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Krefeld
Krefelds schönste moderne Kirche wird 50

Eindrücke aus der Christuskirche in Krefeld
Eindrücke aus der Christuskirche in Krefeld FOTO: Lammertz, Thomas
Krefeld. Es ist Geschmacksache -wir legen uns fest: Die Christuskirche an der Schönwasserstraße ist Krefelds schönster moderner Kirchenbau. Am Wochenende feiert die evangelische Gemeinde das 50-jährige Bestehen der Kirche mit einem großen zweitägigen Fest - unter anderem mit einem Open-Air-Gottesdienst am Sonntag. Von Jens Voss

Seit der Einweihung dieses Kirchbaus vor 50 Jahren am 26. Juni 1966 scheiden sich an ihm die Geister. Auch die derzeitige Pfarrerin Anke Brüggemann-Diederichs räumt ein, dass sie mit dem Bau anfangs gefremdelt hat - zu kalt, zu kahl. Nun, anders als Zeltkirchen und manch andere Seltsamkeit aus jener Epoche hat dieses aus Kuben zusammengesetzte Ensemble nichts von seiner Frische, seiner modernen Anmutung und seiner klaren Funktionalität eingebüßt. Und der Kirchenraum, der durch die hohen Backsteinwände und den Lichtkranz unterm Dach warme Farbigkeit ausstrahlt, stiftet unaufdringlich ein dichtes, schönes Raumgefühl für das Geschehen vorn am Altartisch und auf der Kanzel.

Brüggemann-Diederichs sagt, sie habe ihren Frieden mit dem Raum gemacht, als sie entdeckte, wie vielfältig er einsetzbar ist. Das ist überhaupt ein wichtiges Signum dieses Baus: die Funktionalität. Architekt Ernst Fohrer habe die Idee des Ganzen mit einer Klosteranlage verglichen, berichtet die Pfarrerin - nicht, weil die Anlage abgeschlossen ist, sondern vielfältiges Leben umfasst "mit allem Drum und Dran" und immer neue Räume öffnet: Der Kirchvorplatz als Platz der Begegnung, der Vorraum zum Kirchenraum mit einem dezent eingefügten Thekenbereich, Bibliothek, Versammlungsraum, im Keller Jugendräume - übersichtlich eröffnen sich die Wege zu je verschiedenen Handlungsmöglichkeiten bis hin zur benachbarten Kita.

Die Kirche wurde nach einer Phase des Wachstums der Gemeinde gebaut. Seit 1911 bestand in Bockum die Absicht, eine evangelische Kirche zu bauen. 1927 wurde das Ernst-Moritz-Arndt-Haus eingeweiht. Nach dem Krieg hat sich die Bockumer Gemeinde durch die Ansiedlung Vertriebener stark vergrößert. 1960 wurde der evangelische Kirchenbauverein gegründet, 1961 erste Vorentwürfe gesichtet, dann fiel die Entscheidung zugunsten des Entwurfs der Architekten Fohrer und H.H. Schneiders aus Krefeld.

Die Gemeinde ist seitdem wieder geschrumpft; vor rund 30 Jahren hatte sie mehr als 5000 Mitglieder, heute sind es gut 4000. Dennoch wirkt die Kirche nicht verloren; auch dann nicht, wenn sich 50, 60 Gottesdienstbesucher einfinden. Pfarrer Martin Diederichs findet einen schönen Begriff für die Dimension: "Die Kirche ist für den Stadtteil auskömmlich." Heißt: Sie liegt mitten in der Gemeinde, sie wirkt nicht riesig, sondern organisch ins Viertel eingepasst, belebt und benutzt und angemessen in der Größe.

Herzstück bleibt der Kirchenraum. Zu den Besonderheiten gehört die Taufkapelle, die einen intimen Nebenraum eröffnet. Das hat auch damit zu tun, dass Taufen früher in eigenen kleinen Gottesdiensten mit den Familien begangen wurden; "wir haben das irgendwann geändert und die Taufen in den Hauptgottesdienst eingebunden", sagt Pfarrer Diederichs. Doch bis heute ist der Gang zum Taufbecken ein anrührender Anblick - die Konzentration auf den Täufling ist ins Räumliche übersetzt.

Auch das gehört zu den Qualitäten dieses Baus: Er ist Stein gewordene Theologie. Im Zentrum angekommen ist man, wenn man den Blick zum Altartisch und zur Kanzel erhebt und das schlichte Holzkreuz an der großen Wand wahrnimmt. Dort kommt der Bau zum Ziel, nicht protzig und lauthals, sondern still und eindringlich. Auch darin ist er modern.

Quelle: RP
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