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Krefeld
Kritik an Prägeasphalt für Kölner Straße

Krefeld: Kritik an Prägeasphalt für Kölner Straße
Hier kommt der Prägeasphalt hin: Die Kölner Straße von Süden aus fotografiert. Links im Bild ist der Zunftbaum an der Anrather Straße zu sehen. FOTO: Lammertz
Krefeld. Auf rund 160 Metern soll auf der Kölner Straße Prägeasphalt verlegt werden - nun gibt es Bedenken wegen möglicher Lärmentwicklung. Unklar bleibt auch, aus welchem Topf die Mehrkosten finanziert werden. Von Carola Puvogel

Fischelner Politik, Werbering und Bürgerverein sind begeistert - doch jetzt wird erste Kritik aus der Bürgerschaft darüber laut, dass die Kölner Straße im Bereich des geplanten sogenannten Dorfplatzes (wir berichteten) Anrather Straße/Kölner Straße Prägeasphalt verlegt werden soll.

"Es kann nicht sein, dass die vollkommen desolate Pflasterung durch einen leiseren Asphaltbelag erneuert wird und dieser Gewinn durch eine "Fugenprägung" wieder zunichtegemacht wird. Das ist nicht im Sinne der betroffenen Bewohner der Kölner Straße und auch nicht im Sinne der Lärmaktionsplanung der Stadt", formuliert Anlieger Bernd Driesen in einem Schreiben an den Oberbürgermeister, das unserer Redaktion vorliegt.

Er habe, so Driesen, rein zufällig von dem Vorhaben "Fugenprägung" auf einer Strecke von 160 Metern erfahren. Betroffene Anlieger seien über das Für und Wider der Oberflächengestaltung nicht informiert, noch an der Entscheidung beteiligt worden.

Hintergrund: Mit der Fugenprägung soll der optische Eindruck einer Pflasterung entstehen. Damit soll das Gebiet um das Wunschprojekt "Dorfplatz" im Bereich des Zunftbaums optisch aufgewertet werden. Langfristig soll dort ein "Shared Space" entstehen, in dem alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt agieren.

Driesen befürchtet jedoch, dass durch die "mindestens fünf Millimeter breiten und fünf Millimeter tiefen Fugen" die Geräusche von Fahrzeugen erheblich erhöht würden. Driesen, selbst Ingenieur, führt aus, dass das Fahrbahn-Reifengeräusch um drei bis sechs Dezibel steigen könnte.

Das bestätigt der Bauleiter der ausführenden Firma aus Frankfurt. Das Unternehmen Asphaltbau und Mischwerke GmbH ist deutschlandweit das einzige Unternehmen, das auf Prägeasphalt spezialisiert ist und wird die Arbeiten auf der Kölner Straße ausführen. "Ja, das macht sicherlich einen Unterschied, keine Frage, denn es sind ja Fugen im Asphalt, über die die Reifen laufen." Genaue Messreihen, wie viel lauter Prägeasphalt ist, gebe es aber nicht. Das sei "mal ein gutes Thema für eine Diplomarbeit". Denkbar sei aber, dass der Effekt deshalb nicht ganz so gravierend ausfallen werde, weil die anders gestaltete Fahrbahnoberfläche temporeduzierend wirken könne. Robert Reichling, Vorsitzender des Werberings Fischeln, spricht von einem "akustischen Weckruf": "Der Effekt ist, dass wenn man von glattem Asphalt auf den Prägeasphalt fährt und sich dadurch das Reifengeräusch verändert, man automatisch das Tempo reduziert."

Die Bezirksvertretung hatte kurz vor Baubeginn die Fugenprägung mit breiter Mehrheit befürwortet. Gleichzeitig hatte der Werbering Fischeln in einer großangelegten Spendenaktion begonnen, Geld für die Pflasterprägung zu sammeln. Die Mehrkosten werden mit rund 80.000 Euro veranschlagt. Wie das Geld vom Werbering an die Stadt übertragen werden soll, wollte die Verwaltung auf Anfrage unserer Zeitung nicht verraten. Auch die Frage, woher das Geld kommen soll, wenn die Fischelner Spendenaktion nicht genug einbringt, blieb unbeantwortet. "Die Finanzierung wird gesichert, mehr kann ich dazu leider nicht sagen", teilte Stadtsprecher Manuel Kölker mit. Zu konkreten "Vertragsdetails" wolle man keine Stellung nehmen. Welcher Vertrag -etwa zwischen Werbering und Stadt - gemeint sein könnte, blieb auch nach erneuter Nachfrage offen.

Fest steht inzwischen, dass die Arbeiten wohl nicht zur Fischeln Open am 11. September abgeschlossen sein werden. Dennoch sei die Veranstaltung nicht gefährdet. Es würden dann nur noch "Abschlussarbeiten" auf südlichsten Teil der Kölner Straße Nähe Friedhof und Eichhornstraße erledigt, so Kölker. Die Arbeiten können nicht, wie ursprünglich vorgesehen, in drei separaten Abschnitten erfolgen. Ein Grund ist, dass der Bereich, wo die Fugenprägung aufgebracht wird, sich über zwei der Bauabschnitte erstreckt. Deshalb liegen Teile der Baustelle zeitweilig brach.

Quelle: RP
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