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Krefeld
Krefelder schickt Transparentes nach China

Krefeld: Krefelder schickt Transparentes nach China
Uwe Esser in seinem Atelier in seinem Haus im Dießem: An der Wand hängen noch nicht fertiggestellte Bilder. Der Künstler arbeitet stets parallel an mehreren Bildern, die er dazu flach auf die Erde legt. Um einen Überblick zu bekommen, steigt er dann auf eine Leiter. FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Der 55-jährige Uwe Esser erlaubt individuelle Blicke auf sein vielschichtiges Werk aus transparenten Farben. Eines seiner großformatigen Bilder ist ab dem 24. September im chinesischen Nationalmuseum in Beijing zu sehen. Von Norbert Stirken

Die Kunst des Krefelder Künstlers Uwe Esser kam gestern in Tianjin in China an. In dem Hafen, in dem vor rund zwei Wochen mehr als 100 Menschen durch eine schwere Explosion und ein anschließendes Flammeninferno gestorben sind. Per Seefracht waren die Arbeiten der europäischen Künstler auf den Weg gebracht worden, die an der Biennale in Beijing ab 24. September teilnehmen. "Für mich wird das eine Abenteuerreise", sagt Esser, der sich dort zwei Wochen lang aufhalten möchte, um Peking und Shanghai zu besuchen und an einem viertägigen Künstlersymposium teilzunehmen. Ideologische Fragen spart er aus. Antworten darauf gibt seine Kunst - seine Malerei und seine Installationen.

Vielschichtigkeit und Transparenz bilden das Fundament seiner künstlerischen Ausdrucksweise, die er seit den Anfängen an der Folkwanghochschule "ohne nach links oder rechts zu gucken" perfektioniert hat. Nach dem Studium für den Schuldienst schrieb er sich an der Staatlichen Kunstakademie in der Landeshauptstadt ein. Esser, der in Düsseldorf geboren ist, lebt mittlerweile seit mehr als 20 Jahren in Krefeld in einem von ihm selbst sanierten alten Haus im Dießem. "Ich habe immer gemalt", erklärt Esser seine Berufswahl.

Seine Bilder, die so spontan wirken, sind das Ergebnis genauer Planung. Esser geht systematisch vor. Für neue Farbstoffe macht er Versuchsreihen, um von deren Eigenschaften im Prozess des Malens nicht überrascht zu werden. Esser macht Skizzen, hat ein Bild im Kopf, ehe er sich an die Leinwand begibt. Aus 20 bis 25 Schichten bestehen seine Arbeiten, die er mit transparenten Acryllacken malt. Jeder Vorgang hinterlässt seine Spuren. Bisweilen sind es nur Farbkanten, die unter anderen Farbschichten haptisch zu entdecken sind. Esser entwirft Folien, deren Motive er mit einem Projektor auf sein Medium wirft und die Konturen penibel mit Tinten und Tuschen nachzeichnet.

Mit seinen malereibezogenen Installationen betritt der 55-Jährige eine andere Dimension. Er macht den Betrachter zum Teil seines Kunstwerks. Malerei spiegelt sich in konvexen und konkaven Spiegeln an Wänden und auf dem Boden. Spiegelbilder spiegeln sich in Spiegeln. Die Malerei wirkt auf jeden Betrachter je nach Standort und Blickwinkel anders. Der Betrachter genießt den Luxus, ein einzigartiges, nur von ihm zu sehendes Bild erkennen zu können.

Die Einladung nach China verdankt Esser der Leiterin des Ludwigmuseums Koblenz. Beate Reifenscheid ist Kuratorin für China und kennt Uwe Esser und dessen Kunst schon seit vielen Jahren. Essers Werke "eröffnen immer wieder neue Labyrinthe des Sehens, des Denkens und des Fühlens", schrieb sie einmal über die Arbeiten des Wahl-Krefelders, der "lange gefremdelt" hat, nun aber auch dank seines Galeristen und Freundes Ralph Kleinsimlinghaus die Vorzüge der Stadt zu schätzen weiß. Die Stadt, die er im kommenden Jahr für sechs Monate verlassen wird, um in der Türkei zu leben, zu arbeiten und auszustellen. Die Kunststiftung Nordrhein-Westfalen ermöglicht ihm den Aufenthalt im Galata-Atelierhaus in Istanbul. Im April möchte er dort eine neue Installation präsentieren.

Zuvor soll aber sein erstes Künstlerbuch mit dem Titel "Vermischtes - Die Freshfields-Übermalungen" erscheinen. Esser hat im Lauf der Jahre einen seiner Drucke rund 400 Mal überarbeitet. Das Künstlerbuch zeigt eine Auswahl von 125 Varianten mit Textvariationen des Literaten Burkhard Spinnen. Das nächste hat Esser schon in Planung - eine Sammlung mit Fotoübermalungen.

Quelle: RP
 
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