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Krefeld
Krefelds Klinikum: Privatsache?

Krefeld: Krefelds Klinikum: Privatsache?
In dem hauseigenen Tarifvertrag ist unter anderem festgehalten, dass Nichtraucher pro Jahr einen Urlaubstag mehr erhalten als ihre rauchenden Kollegen. FOTO: RPO
Krefeld. Vor dem Entscheid um die Zukunft des Klinikums fragt die RP in anderen Städten: Wie sind dort die Erfahrungen mit Übernahmen durch Private? In Köln steht die Mehrheit für einen Kauf des Krefelder Hauses auf der Kippe. SPD und Grüne sind jetzt dagegen. Von Sebastian Peters

Der Mann steht wirklich nicht im Verdacht, Helios äußerst verbunden zu sein. Thorsten Schulten ist Experte der SPD-nahen Hans-Böckler-Stiftung und hat mit Studien Klinik-Privatisierungen begleitet. Seine Erfahrung: "Einen drastischen Rückgang der Arbeitsplätze gab es nach Klinikübernahmen durch Helios selten." Schulten ist mit dieser Meinung nicht alleine, doch es gibt auch kritische Stimmen. Dirk Völpel-Haus zum Beispiel; er ist bei Verdi im Fachbereich Krankenhäuser tätig. Der Experte warnt: "Jede Privatisierung ist differenziert zu betrachten. Es zeigen sich aber stets ähnliche Prozesse. Personalabbau geschieht schleichend, es wird outgesourct, Mitarbeiter werden mit Sprinter-Prämien gelockt. Wer früh freiwillig geht, erhält eine hohe Abfindung."

Das Beispiel Wuppertal: Dort übernahm Helios im Jahr 2003 das finanziell angeschlagene Klinikum. 300 Stellen wurden seit der Übernahme gestrichen. 1600 Mitarbeiter arbeiten noch dort, 13 betriebsbedingte Kündigungen wurden ausgesprochen. Michael Hohagen, Sprecher der Wuppertaler Grünen, sagt dennoch: "Die Wahl von Helios war gut. Einen massiven Stellenabbau gab es nicht." Zwar merkt er an, dass die Personalkosten reduziert und Bereiche ausgegliedert wurden, doch: "Das hätte ein kommunaler Betreiber auch gemacht."

Das Beispiel Erfurt: Dort hat Helios drei Kliniken übernommen. Erfurt ist einer von vier Helios-Maximalversorgern. Das Klinikum steckte mit zehn Millionen Euro in den Miesen. Helios sanierte. Ein Glücksfall? Petra Schröder, Verdi-Klinikexpertin: "Radikal gekürzt wurde nicht. Es wurde peu à peu mit Auflösungsverträgen und Abfindungen gearbeitet." Und sie sieht weitere Nachteile: "Auf lange Sicht ist ein kommunaler Verbund für Mitarbeiter besser"; sie hat mit dieser Position die Krefelder Kritiker auf ihrer Seite.

Bauchschmerzen wegen Berlin

Es ist besonders ein Fall, der in Gegnern eines Klinikverkaufs an Helios Sorgen macht. Das Beispiel Berlin-Buch: 2001 übernahm Helios das einst größte Klinikum der DDR sowie kleinere Berliner Kliniken: Nur bis Ende 2005 wurden betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.

"Dort fielen 56 Prozent aller Arbeitsplätze weg. Das macht mir Bauchschmerzen", sagt der Krefelder DGB-Chef Ralf Köpke und spricht sich für eine Vergabe der Krefelder an die Kölner Kliniken aus. "Das Angebot aus Köln ist sehr seriös." Auch Mechthild Schratz, Verdi-Vorsitzende am linken Niederrhein, fürchtet die Übernahme durch Helios und will die Kölner Lösung, wenngleich sich Zeichen mehren, dass Köln das Angebot zurückzieht.

Und was ist mit Sana? Beispiele von Sana-Privatisierungen aus Duisburg und Remscheid zeigen, dass der Konzern ähnlich wie Helios verfährt. Was übrigens DGB und Verdi nicht abstreiten: Von beiden Privaten, Helios und Sana, wäre den Gewerkschaften Helios der liebere Partner. Mit Helios hat Verdi bereits einen Konzerntarifvertrag abgeschlossen. Bei Sana steht diese Einigung noch aus.

Quelle: RP
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