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Krefeld
Krefelds wertvollstes Lichtspielhaus

Krefeld: Krefelds wertvollstes Lichtspielhaus
Zweckmäßig, schnörkellos und schön - der Raum im Obergeschoss, der als Kantine genutzt wurde. FOTO: Manfred Grünwald
Krefeld. Eine Fotoausstellung in der Mediothek erlaubt fantastische Einblick in Struktur und Qualität des Stadthauses. Von Jens Voss

Es ist einer dieser Rätselsätze, die sich erst nach und nach am Objekt erschließen. Egon Eiermann (1904 - 1970), der zu den bedeutendsten Architekten der Nachkriegszeit gehört und das Krefelder Stadthaus entworfen hat, hat einmal über seine Arbeit gesagt: "Das bewusste Reduzieren, das Weglassen, das Vereinfachen hat eine tiefe ethische Grundlage: Nie kann etwas zuwider sein, was einfach ist."

Was das bedeutet, kann man zurzeit auf berückende Weise in einer Fotoausstellung in der Mediothek erkunden. Auf 130 Fotos wird das Stadthaus dokumentarisch, aber eben auch in seiner ästhetischen Brillanz, seiner spielerisch zu nennenden Leichtigkeit im Umgang mit Licht, Durchblick und Raum erschlossen.

Fantastischer Blick über Krefeld von der Kantine im Obergeschoss. FOTO: Manfred Grünwald

Die 130 Fotos sind eine Auswahl aus 200 Bildern, die der Krefelder Fotograf Manfred Grünwald in zwei Durchgängen gemacht hat - der erste erfolgte im Jahr 2012. Ziel war es ausdrücklich, den teils maroden Zustand des Gebäudes festzuhalten, aber eben auch seine ästhetische Qualität aufzuzeigen. Die Gratwanderung auf der Grenze zwischen Dokumentation und Kunstfotografie ist hervorragend gelungen. Die Bilder nehmen einen sofort gefangen, eben weil sie zeigen, was ist, aber unaufdringlich offen sind für die ästhetische Dimension hinter dem blanken materiellen Sein. Wie sagte Eiermann: "Nie kann etwas zuwider sein, was einfach ist." Die Fotos machen bewusst, wie stark der Formwille ist, der diese "Einfachheit" inszeniert.

Grünwald hat für die Fotos tagelang das Gebäude erkundet, ist auch schon mal auf Vordächer geklettert und hat die Lichtverhältnisse bei verschiedenen Sonnenständen erarbeitet. Dieser Teil der Arbeit hat sich phänomenal gelohnt: Es sind vor allem die Lichteffekte, die immer wieder erstaunen und offenbaren, wie sehr Immaterielles - Licht - und Materielles - Glas, Stahl, Wände - durchkomponiert sind. So kann ein simpler Gang zum Ereignis werden, weil er oben von einer Schiene aus Licht bekränzt ist, die die erdenschwere Trivialität des Zwecks mit Leichtigkeit durchlüftet und so etwas wie Ahnung von einem Sein hinter dem Sein fühlbar macht.

Das Foto zeigt auch, wie marode etwa die Fenster-Rolläden sind. FOTO: Manfred Grünwald

Grünwald hat sowohl Totalen als auch Details abgebildet; es war ihm auch wichtig, die Öffnung des Gebäudes zur Stadt hin festzuhalten. Zu den schönsten Räumen Krefelds dürfte die Kantine des Stadthauses im Obergeschoss gehören - der Raum selbst ist licht und leicht und erlaubt fast atemberaubende Durchblicke in die Stadtlandschaft Krefelds. Am Ende des Rundgangs durch die Mediothek versteht man besser, warum Eiermann zu den großen europäischen Architekten gehört. Und man versteht einen anderen Satz von ihm: "Architekten sind ein merkwürdiges Volk. Von den Technikern werden sie für Künstler gehalten und von den Künstlern für Techniker. Beide haben Recht."

Bekanntlich haben sich CDU und SPD dafür ausgesprochen, das Stadthaus nach dem PPP-Modell für knapp 70 Millionen Euro sanieren zu lassen - es ist die laut externem Fachgutachten kostengünstigste Lösung, günstiger als eine Sanierung in Eigenregie der Stadt und günstiger als ein Neubau.

Schnörkellose Formen, eingebunden in und geöffnet zu Grünanlagen. FOTO: Manfred Grünwald
Quelle: RP
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