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Krefeld
Krisengipfel: Schullandheim Herongen wird Flüchtlingsheim

Krefeld: Krisengipfel: Schullandheim Herongen wird Flüchtlingsheim
Die Turnhalle Lindenstraße ist die neue Notunterkunft. FOTO: T. L.
Krefeld. Die Bezirksregierung hat dringend um Hilfe gebeten - vorhandene Buchungen in Herongen werden storniert. Von Sebastian Peters

Die Bezirksregierung Düsseldorf wird das Krefelder Schullandheim in Straelen-Herongen ab sofort für einen Übergangszeitraum für die Unterbringung von Flüchtlingen nutzen. Dies wurde auf einem Krisengipfel mitgeteilt, den Oberbürgermeister Gregor Kathstede (CDU) kurzfristig einberufen hatte. Nach ersten Informationen sollten bereits an diesem Wochenende erste Flüchtlinge in Herongen unterkommen. Heimleiter Klaus Friedrich, den unsere Zeitung gestern telefonisch erreichte, sagte aber: "Noch sind wir durch die Bezirksregierung nicht informiert worden, wann was genau passiert." Bis gestern Nachmittag geschah noch nichts, keine Umbauten, keine Vorbereitungen. 130 Schlafplätze bietet das Heim. Zunächst hat die Bezirksregierung das Schullandheim bis 19. Oktober geblockt, doch es sei zu erwarten, dass auch danach die Flüchtlinge dort untergebracht werden, sagt Friedrich. Er sehe die menschliche Komponente: "Die Flüchtlinge haben allen Anspruch auf Hilfe."

Schullandheim in Herongen, hier das Haus Krähennest, ist jetzt Flüchtlingsquartier: Die Heimleitung wurde durch die Entscheidung der Bezirksregierung komplett überrascht. FOTO: FV

Die Kosten für die Unterbringung sowie für Versorgung und Betreuung trägt das Land. Nordrhein-Westfalen erwartet alleine an diesem Wochenende 5000 neue Asylbewerber. Regierungspräsidentin Anne Lütkes hatte Krefeld dringend um Hilfe gebeten. Die Stadtverwaltung teilte mit, man sehe sich mangels kurzfristiger Alternativen in der Verantwortung. Dies bedeutet, dass vorliegende Buchungen des Schullandheims, auch für die Zeit der Herbstferien, storniert würden. Vier Gruppen sind es, eine wollte am heutigen Samstag anreisen, eine am Montag. Sie sind bereits informiert worden. Noch vor zwei Wochen hatte der Krefelder Rat mangels Auslastung von Schülergruppen die Schließung des Schullandheims diskutiert. Die Nachfrage lief gerade wieder an, sagt Friedrich.

Menschenkette am Ausländeramt neben dem Cinemaxx. FOTO: T. L.

Beim Krisengipfel im Rathaus ist auch beschlossen worden, schnell zu prüfen, welche weiteren verfügbaren Räumlichkeiten kurzfristig als Notunterkunft genutzt werden können. Ehemalige Schulgebäude sowie weitere freistehende und frei werdende Gebäude, darunter auch das Seniorenheim Westparkstraße, würden in die Überlegung einbezogen. Die Stadt hat kaum noch Platz, Flüchtlinge unterzubringen. Als letzte aktuell zur Verfügung stehende Notreserve gilt die Turnhalle Lindenstraße, die in dieser Woche bezugsfertig gemacht worden ist. 32 Betten stehen dort dicht an dicht, abgetrennt nur durch Spinde sowie einen Bauzaun, der mit dunkler Plastikfolie verdeckt ist. Eine "Behelfslösung" nennt dies Wolfram Gottschalk, Leiter des Sozialamtes.

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Derzeit leben 918 Asylbewerber in Krefeld, so viele wie vor einer Woche. Gottschalk sagt: "Das Problem ist für uns, dass die neuen Flüchtlinge in den vergangenen Wochen immer freitagsnachmittags kamen und wir erst kurz vorher davon erfuhren. Wir haben mit der Bezirksregierung darüber geredet, es lässt sich wohl nicht ändern."

Gottschalk betont, dass die Stadt bisher nicht - wie in anderen Städten - private Sicherheitsdienste zur Überwachung von Flüchtlingseinrichtungen einsetzt. "In Krefeld haben wir bisher ausschließlich städtisches Personal, meist Hausmeister mit Zusatzfunktion." Derzeit arbeiten 28 Mitarbeiter aus dem Sozialamt im Bereich Flüchtlinge, das Personal sei schon aufgestockt worden und es würden weitere Mitarbeiter benötigt, sagt Gottschalk. Die Mitarbeiter würden auch für Konfliktsituationen mit Deeskalationstrainings geschult; diese Trainings seien schon weit vor den Vorfällen in Burbach und Essen gestartet worden und würden in den kommenden Wochen fortgesetzt.

Unterdessen zeigen immer mehr Krefelder ihre Solidarität mit den Flüchtlingen. Am Donnerstagabend haben auf Initiative des Krefelder Bündnisses für Toleranz und Demokratie 150 Krefelder eine Menschenkette um das Ausländeramt am Cinemaxx gebildet. Die Demonstration richtete sich gegen die Politik der Großen Koalition auf Bundesebene, das Asylrecht zu verschärfen.

Quelle: RP
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