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Krefeld
Krefelder radelt 1000 km für Klimaschutz

Krefeld. Horst Emse will ein Zeichen setzen: Um dem Bundesumweltministerium seine Petition für die Einführung einer CO2-Steuer zu überreichen, wird er mit dem Fahrrad - über Umwege - nach Berlin fahren. Er hofft auf eine Audienz bei Umweltministerin Hendricks (SPD). Von Saskia Nothofer

Der 70-jährige Krefelder Horst Emse hat einen spektakulären Plan: Er will Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) treffen und ihr eine von ihm ins Leben gerufene Petition überreichen, die die Einführung einer Zahlungsverpflichtung für CO2-Emissionen zum Ziel hat. Das Treffen soll am 18. Mai in Berlin stattfinden.

Emse glaubt an den Erfolg seiner Idee, denn ungehört blieb sein Appell in Berlin bisher nicht: "Ich habe meine Petition an alle Bundestagsabgeordneten geschickt", sagt der Krefelder. "Zwar hat nicht jeder einzeln auf mein Schreiben geantwortet, alle Fraktionen sind aber zu einer Stellungnahme bereit." Bis auf die Erklärung der SPD, die Emse für die kommenden Wochen angekündigt wurde, liegen die Stellungnahmen bereits vor.

Die Grünen wollen seine Petition demnach ausdrücklich unterstützen, während CDU/CSU und Linke sich eher gegen die vorgeschlagene CO2-Steuer aussprechen. Die Union befürchtet, dass die CO2-Emissionen dadurch nicht tatsächlich reduziert würden, sondern dass die Steuer lediglich dazu genutzt würde, den Staatshaushalt aufzubessern. Die Linke befürchtet, dass große und ärmere Familien durch eine solche Politik finanziell zu sehr belastet würden.

Das Besondere an dem Vorhaben des Krefelders: Um ein Zeichen gegen den CO2-Ausstoß zu setzten, wird der ehemalige Pfarrer die Strecke von Krefeld nach Berlin mit einem achtgängigen Klapp-Fahrrad zurücklegen. Das Motto seiner Aktion: "Strampeln für den Klimaschutz." Für seine am 30. April startende Tour hat Emse allerdings nicht die direkte - ungefähr 600 Kilometer lange - Route gewählt, sondern wird mit Umwegen über unter anderem Bonn, Bremen, Hamburg und Hannover insgesamt rund 1000 Kilometer zurücklegen.

Die Extra-Kilometer nimmt der 70-Jährige in Kauf, um bei den Vertretungen von Umweltorganisationen wie Greenpeace, Bund, Nabu und WWF die jeweiligen Positionen zur Verringerung des CO2-Ausstoßes abzuholen, die er in einem eigens verfassten Fragebogen ermittelt hat. "An jeder Station werde ich ein Foto machen, um zu beweisen, dass ich dort war und mir die Antworten abgeholt habe", sagt der Krefelder.

Emse legt großen Wert darauf, persönlich bei den Organisationen vorbeizufahren, da diese sich bezüglich seines Engagements bisher wenig kooperativ gezeigt hätten. Bevor dem 70-Jährigen nämlich die Idee zur Fahrrad-Aktion kam, hatte er versucht, Greenpeace, Bund, Nabu und WWF dazu anzuregen, in einer gemeinsamen Erklärung oder Aktion entschiedeneres Handeln von der deutschen Politik im Sinne seiner Petition zu fordern. Nur der NABU hatte darauf reagiert - allerdings mit einer negativen Antwort.

Nicht nur hier mangelte es dem Umweltschützer bei seinem Einsatz an Unterstützung. Als ehemaliger evangelischer Pfarrer hat Emse auch in Kirchenorganisationen versucht, Menschen zu klimaneutralem Handeln zu motivieren. Erfolg hatte er dabei nicht. "Die Leute sind zwar offen dafür und reden darüber, wenn es aber darum geht, dass mit klimaneutralem Handeln auch Kosten verbunden sind, ist das Thema bei den meisten Menschen abgeschlossen", sagt der 70-Jährige.

Für Emse steht allerdings schon lange fest, dass die globale Erwärmung nur dann gestoppt werden kann, wenn der Ausstoß von CO2-Emissionen deutlich verringert wird - und das so schnell wie möglich. "Es ist schon später als fünf vor zwölf", warnt der 70-Jährige auf seiner Website 4vor12.org. Um den Klimaschutz tatsächlich voranzutreiben, gibt es für den Krefelder daher mittlerweile nur noch eine Möglichkeit: Die politische Dimension des Themas muss gestärkt werden. "Werden CO2-Emissionen vom Staat mit einem Preis belastet, haben erneuerbare Energien größere Chancen, sich auf dem Markt durchzusetzen", erklärt Emse das Ziel seiner Petition. Hierfür fährt er nun also nach Berlin. "Ich habe keine Angst davor, dass eine 1000 Kilometer lange Strecke vor mir liegt", sagt er. "Ich bin es gewohnt, viel Fahrrad zu fahren und Wind und Wetter machen mir nichts aus."

Quelle: RP
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