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Krefeld
Krefelder Tafel versorgt auch Flüchtlinge

Fotos: Eine Nacht in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft
Fotos: Eine Nacht in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft FOTO: Bernd Schaller
Krefeld. Die Flüchtlinge in Krefeld stellen auch die Krefelder Tafel vor Herausforderungen: Seitdem immer mehr Flüchtlinge die Tafel für sich entdecken, brauchen die Organisatoren dort mehr Lebensmittel, um alle Bedürftigen zu versorgen. Von Jens Voss

Die Mitarbeiter der Krefelder Tafel müssen schwierige Situationen meistern, wenn plötzlich vermehrt Flüchtlinge um Essen nachsuchen: Sie wollen alle Bedürftigen mit Nahrung versorgen; das Essen reicht aber nicht, weil jede der sieben Ausgabestellen auf eine bestimmte Anzahl registrierter Gäste eingestellt ist. "Wir haben diskutiert, wie mit einer solchen Situation umzugehen ist", berichtet der Vorsitzende der Krefelder Tafel, Hansgeorg Rehbein, auf Anfrage unserer Zeitung. Die Tafel ruft nun dazu auf, Lebensmittel zu spenden. Ohnehin ist geplant, das Erntedankfest am 4. Oktober zu einem Lebensmittelsammeltag auszurufen - doch hilfreich wären schon jetzt Lebensmittelspenden.

"Unser Ziel ist klar: Wir möchten alle gleich behandeln und niemanden zurückweisen müssen", sagt Rehbein. Er und seine Mitstreiter versorgen zurzeit rund 4000 Menschen in Krefeld regelmäßig mit Essen. "Die Bedürftigen sind an den Ausgabestellen relativ genau registriert", sagt Rehbein; die Bedürftigkeit werde geprüft; viele seien Hartz-IV-Empfänger. Pro Ausgabestelle kommen zwischen 100 und 300 Personen. Danach sind auch die Lebensmittel portioniert. Kommen mehr Menschen, bleibt nur, das vorhandene Essen auf alle zu verteilen, was zu Konflikten führen kann - oder nicht angemeldete Menschen abzuweisen. Das aber widerstrebt allen Mitarbeitern, denn das Ziel ist, jeden zu versorgen, der kommt. "Wir versuchen, einen menschlichen Mittelweg zu gehen und erst die zu versorgen, die registriert sind, und dann das, was übrig bleibt, auf die übrigen zu verteilen, und in der Regel bleibt etwas übrig", sagt Rehbein.

FOTO: Thomas lammertz

Die Flüchtlinge, die zur Tafel kommen, sind die, die in Krefeld für die Dauer ihres Asylverfahrens nicht in einer Turnhalle untergebracht sind - denn dort werden die Menschen mit Essen versorgt. Die Asylbewerber, die hier leben, bekommen Regelsätze, die sich an den Sätzen von Hartz IV orientieren. Die Gründe, warum jemand, der von Hartz IV leben muss, zur Tafel geht, seien vielfältig, berichtet Rehbein. Manche haben eben Mitte des Monats kein Geld mehr, andere müssen Kinder versorgen und haben Probleme, mit dem Geld auszukommen - "es gibt viele Gründe, warum man noch ärmer als arm ist", sagt Rehbein.

Er und seine ehrenamtlichen Helfer fangen jedenfalls nicht an, mit solchen Menschen zu diskutieren, ob sie nicht doch mit dem Geld auskommen müssten, das der Sozialstaat als auskömmlich zum Leben definiert. "Wir helfen Menschen in Not", betont Rehbein, "und wir möchten alle Bedürftigen gleich behandeln, und zwar konfliktfrei und gerecht." Es soll keine Zwei-Klassen-Gesellschaft mit Einheimischen und Flüchtlingen geben.

Fotos: Große Hilfsbereitschaft am Dortmunder Hauptbahnhof FOTO: dpa, mjh

Der Verein plant mit den Evangelischen Kirchen zusammen, das Erntedankfest zum Lebensmittelsammeltag auszurufen. In den Tagen rund um Erntedank am 4. Oktober können dann Lebensmittel auch in den Kirchen abgegeben werden; Einzelheiten werden noch bekanntgegeben. Schon jetzt bittet die Krefelder Tafel aber um Spenden von haltbaren Lebensmitteln, damit sie die wachsende Zahl an Gästen versorgen kann.

Die Stadt richtet sich derweil darauf ein, weitere Flüchtlinge aufzunehmen. "Wir sind jetzt bei 1850 kommunalen Flüchtlingen; dazu kommen die 150 Erstaufnahme-Flüchtlinge des Landes in der Glockenspitzhalle", resümiert Sozialamtsleiter Wolfram Gottschalk auf Anfrage. Das Land hat angekündigt, weitere 50 Erstaufnahme-Flüchtlinge zu schicken; sie sind bisher noch nicht angekommen. "Wir haben schon jetzt die 2000er-Marke erreicht und werden sie auch deutlich überschreiten", sagt Gottschalk.

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Quelle: RP
 
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