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Krefeld
Krefelder Kanalsystem ist für Starkregen-Ereignisse gerüstet

Krefeld: Krefelder Kanalsystem ist für Starkregen-Ereignisse gerüstet
Andreas Horster, Leiter des Betriebs Stadtentwässerung Krefeld, zeigt auf dem Plan den Verlauf der drei Hauptkanäle von der Stadtmitte, vom Hauptbahnhof und vom Inrath aus in Richtung A 57 und weiter zur Kläranlage. FOTO: T. Lammertz
Krefeld. Über die Kanalisation von 750 Kilometer Länge werden Regen- und Abwässer bis zur Kläranlage und in den Rhein geleitet. Bei besonders starkem Regen helfen 50 Staukanäle und fünf Rückhaltebecken. Von Jochen Lenzen

Nach den enormen Regenfällen der vergangenen vier, fünf Wochen mit bis zu 350 Liter pro Quadratmeter - normal sind 700 Liter im ganzen Jahr - drängt der Begriff "Stadtentwässerung" stärker ins Bewusstsein. Krefeld unterhält dafür einen eigenen Betrieb, der für das gesamte Kanalsystem zuständig ist. "Das Wetter der letzten Wochen hat nur zwei, drei kleinere Überstaus verursacht. Unsere Kanalisation ist für die Entwässerung der Stadt auch bei Stark-regen ausreichend", sagt Betriebsleiter Andreas Horster und erklärt, warum das so ist.

Während der Regen auf unbefestigten Flächen ins Grundwasser versickert, gelangt der Niederschlag von Straßen und Dächern zu 90 Prozent in die Kanäle mit Durchmessern von 0,30 bis zu 2,60 Meter. Der Rest versickert auf unmittelbar anschließenden Böden.

70 Prozent des Stadtgebiets wird durch das Mischwassersystem entwässert. (Die restlichen 30 Prozent werden durch getrennte Regen- und Schmutzwasserkanäle entwässert.) Durch dieses Rückgrat der Stadtentwässerung wird das Niederschlags- und das Schmutzwasser zusammen über die Kanäle zur Kläranlage und dann in den Rhein abgeleitet. "Dafür gibt es drei große ovale Kanäle, die wir als Hauptsammler bezeichnen. Der Erste ist 1,80 Meter hoch und führt von der Innenstadt über die Uerdinger Straße in Richtung Osten; der Zweite ist sogar 2,40 Meter hoch und führt vom Hauptbahnhof über Oppumer- und Berliner Straße bis Höhe A 57. Beide stammen zum größten Teil aus den 1880er Jahren und bestehen überwiegend aus Mauerwerk" erläutert Horster. Der dritte Hauptsammler aus Beton entstand in den 50er und 60er Jahren und führt vom Inrath über den Nassauer Ring den Stadtwald entlang in Richtung A 57. Ab dort fließt das Wasser dann an der Autobahn entlang bis zur Kläranlage, wo der Durchmesser den höchsten Stand von 2,60 Meter ausweist.

Sämtliche Kanäle, die in der Regel aus Steinzeug bestehen, werden regelmäßig - unter anderem durch Videokameras - überprüft und bei Bedarf ausgebessert oder vergrößert. In den letzten zehn Jahren wurden Kanäle aller Größen aus Kunststoff verlegt. Vergrößerungen gab es in dieser Zeit beispielsweise unter der Inrather Straße, wo die Kanäle auf einen Durchmesser von 2,20 Meter verdoppelt wurden. Zuletzt sind in langwierigen Arbeiten die Kanäle unter dem Breiten Dyk auf 1,60 und unter der Hauptstraße in Oppum auf 1,80 Meter vergrößert worden. Jüngstes und langwierigstes Projekt war der Bau des neuen Kanals unter dem Fütingsweg, der auf einen Durchmesser von gut zwei Meter verdoppelt wurde. Seit vergangener Woche ist die Straße übrigens wieder benutzbar!

Bei besonders starken Regenfällen kommen die unterirdischen Regenrückhaltebecken ins Spiel, in denen Wasser zwischengespeichert werden kann, bis die Kanäle es wieder aufnehmen können. Von dieser Art Becken verfügt die Stadt über zwei große hallenähnliche Bauwerke, von denen das am Voltaplatz mit den Maßen 60 x 60 x 7 Meter mit 25 000 Kubikmeter Fassungsvermögen das größere ist. "Das entspricht der elffachen Menge des Schwimmbeckens im Badezentrum Bockum", verdeutlicht Horster. Das Becken an der Lutherstraße fasst 23.000 Kubikmeter.

Weitere drei Rückhaltebecken an der Kölner Straße in Fischeln, der Straße Am Porthspick in Hüls und am Flünnertzdyk am Inrath fassen zwischen 1000 und 6500 Kubikmeter. "Diese kleineren Becken sind aber direkt mit langen, bis zu 2,20 Meter Durchmesser umfassenden Staukanälen verbunden, so dass sich die Staukapazität erheblich vergrößert", so Horster. Von diesen Staukanälen mit Längen von bis zu 500 Metern gibt es im Stadtgebiet verteilt rund 50.

"Hinsichtlich der weiteren Vorbeugung vor Überschwemmungen planen wir zur Zeit eine noch bessere Vernetzung der bestehenden Kanäle und Becken. Dafür brauchen wir noch weitere Kenntnisse darüber, wie sich die teils sehr lokalen Starkregen auswirken", erklärt der Betriebsleiter. Perspektivisch sollen daraus Prognoseberechnungen entstehen, um dann gegebenenfalls durch Schieber oder Pumpen eingreifen zu können.

Vorbeugend macht Horster aber auch auf einen anderen wichtigen Aspekt aufmerksam: "Grundsätzlich muss der Regen erst einmal in die Kanäle gelangen. Dafür müssen die Privatleute die Fallrohre an ihren Häusern sauber halten und die Anschlüsse bis zum städtischen Kanal regelmäßig reinigen und auch deren Dichtheit überprüfen lassen", mahnt der Betriebsleiter.

Quelle: RP
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