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Krefeld
Krefelder Gorilla wird zum Weltstar
Das ist Krefelds seiltanzender Gorilla Kidogo
Das ist Krefelds seiltanzender Gorilla Kidogo FOTO: dpa, Magnus Neuhaus, Zoo Krefeld
Krefeld. Kidogo entzückt mit seinem Seiltanz nicht nur die Besucher des Krefelder Zoos. Nachdem der Tierpark ein Foto von ihm als Weihnachtspostkarte verschickt hatte, berichteten Zeitungen auf der ganzen Welt über den Silberrücken. Von Sybille Möckl und Martina Stöcker

Es dauerte nur ein paar Tage, bis der Krefelder Gorilla Kidogo mit seinem Drahtseiltanz zum weltweiten Medienstar wurde: "Seiltänzer Kidogo" titelte die türkische Zeitung "Hürriyet". "Gorilla balanciert wie ein Akrobat" heißt es auf dem vietnamesischen Onlineportal khoahoc.com.vn. "Gorillas Drahtseilakt", schreibt die polnische "Kopalnia wiedzy" kurz und bündig.

Sogar in China schaffte es Kidogo mit seinem Kunststück in die Medien: "Deutscher Gorilla Kidogo wird zum König des Drahtseils", berichtet Freitag Xinhua, die offizielle Nachrichtenagentur der Volksrepublik. "Der Gorilla und sein verrücktes Hobby" schreibt die finnische Zeitung "Iltalehti" bereits am 31. Dezember 2012. "Akrobatischer Gorilla in deutschem Zoo" heißt es in der indonesischen "Pikiran Rakyat".

"Der Gorilla-Drahtseilakt" beschreibt die italienische "Giornalettismo" das ungewöhnliche Foto. "Draufgängerischer Gorilla läuft über ein Seil" heißt es bei "Pakistan Today" und im britischen "Telegraph". Diese Liste könnte man lange weiterführen: Auch in den USA, in der Schweiz und in Indien berichten die Zeitungen über den zwölfjährigen Flachland-Gorilla.

Der Weltruhm begann mit einem Zufall: Der Fotograf Magnus Neuhaus hatte im Dezember zur rechten Zeit seine Kamera im Anschlag, als sich der gewaltige Silberrücken auf ein Seil in seinem Gehege wagte. Den rechten Arm in die Höhe gereckt, der Blick konzentriert, die Beine elegant gekreuzt – völlig untypisch für einen Gorilla marschierte Kidogo elegant und leichtfüßig wie ein Artist über das Seil. Die Fotos dieses unglaublichen Moments (es gibt eine ganze Serie davon) wurden zunächst als Postkarte zu Weihnachten verschickt. Kurze Zeit später hatten die Zeitungen – zunächst in Deutschland, dann weltweit – das ungewöhnliche Motiv entdeckt.

Da Flachland-Gorillas anders als die ähnlich großen Orang-Utans in freier Wildbahn auf dem Boden leben, ist diese Szene eine absolute Ausnahme, sagt Zoo-Sprecherin Petra Schwinn. "Dass er sich so leichtfüßig auf dem Seil bewegt, ist ein Knaller." Kidogos Talent und die Aufnahme von Magnus Neuhaus seien so ungewöhnlich, dass man sich entschieden habe, dieses Foto zu verschicken.

In China bewundert man Kidogo für sein Können: "Auf einem Seil zu laufen, ist ein schwieriger akrobatischer Stunt", heißt es in dem Bericht der Nachrichtenagentur. "Damit tun sich schon normale Menschen schwer, von einem Gorilla mit derart massigem Körper einmal ganz abgesehen." In Vietnam vergleichen die Zeitungen Kidogo mit einem professionellen Zirkusartisten. Und die britische "Daily Mail" schreibt: "Die erstaunliche Akrobatik half dem Gorillamann, sein Heimweh zu bekämpfen." Heimweh könne man zwar nicht sagen, findet Schwinn. Kidogo musste sich jedoch etwas einfallen lassen, um seine beiden Frauen zu beeindrucken.

Seit Ende März lebt der Silberrücken, der aus dem Zoo im dänischen Givskud stammt, mit Muna (23) und Oya (24) im Gorillagarten zusammen. Und da die beiden Weibchen doppelt so alt sind und Kidogo mit seinen zwölf Jahren eigentlich noch ein Teenager ist, hatte es der Halbstarke schwer, von ihnen akzeptiert zu werden. "Er ist auch einfach zu nett", sagt Petra Schwinn, "die beiden Weibchen haben ihn am Anfang gar nicht ernst genommen." Vielleicht hat ja die Show auf dem Seil dazu beigetragen, dass "King Kodo" – so nennen ihn die Pfleger – seine Chancen bei den Damen steigern konnte. "Mittlerweile haben sich Muna und Oya ihm unterworfen", sagt die Sprecherin. Er hat sich mit beiden gepaart. Ob es allerdings mit Nachwuchs klappt, ist offen. "Die beiden Weibchen sind schon relativ alt und hatten noch nie ein Jungtier."

Im Krefelder Zoo leben insgesamt sechs Gorillas. Neben Kidogo und seinen Weibchen gibt es noch eine dreiköpfige Seniorentruppe: Silberrücken Massa (41) darf das Gehege im Affentropenhaus mit "Boma" und "Tumba" (beide 38) teilen. Für Kunststückchen, wie Kidogo sie zeigt, sind sie zu alt.

Quelle: RP/csr
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