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Krefeld
Krefelds verborgene Schöne

Krefeld: Krefelds verborgene Schöne
Blick in den Altarraum der Kapelle des Alteinheims St. Josef von der Orgelempore aus. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Die Kapelle des Altenheims St. Josef soll der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden - mit einer Konzertreihe. Von Jens Voss

Eine Nonne der Armen Schwestern vom Heiligen Franziskus hat sie Krefelds "verborgene Schöne" genannt. In der Tat: Vielen Krefeldern dürfte diese 1894 erbaute neogotische Kapelle nicht bekannt sein. Dabei ist sie so delikat, so erlesen in der Farb- und Formgebung, so intim der Größe nach, dass man sich erst einmal setzen, schauen und staunen möchte. Die Kapelle soll nun aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen: Guido Ruegenberg, Leiter des Altenheim St. Josef, Joachim Watzlawik und Ulla Schneider-Watzlawik als Betreiber einer Kulturagentur haben eine Konzertreihe ins Leben gerufen. Ein Ziel: dieses wunderbare neogotische Kleinod der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Erbaut wurde die Kapelle 1894; sie gehörte zum Kloster der Kölner Cellitinnen. Dieser Frauenorden (cella geht auf lateinisch "abgeschlossener Raum" zurück) stellte sich in den Dienst sozial-karitativer Aufgaben, und so war das Kloster auch nur kurz Kloster und dann ein Krankenhaus. Heute residiert dort das Altenheim St. Josef der Caritas.

In den 80er Jahren ist die Kapelle restauriert worden. Dabei wurde entdeckt, dass die Bemalung nicht zum Originalbestand von 1894 gehört, sondern um 1927 herum von dem Kirchenmaler Josef Wilhelm Pastern geschaffen wurde. In einem Aufsatz aus dem Jahr 1931 über das Josefshaus wird die Hauskapelle als "eines der schönsten Gotteshäuser von Krefeld" gerühmt und die Ausmalung auf 1927 datiert. Die Idee, dieses Kleinod rheinischer Kirchbaukunst für Konzerte zu nutzen, geht auf Joachim Watzlawik zurück. Altenheimleiter Ruegenberg ließ sich begeistern, zumal damit Vorteile für die Bewohner im Altenheim verbunden sind: "Viele haben am kulturellen Leben der Stadt teilgenommen und dürfen die Konzerte kostenfrei besuchen; wer nicht mobil genug ist, in die Kapelle zu kommen, kann das Geschehen auch per Videoübertragung verfolgen."

Im April richteten die Watzlawiks ein Probe-Konzert aus, um die Akustik zu prüfen. "Für Kirchenmusik und klassische Musik, für Streicher und Chöre ist der Raum wunderbar", resümiert Watzlawik. Ihm und seiner Frau geht es mit der Initiative auch um die Aufwertung des Viertels, das im Zuge der Vitalisierung der Alten Samtweberei einen Aufschwung erlebt. "Uns liegt das Viertel am Herzen", betont Ulla Schneider-Watzlawik.

Die Kapelle entzückt auch durch reichen neogotischen Schmuck. Die Kanzel ist aufwendig geschnitzt, die Balustrade zum Altar schön verziert. Die Bildgebung ist typisch für das 19. Jahrhundert und dürfte heute von manchem als süßlich empfunden werden; dennoch nimmt einen die Bildwelt gefangen - bis hin zu den Dämonenbildnissen am Fuß der Kanzel. Der Teufel hört eben immer mit. Es dürfte es ihm schwerfallen, von diesem Ort in die Hölle zurückzukehren.

Quelle: RP
 
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