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Kr Wie Krefeld
Krefelder Publikumsjoker oder Wie Kraft zu schlagen ist

Krefeld. Die Wahl der Krefelder Landtagskandidaten für die CDU war in beiden Fällen überraschend. Besonders erhellend war das verblüffend knappe Ergebnis für Britta Oellers gegen den Tönisvorster Neuling Dirk Louy.

Aus der RTL-Show "Wer wird Millionär" weiß man, dass der Publikumsjoker selten irrt. Wer die Versammlungen zur Wahl der CDU-Landtagskandidaten beobachtet hat, kommt zumindest ins Grübeln, wo genau die Weisheit des Publikums liegt. Beide Entscheidungen haben viel für sich und einiges gegen sich - die für Parteichef Marc Blondin gegen den Reformer Michale Zecha ebenso wie die für die Krefelderin Britta Oellers gegen den Tönisvorster Neuling Dirk Louy.

Was für Blondin spricht: Hätte Zecha über Blondin obsiegt, wäre die Partei erst einmal lange mit sich beschäftigt gewesen. Zecha hat eine Neuaufstellung der Partei eingefordert; er hätte als Landtagskandidat liefern und Reformen einleiten müssen. Vor diesem Prozess schreckten die Delegierten offenbar zurück - aus gutem Grund: Eine Partei, die mit sich beschäftigt ist, ist nicht auf den Kampf nach außen konzentriert. Und ob Zecha die Krefelder CDU bis zur Landtagswahl im Mai 2017 zu einer schlagkräftigen Truppe umgeformt hätte, sei dahingestellt. Insofern ist die Entscheidung, mit Blondin in die Schlacht zu ziehen, nachvollziehbar. Im Raum steht freilich Zechas Analyse. Sie ist nicht falsch, nur weil sie im Zusammenhang mit einer Landtagswahlkandidatur vorgetragen wurde.

Noch aufschlussreicher war das knappe Wahlergebnis für die Fischelnerin Britta Oellers. Die Krefelder CDU-Mitglieder haben eben nicht streng nach Kirchturm gewählt, sondern sind in Scharen zu dem Fremdling Dirk Louy übergelaufen. Er hat eine fesselnde Wahlkampfrede gehalten und plausibel aufgezeigt, wo die SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft verwundbar ist: auf den harten Themenfeldern Wirtschaft und Innere Sicherheit. Britta Oellers hat zwar tapfer für ihre sozialen Themen gekämpft, aber mit Louys Rede war plötzlich die Einsicht wie mit Händen zu greifen, wo die Argumente liegen, die richtig wehtun und mit denen Säle zu packen sind. Hingegen dürfte es schwer für eine CDU-Frau sein, sozialer zu sein als Kraft, die sich weiter als Kümmerin profiliert und dies je heftiger tut, desto mehr sie auf anderen Feldern angegriffen wird.

So hat diese Wahl in der Krefelder Provinz gezeigt, wie der Landtagswahlkampf der CDU im Land angelegt sein sollte. Der Publikumsjoker hat gesprochen. Und er liegt, das wissen wir seit Günther Jauch, meist richtig. vo

Quelle: RP
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