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Krefeld
Kreschtheater - wie es Jugendliche wollen

Krefeld: Kreschtheater - wie es Jugendliche wollen
Laura Thomas als das "Girl", das im Konfettiregen die Träume vom eigenen Ruhm und Glanz feiert. FOTO: T. weinmann
Krefeld. Wie herrlich einfach war die Welt im vor-digitalen Zeitalter. Da gab es Haushaltsgerätehersteller, die wussten, was Frauen wünschen. Heute kündigen zwar immer noch viele Dienstleiter vollmundig an, dass sie die Bedürfnisse der konsumrelevanten Zielgruppen kennen. Aber tun sie das? Wer weiß schon, wie junge Leute zwischen 16 und 26 Jahren wirklich ticken? Von Petra Diederichs

Regisseur und Autor René Linke ist fürs Kreschtheater auf Erforschung gegangen und hat den Spieß umgedreht: "Testpublikum gesucht. Ein Experiment" nennt er seine theatrale Multimedia-Collage, die jetzt in der Studiobühne Premiere hatte. Sein Coup: Linke erklärt die Zuschauer zum Testpublikum, das er von einem berufsjugendlichen Moderator (Helmut Wenderoth) befragen lässt: "Welches Theater wollt ihr?"

Das ist clever: Per roter und grüner Stimmkarte nehmen die Zuschauer Einfluss auf den Abend - wer soll da hinterher meckern, ohne selbst in der Verantwortung zu sein? Natürlich erkennt die Generation Selfie die Ironie: Hier wird nur abgestimmt, ob die Prototypen "Girl" (Laura Thomas) und "Boy" (Elias Ordelmans) dieses oder jenes T-Shirt anziehen sollen. Alles Wesentliche wird vom Moderator oder dem Regisseur aus dem Off gesteuert, die Theaterleute setzen sich in die Position der Werbeleute und Influencer, und gleichzeitig formulieren sie die Botschaft: Gestalte den Leben aktiv. Das Kreschteam baut eine Welt aus statistischen Daten, die sich mit Ironie beliebig auf jeden Trend biegen lassen. Die Immerzu-Bereitschaft, seine Meinung kundzutun, fußt da auf dem ständigen Zwang, entscheiden zu müssen - allein unter mehr als 700 Kaffeesorten. Das Zielpublikum Ü16 hat Humor. Darauf baut Linkes Experiment. Blitzlichtartig flackern Klischees und Statistiken auf, um das Profil "der Jugend" zu bestimmen, deren Top-3-Lieblingsplätze die Couch, die Showbühne und das Bett sind. Zwischen Video- und Soundcollagen, Spielszenen, Umfragen und interaktiver Zuschauerbefragung verheddert sich der rote Faden manchmal. Erinnerungen an die Love-Parade-Katastrophe wirken wie ein Fremdkörper. Der Auftritt einer Störerin (Esther Butt), die mit kritischen Fragen zu Meinungserforschungen für Brüche sorgt, dagegen passt bestens.

Aufführungen bis März in Planung.

Quelle: RP
 
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