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Krefeld
Krefelder zeigt Shakespeares Blutdrama

Krefeld: Krefelder zeigt Shakespeares Blutdrama
Hüseyin Michael Cirpici ist in Krefeld geboren und hat das Gymnasium am Stadtpark besucht. Als freier Regisseur inszeniert er bundesweit. FOTO: Theater
Krefeld. "Macbeth" ist William Shakespeares blutigste Tragödie. Darf man die Geschichte des brutalen Abschlachtens in Zeiten des IS-Terrors zeigen? Diese Frage hat man sich am Krefelder Theater intensiv gestellt - und mit Ja beantwortet. Samstag hat das Schauspiel Premiere. Regie führt der gebürtige Krefelder Hüseyin Michael Cirpici. Von Petra Diederichs

Die Geschichte von Macbeth und Hüseyin Michael Cirpici beginnt vor vielen Jahren im Gymnasium am Stadtpark. Cirpici ist Schüler und führt mit der Theater AG Eugene Ionecos "Macbett" auf. Später - inzwischen als Schauspieler - steht er in einer Drei-Personen-Fassung der Shakespeare-Tragödie auf der Bühne: "Es gab Macbeth, die Lady, und ich spielte alle übrigen Rollen." Jetzt inszeniert der 48-Jährige erstmals das Blut-Spektakel um den Politiker, der sich von Ehrgeiz und von seiner Frau getrieben an die Macht mordet und immer weiter Blut vergießen muss, um seine Position zu halten.

Ist es das richtige Stück für diese Zeit? "Beim Wiederlesen bin ich erschrocken vor dem Grauen. Die Bluttat mit dem Schwert ist uns durch die Gräuel des IS wieder sehr viel näher gerückt als vor Jahren. Es hat mich beschäftigt, ob wir als Theater das zeigen oder eine heilige Scheu haben sollten", sagt Dramaturg Martin Vöhringer. Den aktuellen Bezug sieht Cirpici, aber er findet einen Trost bei Shakespeare: "Macbeth ist ein blutrünstiges, machterhaltendes, düsteres Ding. Aber der Machthaber bleibt nicht an der Macht. Das Gute kehrt am Ende wieder ins Land zurück." Das Stück, das vermutlich um 1606 entstanden ist, nennt er einen zeitlosen Thriller, unbändig spannend. "In diesem Sinne ist es auch Unterhaltung."

Die Handlung beginnt - nach den Prophezeiungen der drei Hexen, dass Macbeth König werde - mit einem blutüberströmten Kämpfer. Fachleute haben mehr als 100 Mal die Wörter "Blut" und "blutig" gezählt - öfter als in jedem anderen Shakespeare-Drama. "Man muss das Stück aushalten. Oder eben nicht", sagt Cirpici.

Es wird reichlich Blut fließen, rote, entsprechend ausgeleuchtete Pfützen wird es auf Vorder- und Mittelbühne geben, in dem offenen Raum, den Sigi Colpe (Bühne und Kostüme) gestaltet. "Die Handlung ist so schnell, da dürfen die Ortswechsel nicht gebremst werden, weil sich das Bühnenbild ändert", findet Cirpici. Der Zuschauer soll die Räume in seiner Fantasie erschaffen. Das Augenmerk will der Regisseur aufs Atmosphärische lenken. Deshalb wird die Musikerin Julia Klomfaß im hinteren Bühnenbereich live agieren. Paul Steinbach übernimmt die Titelpartie des Macbeth, Eva Spott gibt die Lady Macbeth. Gespannt sein darf man auf die drei Hexen (gespielt von Esther Keil, Helen Wendt und Lena Eikenbusch). Denn ihre Funktion haben dem Regisseur im Vorfeld Kopfzerbrechen bereitet. "Ich wusste lange nicht, was ich mit ihnen machen soll. Ich wollte raus aus der Folklore. Und dann zeigte sich, dass sie stärker sind, als ich vermutet hatte, sie sind die Schicksalsschwestern, die das Ganze am Leben halten." Für die Inszenierung hat er sich für die Übersetzung von Thomas Brasch entschieden: "Eine kraftvolle Sprache", sagt Cirpici.

Für Cirpici, der in der nächsten Spielzeit eine Erstaufführung am Deutschen Theater Berlin zeigt, ist es die dritte Regie am Gemeinschaftstheater nach "Der Goldene Drache" und "Romeo und Julia".

Premiere, Samstag, 31. Januar, 19.30 Uhr, im Theater. Es gibt noch Restkarten. Kartentelefon 805125.

Quelle: RP
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