| 00.00 Uhr

Krefeld
Krefelder Kunst fürs Städel-Museum

Krefeld. Ab nächster Woche wird das Gemälde "Flucht aus Ägypten" in der großen 80er-Jahre-Ausstellung in Frankfurt zu sehen sein. Auch andere Werke aus der Sammlung der Krefelder Kunstmuseen sind derzeit als Leihgaben auf Reisen. Von Petra Diederichs

Wenn das Kaiser-Wilhelm-Museum nach dem Umbau im nächsten Jahr wieder eröffnet wird, wird ein Bild mit Sicherheit zu sehen sein: "Flucht nach Ägypten. Das 1981 entstandene großformatige Gemälde von Peter Angermann und Jan Knap gehört zu den wichtigsten Kapiteln der Kunstgeschichte der 80er Jahre. Deshalb ist das Bild zurzeit auch auf Reisen. Es ist eines der 100 Werke von 27 Künstlern, mit der das Frankfurter Städel-Museum "Die 80er. Die Figurative Malerei in der BRD" umfassend beleuchtet. Die Ausstellung gehört zum Programm des Jubiläumsjahres: 1815 wurde das Museum gegründet. Eröffnung dort ist am Mittwoch, 22. Juli.

Auch andere namhafte Museen zeigen in diesem Sommer Leihgaben aus den Krefelder Kunstmuseen: Der Martin-Gropius-Bau Berlin hat ab 4. September die große Ausstellung "Piet Mondrian. Die Linie", die Bedeutung von Struktur und Zeichnung im Werk des Wegbereiters der Abstraktion beleuchten wird. Dafür haben die Berliner zwei Gemälde von Mondrian aus der Krefelder Sammlung ausgeliehen. Das Westfälische Landesmuseum in Münster zeigt zurzeit die Ausstellung "Otto Piene. Licht" mit dessen wichtigem frühen Gemälde "Frequenz" (1957) aus der Krefelder Sammlung. In der zu Ende gehenden Campendonk-Ausstellung im Kunstmuseum Ahlen ist "Die Armen" (1918) eine wichtige Ergänzung. Das Stoffbild ohne Titel (1968) sowie die "Graue Scheibe" (1970) von Blinky Palermo werden an das Museum Morsbroich in Leverkusen ausgeliehen. In der Ausstellung "Ruhe vor dem Sturm" geht es ab 13. September um die besondere Rezeption der Minimal Art im Rheinland.

"Flucht aus Ägypten" war 2013 in der Peter-Angermann-Ausstellung in Haus Lange zu sehen und ist für die Sammlung der Kunstmuseen gekauft worden. Damals hatten die Kunstmuseen noch einen Ankaufsetat von 50 000 Euro. Zum Preis hat sich Museumsdirektor Martin Hentschel nicht geäußert, gleichwohl hat er das Bild ein "Schnäppchen" genannt: "Es war das letzte verfügbare Werk aus der Zusammenarbeit mit Jan Knap." Angermann, 1945 im oberfränkischen Rehau geboren, war ab 1968 Beuys-Schüler an der Düsseldorfer Kunstakademie. Während Beuys Angermanns Werk stets lobte, stand der Student seinem Lehrer und dessen "erweitertem Kunstbegriff" kritisch gegenüber und war schon 1969 Mitbegründer der beuys-kritischen YIUP-Gruppe. Nach dem Studium orientierte Angermann sich neu - und gründete mit Milan Kunc und Jan Knap die "Gruppe Normal", die Individualismus ablehnte und sich für Gemeinschaftswerke aussprach. So entstanden von 1979 bis 1981 in unterschiedlichen Zusammensetzungen Bilder-Reihen, unter anderem "Heilige Familie", zu der auch das Fluchtbild gehört.

Angermann hat das Bild als Affront verstanden: Maria, Josef und das Jesuskind picknicken auf einer grünen Wiese. Karierte Wolldecke, Turnschuhe und Thermoskanne tauchen die Szene in eine Allerweltswirklichkeit. Pausbäckige Putti statt Engel, ein Holzhaufen statt Krippe, und Lastwagen statt der königlichen Karawane aus dem Morgenland - das hat Angermann als Konterkarierung zu der religiösen Ernsthaftigkeit des ehemaligen Priesterseminaristen Knap eingebracht. Doch die Profanisierung christlicher Ikonografie hat heute keine verstörende Kraft mehr. Das Blattgold der Heiligenscheine verleiht der Szene im Gegenteil eine fast prachtvolle malerische Wärme. Die Spannung zwischen dem absurden Witz Angermanns und der detailverliebten, frommen Ernsthaftigkeit Knaps bereitet allerdings vielfältigen aktuellen Deutungen den Weg: Flucht, Vertreibung, Umweltzerstörung . . ..

Nicht nur für die 80er Jahre ist das Bild wichtig, auch für den Künstler. Denn nach seiner großen Ausstellung in Haus Lange war die Kunstwelt wieder aufmerksam geworden auf Angermann, um den es ab den 90ern ruhig gewesen war.

Tipp: Wer das Städel besucht, sollte auch Adolf Luthers große Spiegel-Installationen ansehen. Das Objekt, das früher am SWK-Gebäude gehangen hat, hatte das Städel von der Krefelder Luther Stiftung erworben, weitere Linsen-Objekte sind als Dauerleihgabe dort.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Krefeld: Krefelder Kunst fürs Städel-Museum


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.