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Krefeld
Krefelds erster Kinderarzt: Dr. Kurt Hirschfelder starb vor 75 Jahren

Krefeld. Vor 75 Jahren ist der beliebte Kinderarzt Dr. Kurt (Isidor) Hirschfelder in Krefeld gestorben. Der Mediziner jüdischen Glaubens wählte den Freitod, weil er von seiner anstehenden Deportation erfahren hatte. Als Isidor Hirschfelder kam er am 11. März 1878 im Neckardorf Rexingen (Württemberg) zur Welt. Die Eltern - Max Hirschfelder und Frau Rika, geborene Wälder - hatten insgesamt vier Jungen und ein Mädchen. Reichtümer scheint der Viehhandel des Vaters nicht abgeworfen zu haben. Isidor hatte als Einziger das Glück, sich an einer Universität einschreiben zu dürfen. Er promovierte 1903 in Freiburg.

Der damals 28-jährige Facharzt für Kinderkrankheiten ließ sich von Berlin kommend 1906 als erster Spezialarzt für Kinderkrankheiten in Krefeld nieder. Mit seiner Unterstützung konnte nur zwei Jahre später die erste Mütterberatungsstelle des Krefelder Frauenvereins an der Elisabethstraße eingerichtet werden. Er unterrichtete die Mütter über die richtige Ernährung und Pflege ihrer Kinder. Im ehemaligen Handwerker-Krankenhaus, Petersstraße 71, konnte am 13. Juli 1914 ein Säuglingsheim des Frauenvereins eröffnet werden. Hirschfelder bewegte zahlreiche Mitglieder der jüdischen Gemeinde dazu, für die Einrichtung des neuen Heims zu spenden. "Kein Tag verging, an dem Dr. Hirschfelder in der Elisabethstraße nicht nach seinen kleinen Patienten sah. Mehr noch: Er war ein Arzt, der nicht kassierte, sondern draufzahlte. Als die Weltkriegsnot das inzwischen zur Petersstraße verlegte Heim gefährdete, hielt Hirschfelder es geradezu über Wasser", schrieb Ernst Köppen im Krefelder Jahrbuch "Die Heimat" (1972). Während des Ersten Weltkrieges wurde er als Sanitätsoffizier nach einer Verwundung mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Er kehrte nach Krefeld zurück und widmete sich dort wieder seinen Aufgaben unter anderem im Säuglingsheim. Ferner betrieb er eine eigene Praxis. "Herr Hirschfelder hat mit seinem unermüdlichen Einsatz den Grundstein für die Krefelder Pädiatrie gelegt. Im Eingangsbereich der Krefelder Kinderklinik erinnert eine Gedenktafel an seine einzigartige Bedeutung für die Krefelder Kinderheilkunde", berichtet Professor Tim Niehues, Chefarzt des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin am Helios Klinikum.

Drei Jahrzehnte bewohnte Hirschfelder eine Etage im Haus am Ostwall 148. Die Praxis zur Straße, im Sprechzimmer zwei Gemälde mit Szenen aus einem Feldlazarett, anschließend Wohn- und Schlafräume. Nach der so genannten "Machtübernahme" durch die Nationalsozialisten 1933 konnte Hirschfelder zuerst als ehemaliger Weltkriegssoldat in Krefeld weiterleben. Seine Arbeit unter anderem für das Säuglingsheim, musste er jedoch umgehend beenden. In dieser Zeit kam es aber auch zu Sympathiekundgebungen: Mütter leiteten der Stadtbehörde eine Petition zu, man möge dem Retter ihrer Kinder ein Denkmal setzen. Seine Kameraden aus dem Ersten Weltkrieg holten ihren jüdischen Oberstabsarzt demonstrativ zu einem Regimentstreffen. Doch schon bald schränkten die Nazis das Leben von Hirschfelder weiter ein, seine Praxis wurde zerstört, die Wohnung am Ostwall musste er räumen, sein Vermögen wurde eingezogen und letztlich durfte er als Arzt nicht mehr praktizieren. Seinen Geburtsvornamen "Isidor" legte Hirschfelder in den 1920er-Jahren selbst ab; erst wegen der Nazigesetzgebung musste er einen jüdischen Vornamen wieder annehmen. Kurz vor seiner geplanten Deportation 1941 nahm er sich das Leben.

Quelle: RP
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