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Kr Wie Krefeld
Krefelds vergessene Wahrzeichen

Krefeld. Was sind eigentlich Krefelds Wahrzeichen? Unbestritten wird die Dionysiuskirche als solches bezeichnet. Und sonst? Die vier Wälle? Das Kaiser-Wilhelm-Museum? Es gibt zwei Kriterien dafür, was ein Wahrzeichen ausmacht: Konsens und Liebe.

Spricht man mit Krefeldern über das ehemalige Stadtbad an der Neusser Straße, schwebt ein Wort riesig über den Köpfen: Schade! Gemessen an der Sympathie, die diesem Gebäude entgegenschlägt, muss man sagen: Es ist ein Wahrzeichen Krefelds, ein vergessenes zwar, aber ein Wahrzeichen. Und so schlägt auch der Perspektive, die Planungsdezernent Martin Linne eröffnet hat, nichts als Sympathie entgegen: Was, wenn die Stadt das Bad wieder herrichtet? Daraus ein feines, kleines Thermalbad macht, in dem man ebenso gepflegt schwimmen wie einen feinen Earl-Grey-Tee trinken kann?

Krefelds Wahrzeichen. Vielleicht täte es der Stadt gut, sich klarzumachen, was zu ihren Wahrzeichen zählt. Wahrzeichen werden Wahrzeichen durch den Konsens, mit dem sie geliebt werden. Wahrzeichen sind Wohnzimmer für Heimatgefühle. Krefeld, das oft mit sich selbst hadert, täte gut daran, um sie zu wissen.

Das Seidenweberhaus fällt dafür flach - es spaltet die Stadtgemeinschaft, übrigens: vom ersten Tag an. Es gab und gibt Gegner und Befürworter, und jedem guten Gefühl für dieses Haus steht ein ungutes zur Seite. Wahrzeichen spalten aber nicht, sie einen. Zuletzt geeint schien die Stadtgemeinschaft in ihren Gefühlen gegenüber der Werkkunstschule. Als die Studenten-Tradition dort 2006 endete, war Unruhe spürbar; das Interesse an dem Gebäude blieb auch nach Jahren des Stillstands riesig. Im Rückblick erweist sich dieses Gefühl als richtig: Der SPD-Politiker Uli Hahnen sprach damals instinktsicher von Identitätsverlust. Ja, das war es; die Uni hatte sich endgültig auf ihren Campus zurückgezogen. Die Jugend dort, die für Krefelds Zukunft steht, war in der City nicht mehr zu spüren. Wie schade.

Ein gerettetes Wahrzeichen Krefelds ist das Haus der Seidenkultur. Auch dieses Haus eint die Menschen in Sympathie und Freude am Schönen. Steht man vor dem Gebäude und blickt nach rechts und links, kann man lernen, dass die Pflege von Wahrzeichen auch städtebauliche Impulse bringt. Auffällig viele Fassaden in der Nachbarschaft sind erneuert; das Museum hat das ganze Quartier aufgewertet, andere Immobilienbesitzer zogen nach.

So wäre es sicher auch beim Stadtbad. Wenn dieses Jugendstil-Kleinod restauriert würde, wäre das eine Entwarnung für das ganze Viertel. Insofern kann man Linne nur eine glückliche Hand wünschen, wenn er Stimmen und Geld für das Projekt zusammenkratzt.

In diesem Jugendstil-Haus wäre Krefeld wieder zu Hause bei sich. Solche Gefühle braucht eine Stadt.

Quelle: RP
 
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