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Krefeld
Kripo jagt Einbrecher mit moderner Technik

Krefeld: Kripo jagt Einbrecher mit moderner Technik
Per Faltblatt gibt die Polizei Tipps zum Schutz vor Wohnungseinbrüchen. FOTO: Lammertz Thomas
Krefeld. Die Zahl der Einbrüche in Krefeld ist in den ersten fünf Monaten des Jahres um mehr als 17 Prozent gesunken. Trotzdem wissen die Experten der "Ermittlungsgruppe Dämmerung" der Polizei, dass ihnen die Arbeit nie ausgehen wird. Von Joachim Niessen

Sie sind rund um die Uhr zum Schutz der Bürger im Einsatz. Trotzdem wissen die Experten der "Ermittlungsgruppe Dämmerung" der Krefelder Polizei, dass ihnen die Arbeit nie ausgehen wird. Die Frauen und Männer um Kriminalhauptkommissar Uwe Laußmann haben den Einbrechern in Krefeld den Kampf angesagt. Mit modernster Technik und viel Erfahrung versuchen die Beamten, den Dieben auf die Spur zu kommen. Derzeit ist die Erfolgskurve der Polizei positiv. Die Zahl der Einbrüche ist in den ersten fünf Monaten 2016 auf 354 gesunken. Im Vorjahr waren es in diesem Zeitraum 430 gewesen. Ein Minus von 17,67 Prozent. Und auch die Aufklärungsquote ist positiv. In 27,4 Prozent wird der Täter gefasst. Im NRW-Durchschnitt liegt die Quote um die 15 Prozent.

Laußmann weiß, dass auch diese Zahlen nur Momentaufnahmen sind. Der 53-Jährige sieht aber auch, dass sein Team auf dem richtigen Weg ist, den Dieben in Krefeld das Leben schwerzumachen. Personaleinsatz, Fachkompetenz und Begeisterung für den Job sind einige der wichtigen Bausteine, welche die Erfolge der "Ermittlungsgruppe Dämmerung" mitprägen. Laußmann ist im Team seit dessen Gründung im Herbst 2012 dabei. Was damals zeitlich befristet als Kommission gegründet wurde, hat sich mittlerweile als fester Bestandteil im Präsidium am Nordwall etabliert. Andere Städte kopieren inzwischen das Krefelder Erfolgskonzept.

Kriminalhauptkommissar Uwe Laußmann, arbeitet in der "Ermittlungsgruppe Dämmerung". FOTO: TL

Wichtig ist das Team: Acht Sachbearbeiter im Hintergrund, drei operative Kollegen vor Ort - das ist die Kernmannschaft - die jederzeit aus anderen Bereichen der Behörde unterstützt wird, wenn es nötig und das Personal vorhanden ist. Grundlage der Krefelder Ermittler ist die akribische Arbeit am Tatort. "Jede Information ist für uns wichtig. Deshalb werden grundsätzlich auch Nachbarn befragt, die oft Hinweise auf verdächtige Personen oder unbekannte Autos geben können, die im Umfeld gesehen worden sind", weiß der Kriminalhauptkommissar. So mancher Blick in die Lichtbilderdatei der Kripo hat die Täter überführen können. "Oft hätten die Bürger, die wir ansprechen, von sich aus als Zeugen gar nicht gemeldet", so der Experte, der sich vor seinem Job in der Ermittlungsgruppe mehr als zehn Jahre mit Kfz-Delikten beschäftigt und neben allem Fachwissen auch ein Gespür für Spuren entwickelt hat: "Natürlich brauchen wir auch Glück und den Kollegen ,Kommissar Zufall'. Das gehört dazu."

Und doch kann man an manchen Stellen auch das Glück erzwingen. Neben Beobachtungen der Anwohner steht die "qualifizierte Tatortaufnahme" im Mittelpunkt. Kippen, Flaschen, Türrahmen alles wird kontrolliert. "Es ist bei weitem nicht so, dass alle Täter mit Handschuhen arbeiten", beschreibt Laußmann die Situation. Der Erkennungsdienst sucht gezielt unter anderem nach der DNA des Diebes. Und: "Auch Profis unter den Einbrechern hinterlassen Spuren."

Wenn die Ermittlungsgruppe einmal das Ende des kriminaltechnischen Fadens zweifelsfrei in Händen hält, wird es für die Täter eng. Geht es um organisierte Kriminalität, sitzt der Staatsanwalt ganz schnell mit am Tisch. Gemeinsam werden verdeckte Maßnahmen durchgesprochen. "Jeder Täter hinterlässt am Tatort seine Handschrift", erklärt Laußmann. Die Einsatzweise des Einbruchswerkzeugs, der Werkzeugtyp, die Tatzeit - alles ergibt am Ende Rückschlüsse auf den Täter. Und damit zieht sich für ihn die Schlinge immer enger zu. Wie im März in Inrath: Die Beamten fassten am frühen Morgen den gesuchten Mann, als dieser dort nach einem Einbruch aus dem Fenster kletterte. "Es hat alles gepasst", so Laußmann.

Auch internationale Gruppen wurden mit Hilfe der Krefelder Experten bereits hinter Schloss und Riegel gebracht. Die Diebesbande war nicht nur am Niederrhein, sondern auch in den Beneluxländern, Frankreich und Österreich aktiv. Es wurden Handys ausgelesen, Kennzeichen erfasst und Bewegungsprofile erstellt. Beim Zugriff stellten die Beamten eine Reisetasche voll mit gestohlenem Schmuck sicher. Drei Täter wurden inzwischen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Ein wichtiger Teil dieses Erfolgs ist ein funktionierendes Netzwerk, in das die "Ermittlungsgruppe Dämmerung" auch über die Krefelder Behördengrenzen hinweg eingebunden ist. Alle sechs Wochen treffen sich 30 bis 35 Spezialisten beim Landeskriminalamt (LKA) in Düsseldorf hinter verschlossenen Türen zum Informationsaustausch. "Dort wird offen gesprochen, Erfahrungen werden weitergegeben", so Laußmann. "Trotz aller Technik ist dieser persönliche Kontakt wichtig. Er bringt uns zwischenmenschlich und fachlich weiter."

Und doch braucht die Polizei beim Kampf gegen die Einbrecher vor allem die Unterstützung der Menschen vor Ort. "Wir verstehen uns als Partner der Bürger. Wer in seinem Umfeld etwas ungewöhnliches beobachtet, soll uns das ruhig melden. Wer ein Auto sieht, das eigentlich dort nicht hingehört, soll einfach das Kennzeichen notieren und anrufen. Wir kommen lieber zehn Mal umsonst, als dass uns ein Täter durch die Lappen geht", sagt der 53-Jährige.

Und dass die Krefelder Polizei blitzschnell reagiert, wissen inzwischen auch die Diebe: Im Durchschnitt brauchen die Beamten weniger als vier Minuten, um am Tatort zu sein. Landesweit ist das spitze.

Quelle: RP
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