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Krefeld
Krefelds Grafik-Schätze: Noch nie gezeigte Blätter großer Meister

Krefeld. "Show & Tell" heißt die große Ausstellung, die Sonntag eröffnet wird. Zeigen und Erzählen ist wörtlich gemeint, denn hinter jedem Exponat steckt eine Geschichte. Und alles lässt sich zu immer neuen Zusammenhängen verbinden. Von Petra Diederichs

Einmal kann hier nicht genug sein: Die Fülle der so unterschiedlichen Ausstellungsstücke zeigt schon beim Betreten des Hauses Lange, dass kein Auge alles auf einmal wahrnehmen, kein Kopf alles direkt verarbeiten kann. Magdalena Holzhey ging es kaum anders, als sie im April 2014 begann, sich durch die Grafische Sammlung der Kunstmuseen durchzuarbeiten, die auch etliche nie zuvor gezeigte Blätter enthält. "Ich habe mich gefragt, was von heute aus relevant ist und wie sich dann Zusammenhänge erschließen lassen", sagt sie. Ihre Ausstellung "Show & Tell" hat sie in sogenannter offener Erzählform konzipiert: Es gibt chronologische Folgen, die aber stets durchbrochen werden, wenn es thematisch passt.

Die Architektur der Stadtvillen Haus Esters und Haus Lange sind dafür wie geschaffen, die vielen Räume werden zu Thementreffen von Künstlern: Pablo Picasso und Henri Matisse bieten sich als Duo an. Aber auch der Krefelder Künstler Will Cassel hält mit einer lange nicht gezeigten frühen Arbeit "Raumkonstruktion" von 1958 Stand neben Architektur-Darstellungen von Lyonel Feininger.

Der Glanz der großen Namen wie Richter, Picasso und Warhol strahlt auch auf Künstler, die heute weniger Zugkraft haben. Und sie zeigt auch, wie Krefelder Künstler den Geist ihrer Zeit wesentlich mitgeprägt haben: Heinrich Campendonk, Henry van de Velde, Georg Muche, Joseph Beuys und Will Cassel. In jedem Raum lassen sich Geschichten finden von den Banalitäten des Alltags (Warhols berühmte pinkfarbene Kuh) bis zur politischen "Deutschen Studententapete", in der Wolf Vostell 1967 die Proteste gegen den Schah-Besuch als Endlos-Zeitungsartikel "Die Geschlagenen schlagen zurück" kommentierte.

Die frühesten Exponate stammen aus dem späten 18., frühen 19. Jahrhundert - aus der umfangreichen Krefelder Sammlung japanischer Farbholzdrucke, die der damalige Museumsdirektor Deneken gesammelt hat. Wundervolle Zeichnungen japanischer Frauen und Landschaften haben die Kunst Westeuropas in ihrer Bildsprache beeinflusst. Plötzlich tauchten die flächigen Farben auch in Drucken hiesiger Künstler auf. Der Jugendstil hat von dieser Ästhetik gezehrt. Im Obergeschoss von Haus Lange lässt sich diese Entwicklung ablesen. Dort spiegelt sich auch, wie durch neue Druckverfahren die Werbung die Kunst für sich entdeckte, wie Henry van de Velde das erste Coroprate Design schuf für die Eiweiß-Nahrung "Tropon" und Otto Eckmann die berühmte Jugendstilschrift entwickelte.

Eine klein Druckwerkstatt erklärt die Grundtechniken von Hoch-, Tief-, Flach- und Siebdruck. Und Besucher dürfen dort auch selber drucken.

Eröffnung: Sonntag, 11 Uhr, Haus Lange, Wilhelmshofallee 91-97. Die Ausstellung ist bis 21. Februar zu sehen. Es gibt ein umfangreiches Begleitprogramm.

Quelle: RP
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