dieker
Krefeld. Für Krefelder gab es gestern zwei beherrschende Themen: Die Überraschung im Norden, wonach die CDU-Politikerin Kerstin Radomski den traditionell roten Wahlkreis direkt geholt hat, und die Abweichungen von den Bundesergebnissen. Demnach hat die AfD in der Stadt deutlich schwächer abgeschnitten als im Bund - und die Liberalen haben deutlich mehr Prozente geholt als die Liberalen im Bund. Beide Ergebnisse sprechen dafür, dass in der Stadt ein liberales, weltoffenes Klima herrscht - weltoffener jedenfalls als an vielen anderen Orten Deutschlands.

Das ist nicht nur, aber auch ein Verdienst von Oberbürgermeister Frank Meyer, der das Thema Integration entschlossen auf die Agenda seiner ersten Amtszeit gesetzt hat. Zugleich ist die Arbeit mit Flüchtlingen in allen Stadtteilen und von allen Parteien, Verbänden und Vereinen mitgetragen - dieses Milieu der tief in der Bürgerschaft verankerten Kooperation ist es, das offenbar der AfD den Boden entzieht. Und das, obwohl Krefeld viele Flüchtlinge aufgenommen hat, obwohl die Stadt vor allem in der ersten Phase 2015 auch schmerzhafte Entscheidungen treffen musste und obwohl Krefeld einen hohen Ausländeranteil aufweist. Die von Ressentiments gespeiste Rhetorik der Afd hat hier nicht so verfangen wie anderswo im Bund.

Der durchaus überraschende Erfolg von Kerstin Radomski zeigt, dass es in der Politik auch auf Fleiß in der Ebene, auf Kommunikation und persönliches Engagement ankommt. Alles davon hat sicher auch Radomskis unterlegene Gegnerin Elke Buttkereit an den Tag gelegt; dennoch hat Radomski vom in der Luft liegenden Lust auf den Wandel profitiert - und nicht die AfD. Das ist durchaus eine Leistung.

Die Lehre aus all dem ist eine Binsenweisheit, an die man aber nicht oft genug erinnern kann. Es kommt auf den Menschen an, darauf, Gesicht zu zeigen, die besseren Antworten zu haben und ein weltoffenes Milieu zu leben.

So ist die AfD zu schlagen. Nicht mit purer Ächtung.

Quelle: RP
 
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