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Krefeld
Krefelder droht 250.000 Euro Ordnungsgeld

Krefeld: Krefelder droht 250.000 Euro Ordnungsgeld
Mahir Sahin, Gewerkschaftssekretär aus Krefeld, muss aufpassen, was er sagt. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Der Gewerkschaftssekretär Mahir Sahin aus Krefeld darf Vorwürfe gegen die Reinigungsfirma für die Malteser Rhein Ruhr Gesellschaft, zu der das Uerdinger St. Josefshospital gehört, nicht mehr öffentlich wiederholen. Die IG Bau will sich jedoch nicht einschüchtern lassen. Von Norbert Stirken

Mahir Sahin ist in Krefeld bekannt. Der am Inrath geborene 34-Jährige liebt die klaren Worte, wenn es um Streitigkeiten in der Arbeitswelt geht. Als Sekretär der Industriegewerksschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU) kümmert er sich speziell um die Branche Gebäudereinigung.

Jetzt könnte sein berufliches Engagement für ihn teuer werden. Seit einigen Wochen prangert er lautstark die Arbeitsbedingungen ausländischer Kräfte bei der MCS Malta Clean & Service GmbH an, die für die Sauberkeit im Duisburger St.-Anna-Krankenhaus ebenso zuständig ist wie für die im St.-Josefshospital in Uerdingen.

Aufgefallen sind die angeblichen Missstände auf der anderen Rheinseite in Duisburg. Gegen die Behauptung, dass die Beschäftigten systematisch um ihren Lohn geprellt würden, hat die renommierten Kanzlei Redeker, Sellner, Dahs der MCS am Landgericht Hamburg eine Einstweilige Verfügung erwirkt. Darin wird der IG BAU und Sahin persönlich für den Fall der öffentlichen Wiederholung von drei konkreten Vorwürfen angedroht, sie zur Zahlung eines Ordnungsgeldes in Höhe bis zu 250.000 Euro - ersatzweise Haft - heranzuziehen. Die Anwälte der MCS zählen zu den bekanntesten in ganz Deutschland. Sie waren unter anderem an Verfahren mit Johannes Rau, Christian Wulff, Helmut Kohl und aktuell Jan Böhmermann beteiligt. Die Gesellschaft MCS gehört laut Bundesanzeiger zur Muttergesellschaft Valletta GmbH (Köln), die zum Konzern Malteser Deutschland zählt.

Die IG BAU Rheinland spricht von einem "klaren Einschüchterungsversuch". Man lasse sich jedoch "nicht den Mund verbieten". Denn etliche Missstände seien dokumentiert - von Arbeitszeitbetrug über unbezahlten Urlaub bis hin zu Schwarzarbeit. Hierzu lägen eidesstattliche Erklärungen der Betroffenen vor, so die Gewerkschaft.

Am St.-Anna-Krankenhaus seien nach Informationen der IG BAU bulgarische Beschäftigte mehrfach um ihren Lohn geprellt worden. Im Fokus dieser und weiterer schwerwiegender Vorwürfe stehe eine Gruppe von Vorarbeiterinnen. "Statt aber Konsequenzen gegen die Verantwortlichen zu ziehen, betreibt die Firma MCS eine Schmutzkampagne gegen die IG BAU", klagt Sahin.

Die Geschäftsführung des St. Anna-Krankenhauses bedauere sehr, dass bisher keine gemeinsame Lösung für die Auseinandersetzungen zwischen sechs Mitarbeiterinnen und Vorarbeiterinnen der MCS gefunden werden konnte. "Wir hoffen auf eine schnelle Klärung", sagte Patrick Pöhler, Sprecher der Malteser Rhein Ruhr gGmbH, gestern auf Anfrage unserer Redaktion.

Eine solche steht offenbar noch aus. Laut Gewerkschaft sorge nämlich für Spannung, dass auch die beschuldigten Vorarbeiterinnen weiter beschäftigt bleiben sollen - obwohl mittlerweile die Duisburger Staatsanwaltschaft strafrechtlich gegen sie ermittele. Sahin: "Für die Betroffenen ist das ein Schlag ins Gesicht. Wie sollen sie unter den gleichen Vorgesetzten weiterarbeiten?"

Die IG BAU fordert das Unternehmen auf, sich nicht hinter die Beschuldigten zu stellen. "Für die Beschäftigten gibt es erst dann Gerechtigkeit, wenn sie nicht mehr die Willkür ihrer Vorgesetzten fürchten müssen", betont Sahin. Bis dahin informiere die Gewerkschaft weiter über den Fall. Gegen die einstweilige Verfügung werde Widerspruch eingelegt.

Martina Dörmann, Sprecherin für die MCS, erklärte gestern auf Anfrage unserer Redaktion: "Wir hatten in der Vergangenheit mehrere Gespräche mit der IG Bau. Um Härtefälle zu vermeiden, haben wir den betroffenen sechs Mitarbeiterinnen angeboten, sie unter verbesserten Bedingungen weiterzubeschäftigen.

Die IG Bau stellte allerdings Vorbedingungen, die in die Führungsstrukturen des Unternehmens hineinreichten und allein aus rechtlichen Gründen nicht zu erfüllen waren. Nach unserer internen Untersuchung und nach uns vorliegenden eidesstattlichen Erklärungen bestehen erhebliche Zweifel an der Richtigkeit des Großteils der Vorwürfe. Wir würden es sehr begrüßen, wenn wir das Gespräch mit der IG Bau auf der Basis der bislang vorliegenden Fakten weiterführen könnten." Die strafrechtlichen Vorwürfe seien von der Staatsanwaltschaft zu ermitteln.

Quelle: RP
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