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Krefeld
Krefelder kämpft für den König der Tiere

Krefeld: Krefelder kämpft für den König der Tiere
Der 52-jährige Krefelder Familienvater Andreas Knuffmann dreht in Südafrika einen Dokumentationsfilm über das Schicksal gezüchteter Löwen. FOTO: AK
Krefeld. Reiche Europäer, US-Amerikaner und Kanadier gehen in Südafrika ohne Jagdlizenz auf Trophäenjagd und knallen mit acht bis 14 Schüssen auf prächtige Löwen, die eigens für diesen perversen Zweck gezüchtet wurden. Der Krefelder Andreas Knuffmann war mit versteckter Kamera unterwegs, um einen Dokumentarfilm über die Hintergründe des Millionengeschäfts zu drehen. Von Norbert Stirken

Seine Arbeit ist nicht ungefährlich. Der Krefelder Andreas Knuffmann (52) und sein Team sind mit versteckter Kamera in Südafrika unterwegs, um eine breite Öffentlichkeit mit einem Dokumentarfilm über ein "perverses Millionengeschäft" zu informieren. Farmer züchten Löwen, um sie reichen Trophäenjägern vor die Flinte zu treiben. Die stolzen Tiere werden geradezu abgeknallt. Acht bis 14 Schüsse benötigen die Schützen im Durchschnitt, um eine der kräftigen Raubkatzen zu erlegen. Lebt das Tier dann immer noch, erledigen professionelle Jäger den Rest. 30.000 bis 40.000 US-Dollar zahlen die Kunden vornehmlich aus Europa, USA und Kanada für das Erlebnis.

Andreas Knuffmann, Spross der Möbelhaus-Dynastie, ist seit dem Jugendalter begeisterter Filmer. Nach dem Studium in Aachen, Schottland und Frankreich betrieb er sein Hobby professionell fürs Fernsehen. Der Journalist war an vielen erfolgreichen Produktionen beteiligt. Der Stress machte ihm auf Dauer zu schaffen. Ein Hörsturz war für ihn der Anlass, umzudenken. Er machte sich selbstständig, gründete Sunshine Film & Boomerang Filmproduktion in Hamburg, kümmerte sich um Themen, die ihn fesseln. Jetzt ist es das Schicksal der gezüchteten Löwen Südafrikas. Eine Industrie, sagte der Familienvater. Seine erwachsenen Kinder raten immer wieder zur Vorsicht. "Die Züchter dort haben eine kurze Lunte, wenn ihnen jemand in die Quere kommt", weiß der Krefelder zu berichten.

Nicht immer kann das Filmteam so offen auftreten. Manchmal ist es mit verdeckter Kamera unterwegs, um hinter die Kulissen zu blicken. FOTO: AK

Von 12.000 Löwen leben 4000 in Freiheit - sprich Reservaten und Nationalparks. 8000 hingegen werden auf den Farmen weißer Burenfamilien gezüchtet und vermarktet. Die Tiere sind das Ergebnis jahrelanger Inzucht und spielen deshalb für den Erhalt der Tierart keine Rolle. Oft werde der Tierschutz sogar vorgeschoben, berichtet Knuffmann. Für die jungen Löwen begeistern die Züchter europäische Jugendliche als Volunteers, die ihr Taschengeld für den vermeintlich guten Zweck spenden. Die kleinen Katzen landen in Streichelzoos. Wenn sie die Größe etwa einen Golden Retrievers erreicht haben, kann man mit ihnen spazierengehen und das Erlebnis auf Video mit nach Hause nehmen. Danach wird sortiert. Die schönsten männlichen Exemplare werden in einschlägigen Foren zum Abschuss freigegeben, andere Tiere für die Blood-and- Bone-Industrie nach Asien verkauft, wo sie als angebliches Aphrodisiakum in Pillen, Pulvern und Salben verarbeitet werden.

In den Nachbarländern Botswana und Namibia ist diese Art von Zucht und Trophäenjagd längst verboten. Knuffmann hofft, dass die Uhr für diese "dekadente Unterhaltungsindustrie" auch in Südafrika abläuft. Mit im Boot des Krefelders ist die international tätige Tierschutzorganisation Vier Pfoten mit Sitz in der österreichischen Hauptstadt. Die bringt unter anderem Tiere, die zum Beispiel aus albanischen und rumänischen Zoos stammen, in ihre angestammte Umgebung. 40 Tierpfleger meist vom Stamm der Zulu kümmern sich um das Wohl der Raubkatzen. Rund eineinhalb Jahre Recherche hat Knuffmann bereits in seinen Film gesteckt. Etliche Minuten Material sind aufgenommen, geschnitten und vertont. Trailer sind produziert. Im Oktober soll die gut 70-minütige TV-Fassung der Doku fertig sein. Autentic mit Sitz in Köln kümmert sich um den Vertrieb und die Vermarktung. Knuffmann hat bereits einige Signale aus der Branche erhalten: Einige halten den Stoff für zu politisch oder auch zu einseitig. Einen prominenten Fürsprecher hat der Krefelder auf jeden Fall - den Schauspieler, umwelt- und tierschutzinteressierten Hannes Jaenicke.

Es sind vor allem die männlichen Tiere mit stattlicher Mähne, die bei den Trophäenjägern die höchsten Preise bei einem Abschuss erzielen. 30.000 bis 40.000 Dollar legen reiche Europäer, Kanadier und US-Amerikaner auf den Tisch. FOTO: AK

Knuffmann hat auf www.startnext.com/thedyingking ein Crowdfunding (Geldsammelaktion fürs Projekt) gestartet. Das läuft noch 61 Tage.

Quelle: RP
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