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Krefeld
Krefelder Krähe flattert nach Düsseldorf

Krefeld: Krefelder Krähe flattert nach Düsseldorf
Kay Lorentz (links) hält die Hand wie zum Füttern hin. Er und sein Kom(m)ödchen-Ensemble erhalten die Krefelder Krähe 2016 aus der Hand von "Krähenvater" und -gründer Jochen Butz (2.v.r.) FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Alles, was scharfe Pointen schießen und bestens unterhalten kann, war im Theater versammelt. Die Krefelder Krähen verliehen ihren Kabarettpreis an das Düsseldorfer "Kom(m)ödchen". Von Otmar Sprothen

Es war eine unvergessliche Kabarettgala, die das Publikum im Namen der Krähe im ausverkauften Theater erlebte. Die "Krähen", das einzige gemeinnützige Kabarett Deutschlands, hat das Ensemble des Düsseldorfer Kom(m)ödchens mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet. Und nicht nur der Preisträger lieferte hochkarätig Humorvolles: auch der Soloauftritt von Christian Ehring, der sowohl als Autor wie auch als Mitglied des Kom(m)ödchens an den Auftritten der letzten Jahre beteiligt war, die Nachwuchskabarettisten des Lumpenpacks (die im Vorjahr ausgezeichneten Newcomer) und ein vom Theater gestiftetes Amuse Geule aus der aktuellen Produktion "Marlene, Judy, Marilyn - Endstation Hollywood" boten feinste Unterhaltung.

Eng an die berühmten Vorbilder gelehnt stellten Debra Hays, Gabriela Kuhn und Susanne Seefing die berühmtesten Lieder von Marlene Dietrich, Judy Garand und Marilyn Monroe vor. Der nachfolgende dreistimmige Boogie Woogie bewies wie der Applaus der Gäste, dass das Stimmpotenzial durchaus für weitere eigenständige Interpretationen der 40-er Jahre gereicht hätte. Dass "Das Lumpenpack" keine "erfolglose Band in der Gründungsphase" mehr ist, zeigt nicht nur ihre wachsende Medienpräsenz, sondern auch ganz persönliche frisch-sarkastische Sicht der beiden Akteure Max Kennel und Indiana Jonas auf die Probleme des Alltags, etwa beim Verkauf ihrer CDs: "Und würde das Geld für die Kunst nicht mehr reichen, dann schreiben wir uns fürs Lehramt ein. Nun gebt uns das Geld, es könnten später auch eure Kinder sein."

Einen frenetisch gefeierten Auftritt bot der aus Krefeld stammende Christian Ehring. Er bot treffsichere Pointen: Über die Schwierigkeiten, seinen 18-jährigen Sohn, den "sozial verwahrlosten deutschen Wohlstandskrüppel" durch ein Erfahrungsjahr in einem südamerikanischen Slum für die deutsche Gesellschaft fit zu machen. Über die schizophrene bürgerliche Denkweise, nach außen den kritischen Linken zu geben, aber letztlich wie ein Spießer leben zu wollen. So kam der Klavier spielende Künstler auf seine neueste Eingebung: vegane Kinderlieder, in denen neben allen Tieren auch Eier und Honig durch Bilder wie "Schrot du hast das Korn gestohlen" ersetzt seien.

Konrad Beikircher, der Schirmherr der Preisverleihung, hielt eine sprachlich-hochklassige temperamentvolle Laudatio auf den diesjährigen Preisträger, das Düsseldorfer Kom(m)ödchen, für das Kay Lorentz jr. als Sohn der Gründer des Kleinkunsttheaters Kay und Lore Lorentz, die von dem Krefelder Künstler Florian Noever gestaltete gusseiserne Krähe entgegennahm. Anschließend boten Daniel Graf, Maike Kühl, Martin Maier-Bode und Heiko Seidel vom Stammensemble des Kom(m)ödchens einen umwerfenden Kompress aus dem laufenden Programm "Deutschland gucken", der lange stehend gefeiert wurde. Inspiriert von einem Freundeskreis namhafter Literaten, unter ihnen Jean Cocteau, prägte das Düsseldorfer Gründerpaar ein politisch-literarisches Kabarett, aus dem von Ernst Hilbich über Thomas Freitag, Harald Schmidt, Jochen busse, Hugo Egon Balder, Volker Pispers, Mariele Millowitsch, Frank Lüdecke bis Christian Ehring beinahe alle bekannten deutschen Kabarettisten hervorgingen. Kay Lorenz jr. setzt diese Tradition in abgewandelter Form fort, wie die letzten Produktionen "Couch", "Sushi", "Freaks" und "Deutschland gucken" zeigen, für die Deutschlands älteste und renommierteste Kleinkunstbühne die Krähe erhielt.

Die Krähen verleihen den mit 5000 Euro dotierten Kabarettpreis jedes Jahr im Wechsel an einen prominenten Kabarettisten oder Nachwuchskabarettisten. Schwerpunkt ist das Wortkabarett.

Quelle: RP
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