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Krefeld
Krefelder Pferd in großer "Nero"-Schau

Krefeld. Ein Pferdeskelett aus dem Jahr 69 aus dem Museum Burg Linn ist ab Samstag in Trier die Attraktion. Von Petra Diederichs

Es war eine der Sternstunden in einem Archäologenleben, als Christoph Reichmann, Leiter des Museums Burg Linn im Spätsommer 2005 auf dem Gräberfeld Gelduba auf Knochen stieß. Denn die Erde gab ein weitgehend erhaltenes Pferdeskelett frei - ein Fund in diesem Umfang ist eine Rarität. Die Knochen gehören einem Pferd, das ganz offensichtlich in der Bataverschlacht um das Römerkastell Gelduba im Jahr 69 zu Tode gekommen ist. Das Pferdeskelett wird ab Samstag in Trier zu sehen sein, wo drei Museen eine Ausstellung über den römischen Kaiser Nero zeigen. Für "Nero - Kaiser, Künstler und Tyrann" werden 700 Exponate aus 15 Ländern zusammengetragen.

Das Pferdeskelett war in der Nähe eines Lagertores gefunden worden. Es war üblich, im Kampf getötete Pferde nicht wegzutransportieren, sondern sie an Ort und Stelle zu vergraben. Im sandigen Boden waren die Knochen über 2000 Jahre extrem zerbrechlich geworden und mussten sorgfältig restauriert werden. Auch in Trier ist die Krefelder Leihgabe zunächst fachkundig präpariert worden, um dann in einer Vitrine ausgestellt zu werden.

Nero - mit vollem Titel Nero Claudius Caesar Augustus Germanicus - war von 54 bis 68 Kaiser des Römischen Reiches und hegte große Leidenschaften für die Künste, für Architektur und Theater. In die Geschichte Roms ging er als Brandstifter ein, der den Auftrag geben haben soll, die Stadt in der Nacht vom 18. zum 19. Juli 64 anzuzünden. Zahlreiche Verbrechen werden ihm angelastet. Als sein Sturz unvermeidlich wurde, beging er im Juni 68 Selbstmord. In die Reihe der blutigen Thronfolgekämpfe gehört auch der Aufstand der Bataver: Im August 69 revoltierten die germanischen Bataver sowie mehrere germanische und keltische Stämme gegen die römische Herrschaft in Niedergermanien. Am Niederrhein gelang es aufständischen Bataver-Kohorten, die römischen Truppen der Rheinarmee einzuschließen.

Bei der berühmten Schlacht von Vetera (nahe Xanten) spielte auch Gelduba eine wesentliche Rolle. Civilis, ein batavischer Adliger, belagerte die römische Festung Vetera. Die Römer zogen daraufhin in Obergermanien ein Heer aus 16.000 Legionären und Auxiliartruppen unter dem Befehlshaber Vocula zusammen. Große Teile der Streitmacht machten auf dem Weg nach Norden Station in Gellep, das damals noch kein Kastell, sondern ein ziviler Handelsposten war. Bei einem überraschenden Angriff der Bataver erlitten beide Seiten erhebliche Verluste.

Im Jahr 69 wurde Gellep erstmals namentlich erwähnt. Die Grabungen an der Stelle der Bataverschlacht brachten auf einem 700 Meter langen Feld Knochen von rund 180 Pferden zutage.

Die Ausstellung läuft bis 16. Oktober.

Quelle: RP
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