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Krefeld
Kritische Naturbeobachtung in Ölfarbe

Krefeld: Kritische Naturbeobachtung in Ölfarbe
Andrea Küster mit ihren Arbeiten in der Friedenskirche. Weiße Blumen, die für Reinheit stehen, hat sie ihrer makellosen Dekorationsschönheit beraubt, um sich malerisch dem Charakter jeder Blüte anzunähern. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Andrea Küster zeigt ihre großformatigen Blumenbilder in der Friedenskirche. Dabei geht es ihr nicht um das Dekorative, sondern um einen kritischen Umgang mit den Begriffen Natur und Schöpfung. Von Mojo Mendiola

"Neue Pflanzung" heißt die Ausstellung von Andrea Küster, die in der Friedenskirche zurzeit zu sehen ist. Die in Kiel geborene und in Düsseldorf lebende Künstlerin mit internationaler Ausstellungsgeschichte ist auch in Krefeld keine Unbekannte, wurde sie doch bereits mehrfach in der Galerie Meta Weber präsentiert.

Das Pflanzliche, zumeist Blumen oder auch "nur" deren Blüten, sind das Haupt-Sujet der Malerin. Sie sieht sich jedoch nicht als Abbilderin des Dekorativen, sondern als - mitunter auch kritische - Beobachterin dessen, was für sie wahrnehmbar ist. So vereint sie auf einem ihrer in Öl und Acryl auf Nessel gemalten Großformate gelbbraunwelkes Herbstlaub mit einer weißen Frühlingsblüte. "Die Beobachtung, dass die Blumenindustrie schon im Herbst Frühlingsblumen produziert, dass zu Weihnachten frische Erdbeeren angeboten werden und dass die modernen Verkehrs- und Kommunikationsmittel die einstigen Dimensionen von Entfernung und Zeit verrückt haben, hat mich dazu inspiriert", erzählt Küster.

Sie erarbeitet sich ihr Motiv immer in mehreren Schritten. Am Anfang steht die Zeichnung, die sich mit den Umrissen der Blütenblätter in ihrer spezifischen Haltung in einem bestimmten Moment des Blühens beschäftigt. Dann folgt ein klein- bis mittelformatiges Aquarell, das den Charakter der Blume oder Blüte zu ergründen sucht, und dann erst folgt der große Wurf, mal edel pastellig und dezent, mal in wuchtiger Farbgebung - je nachdem, ob es sich um eine Lilie oder Rose oder um eine Iris oder Amaryllis handelt. Große Könnerschaft verrät dabei das Ineinanderwirken der verwendeten Farben.

Etwa 40 Arbeiten in den Größen von 20 mal 30 bis 125 mal 230 Zentimeter sind zu sehen, die aus all diesen drei Arbeitsphasen ausgewählt wurden, außerdem zwei Friese. Hinzu kommen Scherenschnitte, die sich als Abstraktionen der Formen und auch Farben der Motive verstehen lassen, denn sie sind nicht in Schwarz-Weiß gehalten. Mitentscheidend für die Werkauswahl zu dieser Schau war der Umstand, dass Andrea Küster zum ersten Mal in einer Kirche ausstellt. Die Bilder im Kirchenraum selbst zeigen deshalb das Pflanzliche als solches, so dass es als Symbol für Natur und Schöpfung stehen kann, während im angrenzenden "Café Kulturpunkt" auch Blumen zu sehen sind, die der Mensch in das selbstgeschaffene Artefakt Vase gestellt hat.

Die Ausstellung ist bis 19 Juni zu sehen in der Friedenskirche, Luisenplatz 1, Öffnungszeiten: di., do., fr. 9 bis 13 Uhr und 14 bis 16 Uhr, mi. 9 bis 13 Uhr und 19 bis 22 Uhr.

Quelle: RP
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