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Krefeld
Krefelds Meisterschütze

Krefeld: Krefelds Meisterschütze
"Man kämpft immer gegen die eigene Form", sagt Rainer Hauses. Hier zielt er auf ein hölzernes Schwein und Holzwürfel. FOTO: Mark Mocnik
Krefeld. Mit Pfeil und Bogen tritt der Krefelder Rainer Hauses bei der Europameisterschaft im Juni an. Dafür trainiert er hart - auch an Wintertagen. Das Krefelder Sportschützenkorps nimmt erstmals an einer EM der Bogenschützen teil. Von Christine van Delden

Krefeld wird 2016 bei der Europameisterschaft im Bogenschießen vertreten sein. Sieben Mitglieder der Bogenabteilung des "Krefelder Sportschützenkorps" (SSK) reisen im Juni nach Saalbach in Österreich, um an der European Bowhunter Championship (EBHC) 2016 teilzunehmen. Einer von ihnen ist Rainer Hauses (51). Der gelernte Schlosser und Maschinentechniker, der heute als Instandhaltungstechniker arbeitet, erzählt: "Im vergangenen Jahr habe ich in Österreich Urlaub gemacht und an einem Turnier teilgenommen, das dort zufällig angeboten wurde. Ich habe gedacht 'das wäre doch was für unseren Verein', und diese Idee hat sich dann in meinem Kopf festgesetzt". Für eine Turnieranmeldung in Österreich war es für Hauses und seine Vereinskameraden erforderlich, in den Deutschen Feldbogen Verband (DFBV) einzutreten, denn er ist momentan der einzige deutsche Verband, der seine Mitglieder bei der EBHC oder der Weltmeisterschaft (WBHC) teilnehmen lässt. "Wir haben uns also einfach angemeldet - und dann konnten wir nicht mehr zurück", sagt Hauses und schmunzelt. "Jetzt fahren wir zu siebt Ende Juni für fünf Tage nach Saalbach. Allerdings schießt jeder von uns sein eigenes Turnier. Wir werden nicht als Mannschaft antreten".

Bis es soweit ist, heißt es nun regelmäßig zu üben. So lange das Wetter es zulässt, geschieht dies draußen auf dem Vereinsgelände am Sprudeldyk; im Winter wird in der Turnhalle Girmesgath trainiert. Geschossen wird im sogenannten 3-D-Parcours. Hauses erklärt: "Wir schießen dreidimensional, das heißt beispielsweise auf eine Attrappe aus Kunststoff in Form eines Wildschweins. Die Parcours, die wir uns aufstellen, sollen ein bisschen jagdlich gestellt sein, allerdings stimmen die Entfernungen nicht zwingend mit denen bei einer realen Jagd überein". Dazu muss man wissen, dass das Jagen mit Pfeil und Bogen in Deutschland verboten ist; in einigen europäischen Staaten und in den USA ist es dagegen erlaubt. Der deutsche Vizemeister von 2012, Rainer Hauses, legt großen Wert auf die Unterscheidung: Die Jagdbogen aus Carbon oder der olympische Recurve-Bogen sind keine Waffen, sondern Sportgeräte. Ihm und seinen Vereins-Kollegen geht es nicht nur darum, eine möglichste hohe Punktzahl zu erzielen, sondern "man muss lernen, mal eine 'Schlappe' einstecken zu können und jedes Mal aufs Neue kämpft man gegen die eigene Form", erläutert Hauses seine Motivation für den Bogensport. Hier ist dann schon mal der Weg das Ziel. Höchste Konzentration ist gefordert, denn der Schuss ist ein komplexer Akt: Der Schütze fixiert sein Ziel, dessen Entfernung er zuvor eingeschätzt hat, und wählt den passenden Pfeil. Der Pfeil wird mit der sogenannten Nock (dem Ende des Pfeils) in die Sehne eingelegt ("eingenockt") und gespannt. Nicht etwa durch Zug des Armes, sondern in der Hauptsache durch ein Zusammenziehen der Schulterblätter, wie der Vereinskollege Philipp Räder (31) erklärt. Als Physiotherapeut sind dem deutschen Vizemeister in der 3-D-Disziplin diese Bewegungs-abläufe besonders gut nachvollziehbar. Gleichzeitig mit dem Spannen der Sehne, wird der "Ankerpunkt" (zum Beispiel eine Stelle im Gesicht, meist nahe dem Mundwinkel) gesucht. Die Konstanten des Nock- und Ankerpunktes gewährleisten dem Bogenschützen, dass die Energie, die dem Pfeil mitgegeben wird, immer die gleiche bleibt. Erst das macht den Schuss kontrollierbar. Der Flug eines Pfeils verläuft parabelmäßig. "Das muss man ins Gefühl bekommen und das gelingt nur durch viel Übung", berichtet Felix Steiners. Der Abiturient, mit 17 Jahren der jüngste Teilnehmer der Gruppe, die nach Saalbach fährt, ist amtierender deutscher Jugendmeister und freut sich wie seine Vereinskollegen auf die anstehende Herausforderung.

Quelle: RP
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