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Krefeld
Krefelder malen Bilder zu Bibelversen

Krefeld. Zum Reformationstag wurden in der Alten Kirche Bilder gezeigt. 75 Maler beteiligten sich. Bis Ende November ist die Ausstellung zu sehen. Von Bettina Furchheim

"Macht Euch ein Bild" - dazu waren die Krefelder in den vergangenen Monaten aufgerufen. Ein Bild zu einem Bibelvers, aus einer Auswahl von 95, die auf der Homepage des Evangelischen Gemeindeverbandes zur Verfügung gestellt waren; Oder aber auch zu einem Spruch, der für das eigene Leben eine besondere Bedeutung hatte.

75 Bilder haben die Krefelder gestaltet - diese wurden am Reformationstag in der Alten Kirche der Öffentlichkeit nach der musikalischen Andacht erstmalig präsentiert. Ebenso stellte Sascha Dörger, Künstler aus Mülheim / Ruhr seinen Bilderzyklus zu den "Zehn Geboten" vor - präsentiert auf Staffeleien, die von Jugendlichen der Jugendwerkstatt Fichtenhain gebaut wurden. "Mich hat gereizt, diese Gebote in unsere Zeit zu übertragen", meinte Dörger. Etwa ein halbes Jahr habe er dafür gebraucht - gedanklich und in der praktischen Umsetzung: er hat sie minimalistisch fotografisch dargestellt. Dörgers Lieblingsmotiv ist die Gestaltung des Gebots "Du sollst Vater und Mutter ehren": Ein Kinderwagen mit einem Rollstuhl vereint. Um das Verhältnis Kunst und Kirche ging es in der Andacht von Pfarrer Marc-Albrecht Harms: Wie beide Auskunft geben wollen über Sinnfragen des Lebens, dennoch eine gewichtige Differenz gewahrt bleibe. Religion werde nicht zur Kunst, weil sie sich sinnlicher Darstellungsmittel bediene; wie im biblischen Bilderverbot deutlich werde, dass jeder Sinn des Sinnlichen bedarf, um sich zu artikulieren.

Im Anschluss luden die Evangelischen Kirchengemeinden zum Empfang - und zum Besuch der Ausstellung, zur Auseinandersetzung mit den Werken. Viele Künstler waren anwesend und gaben gerne Auskunft über ihre Bilder, und warum sie einen bestimmten Bibelvers ausgewählt hatten.

Eine Collage gestalteten die Vorschulkinder der Evangelischen Kita Arche Noah zu 5. Mose 8,7-8: Hier geht es um das Land, in das Gott führt - mit Getreide und Obst, das wächst, wo Bäche, Brunnen und Seen sind. "Eine Gruppe hat die Landschaft im Hintergrund gestaltet, eine andere passende Fotos in der Kita gemacht, die dritte hat die Fotos ausgeschnitten und aufgeklebt", erklärt Tatjana Witte, Förderbeauftragte in der Arche Noah. Der Spruch spiegele die Kindertagesstätte wider - die sei ebenso vielseitig wie der Vers und die Collage. Die ausgestellten Bilder sind ganz unterschiedlich in ihrer Herstellung - am PC entwickelt, mit Acryl oder Buntstiften gemalt, mit Wachs gestaltet, auf Tuch gedruckt als Gemeinschaftsarbeit als Collagen oder Zyklen kreiert. Ebenso bunt ist die Mischung der Krefelder Künstler. Es sind Kinder aus Kitas, Schulen und von Bibeltagen, Konfirmanden, Jugendliche aus der Funzel und vom Berufskolleg Glockenspitz, Erwachsene aus dem Seniorenkreis der Markuskirche und viele einzelne Künstler. "Du sollst Dir kein Bildnis machen" ist der Untertitel der drei Wachsbilder von Christiane Hartmann und sie gibt zu bedenken: "Ein Bild ist aber auch vergänglich." Walter la Dous hat Jona 2,1 mit Photoshop umgesetzt. "Als ich den Vers las, hatte ich gleich das Bild von Jona im Fischbauch im Kopf." Mit ihren teils provokanten und herausfordernden, teils nachdenklichen und besinnlichen Bildern lösen die Krefelder jetzt in der Alten Kirche vielleicht einen Bildersturm aus.

"Der Begriff Bildersturm passt gut zur Reformation", erklärte Oberbürgermeister Frank Meyer in seinem Grußwort im Anschluss an die Andacht. Er verbinde mit Luther und dem, was er auslöste, einen Wortsturm. Mündiges Christsein bedeute, sich mit dem Wort auseinanderzusetzen. Deutlich werde dieser Tage, wie Verantwortung aus christlicher Überzeugung gelebt werde. Nächstenliebe verbinde die Protestanten mit anderen Christen und mit anderen Religionen.

Quelle: RP
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